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DiamantEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Eigenschaften; Bildung; Vorkommen; Diamantschleifen; Gewicht und Qualität; Imitierte Diamanten; Geschichte; Berühmte Diamanten
Die Schönheit eines Diamanten entfaltet sich erst durch das Schleifen, das Feuer und Brillanz des Steines zur Geltung bringt. Beim Schneiden können Mängel – beispielsweise Einschlüsse und Trübungen – beseitigt werden. Der erste Schritt beim Schleifen eines Diamanten besteht in der sorgfältigen Untersuchung des Steines. Der erfahrene Schleifer bestimmt dabei die Spaltflächen des Diamanten und entscheidet, wie der Stein durch Spalten und Sägen am besten zerteilt werden kann. Mit Tusche wird der Rohdiamant dann mit Linien markiert – als Anhaltspunkt für die späteren Arbeitsschritte. Anschließend wird der Stein in eine hölzerne Halterung zementiert; die Halterung wird in einen Schraubstock eingespannt. Der Schleifer hält ein Spalteisen, das einem schweren stumpfen Messer ähnelt, parallel zur Spaltebene des Diamanten an die Linie und spaltet den Stein durch einen leichten Hammerschlag auf das Eisen. Die zur Spaltung verwendeten Werkzeuge sind einfach; für deren Handhabung ist jedoch große Geschicklichkeit notwendig – ein zu harter Schlag oder ein Schlag in die falsche Richtung kann den Stein zerstören. Heute werden die Diamanten meist gesägt. Die verwendete Säge besitzt eine dünne Metallscheibe als Sägeblatt, deren Schneide mit einem Gemisch aus Diamantstaub und Öl besetzt ist. Im letzten Schritt, dem Schleifen des Diamanten, wird der fertige Stein mit Facetten versehen. Der heute übliche Diamantschliff ist der „Brillant” mit mindestens 58 Facetten. Die Facetten werden auf einer flachen, sich drehenden Gusseisenscheibe mit einem Gemisch aus Diamantstaub und Öl geschliffen.
Die für Diamanten und andere Edelsteine übliche Gewichtseinheit ist das Karat, das 0,2 Gramm entspricht. Eine weitere Einheit ist der Point, der 0,01 Karat entspricht. Vier Merkmale bestimmen den Wert eines geschliffenen Diamanten (das sind die vier großen „C”): die Farbe (Colour), Reinheit (Clarity), Schliff (Cut) und Gewicht (Carat).
Wegen ihres hohen Wertes werden Diamanten oft gefälscht. Die häufigsten Imitationen bestehen aus Bleiglas (Strass). Eine Glasimitation kann leicht erkannt werden: Sie fühlt sich bei Berührung warm an und enthält oft Luftblasen, die man mit der Lupe erkennen kann. Auch mit geschliffenen Bergkristallen (Quarz), Zirkon und anderen Mineralen werden Diamanten gefälscht. Dubletten bestehen aus zwei miteinander verkitteten Teilen: Diamantdubletten sind entweder aus zwei Diamanten zu einem größeren Stein zusammengesetzt; in diesem Fall werden sie als echte Dubletten bezeichnet. Falsche Dubletten, die weit häufiger sind, bestehen aus einer Diamantenkrone, die einem Untersatz aus einem weniger wertvollen Edelstein oder Glas aufzementiert ist. Synthetische Diamanten für technische Zwecke, die den natürlichen technischen Diamanten gleichkommen, wurden erstmalig 1955 hergestellt. Sowjetische Forscher versuchten seit den achtziger Jahren, auch Schmuckdiamanten aus Graphit herzustellen. In Zusammenarbeit mit US-amerikanischen Wissenschaftlern gelang ihnen 1999 die Herstellung bis zu 1,6 Karat schwerer, künstlicher Diamanten, die von Juwelieren nicht von natürlich entstandenen Steinen unterschieden werden können. Die künstlichen Diamanten wachsen unter sehr hohen Drücken und Temperaturen um einen sehr kleinen Kristallisationskern. Durch äußerst fein dosierte Zusätze lassen sich dabei sogar die Farben der Steine variieren. Bisher wurden auf diesem Weg über 230 Diamanten hergestellt.
Der Name Diamant ist von dem griechischen Wort adamas („unbezwingbar”) abgeleitet, das die Griechen vermutlich für jeden harten Stein, beispielsweise auch für Korund, verwendeten. Den ersten eindeutigen Hinweis auf Diamanten findet man in der römischen Literatur des 1. Jahrhunderts n. Chr. Die Diamanten, die in der Antike zweifellos bekannt waren, kamen aus Indien, wo sich bis zum 18. Jahrhundert der einzige bekannte Fundort befand. Man glaubte, dass sie nur in den sagenhaften Gruben von Golconda vorkämen. Die dort verkauften Diamanten stammten aber aus mehreren Gruben. 1726 wurden in Brasilien Diamanten entdeckt, 1866 in Südafrika, das heute die Hauptquelle für Schmuckdiamanten ist.
Der größte aller bekannten Diamanten ist der Cullinan, der 1905 in der Premier-Grube in Südafrika gefunden wurde. Die Transvaal-Regierung schenkte ihn Eduard VII. Der Cullinan wog vor dem Schleifen 3 106 Karat. Man stellte aus dem Stein insgesamt 105 Schmucksteine her, die zusammen 1 063 Karat wiegen. Der größte davon ist ein tropfenförmiger Stein, der so genannte Stern von Afrika, mit 530,2 Karat der größte geschliffene Diamant, den es gibt. Er wurde in das königliche Zepter eingesetzt. Der Vargas-Diamant, der 1938 in Brasilien gefunden wurde, wog in ungeschliffenem Zustand 726,6 Karat. Als er 1945 geschliffen wurde, erhielt man daraus 29 Steine mit einem Gesamtgewicht von 411 Karat. 1934 wurde ein Diamant mit nahezu dem gleichen Gewicht, der Jonker, in einer Seifenlagerstätte nahe der Premier-Grube entdeckt. Dieser schönste der großen Diamanten, der je gefunden wurde, ergab zwölf Steine zwischen 125,35 und 5,3 Karat Gewicht. 1967 wurde der Lesotho-Diamant entdeckt. Er wog ungeschliffen 601,25 Karat. Der Großmogul, der nach dem Schleifen 240 Karat gewogen haben soll, ist verschwunden, seit er von dem französischen Reisenden Jean Baptiste Tavernier 1665 in Indien beschrieben worden ist. Einige Sachverständige glauben, dass der Kohinoor, der heute 106,1 Karat wiegt und zu den britischen Kronjuwelen gehört, ein Teil des Großmoguls ist.
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