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Schwangerschaft und Geburt

Enzyklopädieartikel
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Embryonalentwicklung des MenschenEmbryonalentwicklung des Menschen
Artikelgliederung
1

Einleitung

Schwangerschaft und Geburt, Phasen im menschlichen Fortpflanzungszyklus (siehe Fortpflanzung).

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Schwangerschaft

Die Schwangerschaft beginnt, wenn eine Samenzelle des Mannes eine Eizelle der Frau befruchtet und sich die befruchtete Zelle in der Gebärmutterschleimhaut einnistet (siehe Befruchtung; Fortpflanzungsapparat). Während der Schwangerschaft verändert sich der normale Hormonhaushalt der Frau – zu den ersten Anzeichen einer Schwangerschaft gehört deshalb das Ausbleiben der Monatsblutung (siehe Menstruation). Relative Sicherheit darüber, ob wirklich eine Schwangerschaft vorliegt, ermöglicht ein Schwangerschaftstest, der in der Apotheke erhältlich ist. Mit einem derartigen Test wird im Urin ein Hormon nachgewiesen, das nach der Einnistung der Eizelle in der Gebärmutterschleimhaut gebildet wird. US-amerikanische Forscher berichteten 2001 im Journal of the American Medical Association, eine Schwangerschaft lasse sich am ersten Tag nach dem Ausbleiben der Regelblutung in 10 Prozent der Fälle selbst durch einen hochempfindlichen Urintest nicht erkennen, eine Woche nach dem Ausbleiben versage ein solcher Test noch in 3 Prozent der Fälle. Ursache für diese Unzuverlässigkeit sind die unterschiedlichen Zeitspannen zwischen Eisprung und Einnisten der befruchteten Eizelle.

Weitere Symptome einer Schwangerschaft sind besondere Empfindlichkeit und Anschwellen der Brust, Müdigkeit, Übelkeit, gesteigerte Geruchsempfindlichkeit, erhöhter Harndrang, Stimmungsschwankungen und Gewichtszunahme. Manche Frauen verspüren ein heftiges Verlangen nach ungewohnten Nahrungsmitteln; dieser Zustand, Parorexie genannt, kann auf einen ernährungsbedingten Mangel an Eisen oder anderen Nährstoffen hinweisen. Bis zur zwölften Schwangerschaftswoche sind viele dieser Symptome abgeklungen, aber andere treten auf. So vergrößert sich normalerweise die Brust der Frau, und die Brustwarzen werden dunkler. Das deutlichste Symptom ist die Gewichtszunahme; normal ist eine Zunahme von etwa neun bis zwölf Kilogramm bis zum Ende der Schwangerschaft.

Die ersten Schwangerschaftsmonate sind für die Entwicklung des Kindes besonders kritisch, weil in dieser Zeit Gehirn, Arme, Beine und innere Organe angelegt werden. Aus diesem Grund sollte eine schwangere Frau nur Medikamente einnehmen, die ihr ein Arzt verordnet hat, der von ihrer Schwangerschaft weiß. In der Fachzeitschrift Pediatric warnten US-amerikanische Mediziner 2001 davor, während der Schwangerschaft Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen einzunehmen; dadurch steige der Blutdruck des Ungeborenen, was zu Veränderungen an Blutgefäßen führen könne. Unbedingt zu vermeiden sind Röntgenstrahlen sowie Rauchen und Alkohol.

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Komplikationen

Die meisten Frauen sorgen sich um die Gesundheit ihres ungeborenen Kindes. Dies betrifft vor allem Mütter über 35 Jahren, da ab diesem Alter genetische Probleme häufiger auftreten. Mit zuverlässigen Tests können Genschäden festgestellt werden, die Verzögerungen der geistigen Entwicklung und andere Störungen verursachen; der am häufigsten eingesetzte Test ist die Amniozentese. In etwa 95 Prozent der untersuchten Fälle ist das Baby gesund. Einige Ärzte empfehlen, den Amniozentesetest bei allen schwangeren Frauen über 35 Jahren durchzuführen.

Obwohl die meisten Schwangerschaften normal verlaufen, können bestimmte Komplikationen auftreten. Eine seltene, aber lebensbedrohliche Komplikation ist die extrauterine Schwangerschaft oder Bauchhöhlenschwangerschaft, bei der sich das befruchtete Ei außerhalb der Gebärmutter, in der Bauchhöhle oder im Eileiter einnistet. Symptome sind u. a. plötzliche, starke Unterleibsschmerzen, die etwa in der siebten oder achten Schwangerschaftswoche auftreten. Wenn eine extrauterine Schwangerschaft nicht sofort mit einem chirurgischen Eingriff behandelt wird, kann sie zu schweren inneren Blutungen und möglicherweise zum Tod führen.

Etwa 15 Prozent aller Schwangerschaften enden mit einer Fehlgeburt, meistens zwischen der vierten und zwölften Schwangerschaftswoche. Bei heftigen Unterleibskrämpfen oder Vaginalblutungen sollte eine Frau, die eine Schwangerschaft vermutet, sich unverzüglich an einen Arzt wenden. Toxämie ist eine weitere, möglicherweise ernste Komplikation im späteren Verlauf der Schwangerschaft. Symptome sind u. a. Bluthochdruck, eine schnelle Gewichtszunahme von 11 bis 13 Kilogramm im Monat aufgrund von Ödemen (Wasseransammlungen) sowie Protein im Urin. Unbehandelt kann Toxämie zu Anfällen und Koma und zum Tod des Ungeborenen führen. Bei Diagnose einer schweren Toxämie wird zum Schutz von Mutter und Kind die Geburt gewöhnlich so schnell wie möglich eingeleitet. Die Krankheit verschwindet mit der Geburt. Zumindest in Ländern mit geringem hygienischem Standard lässt sich das nachgeburtliche Infektionsrisiko für Mutter und Kind deutlich verringern, wenn der Geburtskanal vor der Geburt mit einer antiseptischen Lösung ausgewaschen wird; bei einer umfangreichen Studie in Malawi wurde dafür eine 0,25-prozentige Chlorhexidin-Lösung verwendet.

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Wehen und Geburt

Eine normale Schwangerschaft dauert etwa 39 Wochen beziehungsweise 280 Tage nach dem ersten Tag der letzten Menstruation. Gelegentlich setzen die Wehen vor dem erwarteten Geburtstermin ein, dies kann mit einer Frühgeburt einhergehen. Ungefähr sieben Prozent aller Kinder sind Frühgeburten – d. h., sie werden vor der 38. Schwangerschaftswoche geboren; in Deutschland sind dies jährlich etwa 58 500 Kinder. Babys, die nur einige Wochen zu früh geboren werden, entwickeln sich gewöhnlich normal. Aufgrund neuer Fortschritte in der Versorgung frühgeborener Säuglinge können viele Babys überleben, die nach nur 25 oder 26 Schwangerschaftswochen geboren werden.

Während der Entbindung wird das Baby aus der Gebärmutter durch den Geburtskanal herausgepresst, sie beginnt mit unregelmäßigen Kontraktionen der Gebärmutter in Abständen von 20 bis 30 Minuten. Bei fortgeschrittener Wehentätigkeit werden diese Kontraktionen häufiger und stärker. Die Wehen einer Erstgebärenden dauern etwa 13 bis 14 Stunden und beim zweiten Kind ungefähr acht bis neun Stunden. Allerdings kann die Dauer der Wehen sehr unterschiedlich sein.

Viele Frauen lassen sich zur Linderung der Geburtsschmerzen ein Medikament verabreichen. Jedoch wird die natürliche Geburt ohne Medikamente immer populärer – u. a. deshalb, weil vielen Frauen bewusst ist, dass Betäubungsmittel und Medikamente, die ihnen verabreicht werden, das ungeborene Baby über die Plazenta schnell erreichen. Durch hohe Dosen von Betäubungsmitteln kann sich das neugeborene Baby lethargisch verhalten. Eine weitere Möglichkeit zur Linderung der Wehenschmerzen ist eine lokale (örtliche) Betäubung, die auf die unmittelbar betroffenen Körperregionen der Mutter beschränkt ist. Dazu zählen die Spinalanästhesie und die Periduralanästhesie, wodurch Schmerzen im Beckenbereich ausgeschaltet werden. Beim Kaiserschnitt, der bei manchen Frauen erforderlich ist, wird das Baby mit einem chirurgischen Eingriff aus der Gebärmutter entnommen.

In Deutschland entscheiden sich nach einem 1996 veröffentlichten Bericht wieder mehr Frauen für eine Geburt zu Hause. Bei einer Analyse von 2 474 Hausgeburten, die von 1989 bis 1995 in Bayern stattfanden, zeigte sich gegenüber Entbindungen in der Klinik keine erhöhte Sterblichkeit. Eine Geburt zu Hause sollten Frauen jedoch nur dann planen, wenn ihre Schwangerschaft normal verläuft, wenn keine Zwillingsgeburt bevorsteht und keine Komplikationen durch die Lage des Kindes zu erwarten sind.

Wie die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe 2001 mitteilte, beträgt die Sterblichkeitsrate von Kindern bei der Geburt in Deutschland nur noch ein halbes Prozent und ist damit – ebenso wie die Sterblichkeit der Mütter – um das Zwei- bis Dreifache geringer als vor 20 Jahren. Derzeit sterben pro Jahr etwa 3 900 Babys und 47 Mütter. Als Hauptursache der positiven Entwicklung gelten verbesserte Vorsorgemaßnahmen.

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