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Artikelgliederung
Forstwirtschaft (Waldbau), die planmäßige, nachhaltige Bewirtschaftung und Pflege der Wälder und Forste unter Berücksichtigung ökologischer Gesichtspunkte. Forstwirtschaft ist vor allem auf die stetige Erzeugung von Forstprodukten (insbesondere von Holz) gerichtet, verfolgt darüber hinaus aber auch andere Ziele wie die Erhaltung der Wälder als Erholungsgebiete für die Bevölkerung oder als Lebensräume der Wildtiere. Dadurch unterscheidet sich die moderne Forstwirtschaft von der ungeregelten Waldnutzung, die z. B. landwirtschaftliche Nutzungsformen wie die Waldweide mit einschließt, oder vom industriellen Waldabbau, der die vorhandenen Holzvorräte ausbeutet, ohne für eine planmäßige Wiederverjüngung der Wälder zu sorgen. Der Waldbau beruht auf den Erkenntnissen der Forstwissenschaft, die sich mit allen naturwissenschaftlichen, betriebswirtschaftlichen, technischen und rechtlichen Aspekten der Bewirtschaftung von Wäldern beschäftigt. Enge Beziehungen bestehen zu anderen Wissenschaften, z. B. der Landschaftsökologie oder der Bodenkunde, die zur forstlichen Standortaufnahme beitragen.
Die Forstwirtschaft umfasst zahlreiche Arbeitsfelder, etwa die Vermessung von Waldbeständen einschließlich der Erfassung ihrer Wachstumsraten und potentiellen Erträge, die Entwicklung und Erprobung neuer Techniken des Fällens und Transports von Bäumen, die Bestandserhebung von Waldflächen, die Erstellung von Nutzungsplänen, den Bau von Forstwegen, die Züchtung von Forstpflanzen und nicht zuletzt die Holzernte mit der Lagerung und Vermarktung der Erträge. Von anderen Formen der Landnutzung, wie dem Land- oder Gartenbau, unterscheidet sich der Waldbau in vier Punkten deutlich: 1. Während beispielsweise in der Landwirtschaft im Allgemeinen nur einige Wochen von der Saat bzw. dem Aussetzen der Jungpflanzen bis zur Ernte der Agrarprodukte vergehen, benötigen Bäume und Wälder bis zum Reifealter Jahrzehnte. Bei der Fichte, dem in deutschen Wäldern mit Abstand häufigsten Baum, liegt das Hiebsalter (Endnutzungsalter) zwischen 80 und 120 Jahren, bei Lärchen beträgt das forstliche Nutzungsalter 100 bis 140 Jahre, mit 250 bis mehr als 400 Jahren sind die Eichen aus Wertholzbeständen noch älter. In der Forstwirtschaft sind daher langfristige Planungen erforderlich. 2. Naturressourcen, die sich zwar unter ungestörten Bedingungen von selbst erneuern, dafür jedoch lange Zeiträume benötigen, sollten nachhaltig genutzt werden. Die Nachhaltigkeit ist daher seit etwa 300 Jahren, als das Prinzip erstmals formuliert wurde, ein Zentralbegriff der Forstwirtschaft. Es darf in einem bestimmten Zeitraum nur so viel Holz geerntet werden, wie im selben Zeitraum nachwächst. 3. Nachhaltige Nutzung bedeutet darüber hinaus, dass Waldbau möglichst naturnah und standortgerecht betrieben werden muss. Monokulturen aus standortfremden Gehölzen richten über längere Zeiträume hinweg zwangsläufig gravierendere ökologische Schäden an als Nutzungsformen, die im selben Zeitraum aus wirtschaftlichen oder anderen Gründen mehrmals wechseln. Beispielsweise ist die Streu (Pflanzenreste) von Nadelbäumen, die aus anderen Regionen der Erde eingeführt wurden, biologisch schwer abbaubar und trägt damit zur Bodenversauerung bei. Außerdem hat die in Form eines Kahlschlags durchgeführte Holzernte für das komplexe Ökosystem Wald weitreichendere Folgen als z. B. die Mahd einer Wiese oder das Abernten eines Kartoffelackers. 4. Im Unterschied zu den Agrarflächen, die für den Anbau einer einzigen Kulturpflanze genutzt werden, ist für Wälder traditionell die Mehrfachnutzung charakteristisch. Die aus heutiger Sicht so genannten Nebennutzungen wie die Waldweide oder die Gewinnung von Streu und Viehfutter waren früher in Mitteleuropa allerdings lange Zeit Hauptnutzungen des Waldes, wodurch es häufig zu Interessenkonflikten kam. Bis heute ist etwa die Jagdnutzung, bedingt durch die oft zu dichten Wildbestände und damit verbundenen Verbissschäden, die die natürliche Verjüngung der Wälder gefährden, ein Konfliktfeld geblieben. Die Bewirtschaftung der Wälder von der Begründung (der natürlichen oder künstlichen Entstehung) über die Pflege bis hin zur Nutzung erfolgt in verschiedenen Waldbausystemen oder Betriebsarten, von denen in Mitteleuropa drei häufiger sind bzw. waren. Beim nur noch seltenen Niederwald werden die relativ jungen Laubbäume etwa alle 20 Jahre vor allem zur Gewinnung von Brennholz und Pfählen geschlagen. Die Gehölze treiben danach wieder aus den erhaltenen Stöcken aus. Der Mittelwald besteht aus einer Niederwaldschicht und einzelnen daraus aufragenden höheren Bäumen, die zur Wertholzgewinnung dienen. Hochwaldbestände entwickeln sich aus Samen bzw. Setzlingen. Wegen ihrer hohen Leistungsfähigkeit werden sie gewöhnlich von der Forstwirtschaft bevorzugt. Nach der Art der waldbaulichen Eingriffe unterscheidet die Forstwirtschaft beim Hochwald zwei Haupttypen: Schlagwälder, bei denen die Holzernte oder notwendige Verjüngung in konzentrierter Form vorgenommen wird, im Extremfall im Kahlschlagbetrieb, der weltweit verbreitetsten waldbaulichen Betriebsform. Plenterwälder erhalten ihren scheinbar besonders naturnahen Charakter dagegen durch Maßnahmen, die nicht geschlossene Flächen, sondern nur einzelne Bäume oder allenfalls Baumgruppen betreffen. Kahlschläge haben ökonomische Vorteile, aber auch enorme ökologische Nachteile. Der Plenterwald gilt als optimales Waldbausystem, lässt sich jedoch wie andere in Mitteleuropa entwickelte Systeme nicht immer mit Erfolg in andere Waldzonen der Erde übertragen. Beispielsweise erfüllen die tropischen Feuchtwälder die an Wirtschaftswälder gestellten Anforderungen nicht oder nur unzureichend. Sie werden im Allgemeinen ohne jede Nachhaltigkeit durch industriellen Waldabbau planlos abgeholzt oder zu landwirtschaftlichen Zwecken zerstört.
Raubbau an den Wäldern war auch in Mitteleuropa jahrhundertelang die Regel, obwohl weite Gebiete als Jagdreviere des Adels unter strengstem Schutz standen. Im Mittelalter waren wohl nur noch etwa 10 Prozent der Fläche Deutschlands von Wald bedeckt, heute liegt der Anteil bei rund 30 Prozent. Die Entwaldung erreichte im 18./19. Jahrhundert, u. a. durch den großen Energiebedarf der Glashütten, ihren Höhepunkt. In diesem Zeitraum wurden die Grundlagen der Forstwirtschaft gelegt. Für den Übergang zu einer nachhaltigen, planmäßigen Bewirtschaftung der Wälder war die Zeit günstig, denn der verstärkte Gebrauch von Kohle und später anderer fossiler Brennstoffe bedeutete eine Entlastung des Waldes. Die Steigerung des Holzertrags als Ziel der Bewirtschaftung stand allerdings noch immer im Vordergrund. Daher wurden in der Pionierphase der Forstwirtschaft zahlreiche schnellwüchsigere exotische Gehölzarten eingeführt, vor allem aus Nordamerika und Ostasien, wie z. B. Douglasie, Japanlärche, Roteiche, Sitkafichte oder Küstentanne. Holz ist bis heute weltweit und auch in Deutschland der wichtigste nachwachsende Rohstoff; nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit nutzt die deutsche Forstwirtschaft vom jährlichen Zuwachs nur einen Teil, durchschnittlich etwa 70 Prozent. Über den wirtschaftlichen Ertrag hinaus gewinnen die Schutzfunktionen des Waldes zunehmend an Bedeutung, z. B. als Schutz vor Bodenerosion und Lawinen oder bei der Klimaverbesserung, der Luftreinhaltung und der Lärmdämpfung. Auf der anderen Seite benötigt der Wald aber auch selbst Schutz, etwa vor den schädlichen Folgen der Luftverschmutzung oder vor Schädlingen wie dem Borkenkäfer. Siehe auch Waldsterben
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