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Mark Rothko

Enzyklopädieartikel

Mark Rothko, eigentlich Marcus Rothkowitsch, (1903-1970), amerikanischer Maler lettischer Herkunft. Mit seinen großflächigen Bildern aus rechteckigen Farbfeldern war er ein bedeutender Vertreter des Abstrakten Expressionismus und Wegbereiter des Color-Field-Painting.

Mark Rothko wurde am 25. September 1903 als Sohn eines jüdischen Apothekers in Dvinsk (Russland, heute Daugavpils, Lettland, deutsch Dünaburg) geboren. Seine Familie wanderte 1913 in die USA ein und ließ sich im Bundesstaat Oregon nieder. Von 1921 bis 1923 studierte Rothko Kunst an der Yale University in New Haven und anschließend an der Art Student’s League in New York, wo er 1933 seine erste Einzelausstellung präsentierte. 1936/37 war Rothko kurzzeitig für das Works Progress Administration/Federal Art Project (WPA/FAP) tätig, das bundesstaatliche Kunstprojekt der USA zur Unterstützung von Künstlern zur Zeit der Weltwirtschaftskrise. Seine frühen Arbeiten der dreißiger Jahre standen im Zeichen eines kritischen sozialen Realismus und zeigen gegenständliche Motive aus dem alltäglichen Umfeld des Künstlers.

Später integrierte Rothko unter dem Einfluss der Werke von Max Ernst Elemente des Surrealismus und schöpfte aus dem Formenkanon der Kunst indigener Völker, wie in Baptismal Scene (1945). Er schuf an Traumwelten erinnernde biomorphe Kompositionen, die von den Arbeiten Arshile Gorkys, Joan Mirós und William Baziotes’ beeinflusst waren. 1948 gründete Rothko in New York zusammen mit Baziotes, Robert Motherwell und Barnett Newman die Künstlerschule The Subject of the Artist, die eine der wichtigsten Spielarten des Abstrakten Expressionismus repräsentierte. In dieser Zeit wandelte sich Rothkos Stil erneut: Indem er schrittweise auf konstruktive Raumverweise und auf Gegenständlichkeit verzichtete, entstanden seine charakteristischen großflächigen Bilder mit ineinander verschwimmenden Farbrechtecken, wie No. 10 (1950) oder Four Darks in Red (1958), die sein weiteres künstlerisches Schaffen prägen sollten. Rothko wählte am 25. Februar 1970 in New York den Freitod.

Rothko verstand seine Bilder als abstrakte Meditationsflächen. Sie bieten dem Betrachter nichts Erkennbares, nichts zu Entschlüsselndes und sind dennoch weitaus mehr als plakative Farbwände. Mit seinen zugleich immateriell und körperhaft, formlos und formenhaft wirkenden Farbfeldern wollte der Künstler einen „Zustand von Intimität” schaffen, der auch den Betrachter mit einbezieht. Diese spirituell-meditative Wirkung der Bilder, die oftmals auch mit Ikonen verglichen wurden, entsteht durch an den Rändern ineinander verschwimmende Farbrechtecke, die vor- und zurückzuschwingen scheinen.

Earth and Green (1955) zeigt beispielsweise auf blauem Grund ein großes grünes Rechteck und darüber ein schmaleres Rechteck in Rotbraun. Die Farbflächen sind in sich nuanciert und laufen zu den ausfransenden Rändern hin in Schattierungen aus. Durch die suggestiv zusammenklingenden Farben erscheinen die Rechtecke körperhaft und bewegt, so als würde der blaue Untergrund sie behutsam abfedern. Auch die Komposition No. 35 (1958) – ein in rote Farbflächen eingebetteter horizontaler schwarzer Streifen – erzeugt eine vibrierende schwebende Intensität, indem die Farbflächen gleichzeitig ineinanderzufließen und sich abzugrenzen scheinen. Mit der Rothko Chapel in Houston, seinem Hauptwerk, an dem er von 1964 bis 1967 arbeitete und das 1971 posthum fertig gestellt wurde, schuf er einen der eindrucksvollsten Sakralräume der Neuzeit: Im Auftrag der Familie de Menil stattete er eine achteckige Kapelle mit großflächigen dunklen Bildern in Schwarz, Pflaumenrot und Violett aus. Ab 1969 reduzierte Rothko seine Farbauswahl auf Grau- und Brauntöne, die ihm als Gegenpol zu Schwarz dienten.

Rothkos Bildsprache, die sich ganz auf die Farbe und ihre Wirkung konzentriert, beeinflusste maßgeblich die Entwicklung der Farbfeldmalerei (Color-Field-Painting). Rothko gehört neben Jackson Pollock, Willem de Kooning und Barnett Newman zu den Hauptvertretern des Abstrakten Expressionismus, auch wenn er der expressiven Aktion eines Jackson Pollock eine meditative Farbkomposition entgegensetzte.

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