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    Unter japanischer Literatur versteht man die in japanischer Sprache verfasste Literatur. Sie umfasst einen Zeitraum von ca. 1.500 Jahren von Kojiki bis zur Gegenwart.

  • Japanische Literatur

    Japanische Literatur in deutschen Verlagen 1.Teil: Lieferbare Titel der Japanische Bibliothek im Insel Verlag, Frankfurt am Main und Leipzig . Enchi, Fumiko:

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Japanische Literatur

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Murasaki Shikibu: Die Abenteuer des Prinzen GenjiMurasaki Shikibu: Die Abenteuer des Prinzen Genji
Artikelgliederung
1

Einleitung

Japanische Literatur, von Japanern sowohl in japanischer als auch in chinesischer Sprache geschriebene Literatur. Der vorliegende Artikel beschäftigt sich vornehmlich mit Werken in japanischer Sprache.

Hauptformen der japanischen Literatur sind im Wesentlichen Prosa, Lyrik und das Drama (japanisches Theater). Die Einteilung erfolgt in der Regel in die Perioden Yamato, Heian, Kamakura, Muromachi, Edo und die Neuzeit, wobei – mit Ausnahme der Letzteren – alle ihre Bezeichnung von der jeweiligen Hauptstadt der entsprechenden historischen Periode herleiten (siehe japanische Geschichte).

2

Yamato-Periode (Vorzeit bis spätes 8. Jahrhundert n. Chr.)

Es gibt zwar keine schriftlich überlieferte Literatur vor dem 8. Jahrhundert, doch sind in den Jahrhunderten davor zahlreiche Balladen, rituelle Gebete, Mythen und Legenden entstanden. Diese Werke wurden später niedergeschrieben und in folgenden Büchern gesammelt: im Kojiki (712; Berichte über Begebenheiten im Altertum), abgefasst in Japanisch mit chinesischen Schriftzeichen, und im Nihon shoki (720; Japanische Annalen), das fast ausschließlich in chinesischer Sprache geschrieben ist. Es handelt sich hierbei um die ältesten japanischen Geschichtsbücher, in denen dargelegt wird, woher das japanische Volk stammt, wie der japanische Staat entstand und welcher Art die politische Ordnung war. Zwar wurzeln beide Werke mehr oder minder auf denselben Mythen und geschichtlichen Quellen, doch ist das Kojiki eindeutig auf die japanische Leserschaft ausgerichtet, während das vom chinesischen Gedankengut beeinflusste Nihon shoki umfassender angelegt ist.

Aus den frühen Balladen, die in diesen beiden Werken enthalten sind, entwickelte sich eine Dichtkunst, die sich in der ersten großen japanischen Anthologie wiederfindet, dem Manyō-shū (Zehntausend-Blätter-Sammlung), die der Dichter Ōtomo no Yakamochi nach 759 zusammenstellte. Dieser Anthologie liegt eine primitive Silbentabelle zugrunde, die so genannte manyō-gana, bei der chinesische Schriftzeichen als phonetische Symbole für Silben dienen, nicht für Wörter. Die beiden wichtigsten Formen der Dichtkunst, die in der Anthologie enthalten sind, heißen chōka und tanka. Das chōka (langes Gedicht) besteht aus Verszeilen von abwechselnd fünf und sieben Silben, denen eine siebensilbige Schlusszeile folgt, an die eine oder mehrere hanka (Schlussstrophen) angehängt sind. Die zweite Form wird tanka (kurzes Gedicht) oder waka genannt und besteht aus 31 Silben, die in fünf Zeilen angeordnet sind und einem Wechsel von fünf, sieben, fünf, sieben und sieben Silben folgen. Das tanka wurde zur maßgebenden japanischen Versform, die bis in die Neuzeit hinein nichts von ihrer Lebendigkeit verlor, wohingegen das chōka bald an Beliebtheit einbüßte. Herausragende Dichterpersönlichkeit des Manyō-shū ist Hitomaro Kakinomoto (Glanzzeit um 680 bis 710), ein Dichter, der alle Versformen beherrschte. Die vorherrschende Stimmung der Anthologie wird mit makoto umschrieben, was Wahrheit oder Lauterkeit bedeutet und das völlige Miteinbezogensein der Person einschließt.

3

Heian-Periode (spätes 8. bis spätes 12. Jahrhundert)

Im späten 8. Jahrhundert wurde der Regierungssitz nach Heian (dem heutigen Kyoto) verlegt, und an den Aristokratenhöfen entstand eine neue Art der Literatur. Die Schaffung einer japanischen Silbentabelle half damals bei der Entwicklung von Prosa und Dichtung. Das Kokinshū (905; Lieder aus alter und neuer Zeit) spiegelt einen deutlichen atmosphärischen Wandel weg vom Ideal der persönlichen Lauterkeit, die für die vorangegangene Periode kennzeichnend war, hin zu mono no aware, dem Einfühlen in das Wesen der Dinge und der Verbundenheit von Natur und Mensch. Der wichtigste Sammler, Ki Tsurayuki (um 945 verstorben), der in seinem Vorwort die Grundlagen für eine japanische Poetik legte, war selbst ein bedeutender Dichter, dessen Werke in der Anthologie enthalten sind. Die meisten davon stammen jedoch aus früheren Perioden. Tsurayuki gilt auch als Autor des Tosa-nikki (935; Tosa-Tagebuch), dem ersten Beispiel für eine wichtige landestypische Gattung, dem literarischen Tagebuch. Darin beschreibt er seine Reise von der Provinz Tosa in seine Heimat Kyoto und schildert in bewegenden Worten den Tod seiner Tochter.

Die Literatur des frühen 10. Jahrhunderts bestand entweder aus Märchen wie Taketori-monogatari (Das Märchen vom Bambussammler) oder aus epischen Gedichten wie Ise monogatari (ca. 980; Erzählungen aus Ise). Die Höhepunkte der Heian-Literatur entstanden im späten 10. und frühen 11. Jahrhundert, etwa Genji monogatari (ca. 1010; Der Roman des Prinzen Genji) von der Hofdame Murasaki Shikibu und Makura-no-sōshi (Das Kopfkissenbuch) von Sei Shonagon, einer weiteren Hofdame. Der Roman des Prinzen Genji, ein genaues Panorama des höfischen Lebens in Heian, kann als erster wichtiger Roman der Weltliteratur gelten. Das Buch enthält auch zahlreiche tanka, verfasst von Protagonisten des Werkes in verschiedenen Situationen. In 54 langen Kapiteln zeichnet der Roman Leben und Lieben des Prinzen Genji und von Kaoru, seinem vermeintlichen Sohn. Gegen Ende wird die Geschichte immer tiefschürfender, was ein Hinweis dafür sein könnte, dass die Autorin die Kunst der Prosa nun vollkommen beherrschte. Das Kopfkissenbuch, der ältere der beiden Klassiker, bietet eine witzige und häufig brillante Sammlung von Szenen, die mehr die weltlichen Aspekte dieser höfischen Gesellschaft schildern.

4

Kamakura-Muromachi-Periode (spätes 12. bis 16. Jahrhundert)

Der Zusammenbruch des japanischen Hofadels gipfelte in der Niederlage des Taira-Clans gegen den Minamoto-Clan, der 1192 in Kamakura die Regierung bildete. Vom Ende des 12. bis ins frühe 17. Jahrhundert herrschten in Japan fast ununterbrochen Krieg und Aufruhr. Eine führende Rolle in der japanischen Gesellschaft nahmen die Samurai ein, eine Kriegerkaste, die sich sehr aktiv um ihre Belange kümmerte, und buddhistische Priester, die ihr Leben im Wesentlichen der Kontemplation widmeten (siehe Buddhismus). Die beste von einigen kaiserlichen Gedichtsammlungen, das Shinkokin-shū (1205; Neue Sammlung aus alter und neuer Zeit), zusammengestellt von Fujiwara no Sadaie, genannt Teika, spiegelt den Wandel im nationalen und literarischen Empfinden hin zu Schwermut und Einsamkeit wider. In der japanischen Fachwelt wird der Begriff yūgen (Mysterium und Tiefe) mit definitiv religiösen Untertönen verwendet, um die gesamte Literatur dieser Zeit zu benennen. Zu den wichtigsten Dichtern dieser Anthologie gehört denn auch eine geistliche Persönlichkeit, nämlich der Priester Saigyo-hoshi.

Die Niederlage der Taira gegen das Haus Minamoto ist Gegenstand des berühmtesten Prosawerkes aus dieser Epoche, des Heike monogatari (ca. 1220; Die Geschichte des Hauses Taira) aus der Feder eines anonymen Autors. Hōjōki (1212; Aufzeichnungen aus zehn Fuß im Geviert), geschrieben von dem Priester Kamo no Chōmei, stellt der Nichtigkeit der Welt die Tugenden buddhistischer Meditation gegenüber. Das Izayoi nikki (1277; Tagebuch der sechzehnten Nacht des Mondes) ist ein literarisches Tagebuch der Nonne Abutsu und beinhaltet Prosa und Gedichte, wobei Letztere von größerer Bedeutung sind. Die Tsurezuregusa (1340; Skizzen aus Mußestunden) von Kenkō Yoshida erinnern an das Kopfkissenbuch, sind aber melancholischer und drücken zweifelsohne das Bedauern über die Wirrnisse der damaligen Zeit aus. Wichtigste Prosawerke waren die Otogizōshi, Sammlungen beliebter Kurzgeschichten unbekannter Autoren.

Wichtigste lyrische Schöpfung in der Phase nach dem frühen 14. Jahrhundert war das so genannte renga oder Kettengedicht, eine Form, die strengen formalen Kriterien Genüge leisten musste. Drei oder mehr Dichter taten sich zusammen, um ein langes Gedicht zu schreiben, wobei die einzelnen Zeilen unterschiedliches Versmaß aufwiesen, etwa mit sieben, fünf und sieben Silben, während die restlichen beiden Zeilen je sieben Silben hatten. Die Großmeister dieser Kunst, Sōgi, Shōhaku, und Sōchō, schufen gemeinsam im Jahr 1488 das berühmte Werk Minase sangin (Der Dreigesang von Minase).

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