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Artikelgliederung
Einleitung; Altenglische Literatur; Mittelenglische Literatur; Renaissance und Barock; Restauration und Klassizismus; Romantik; Viktorianische Ära und Realismus; 20. Jahrhundert
Englische Literatur, allgemein die gesamte weltweit in englischer Sprache verfasste Literatur, speziell die Literatur Großbritanniens. Die englische Literatur im engeren Sinn lässt sich in drei Phasen gliedern: die der altenglischen Literatur (7. bis 11. Jahrhundert), der mittelenglischen (12. bis 15. Jahrhundert) und der neuenglischen Literatur. Letztere beginnt im 16. Jahrhundert mit der Renaissance. Zählte man lange Zeit die Literaturen Irlands und Schottlands ebenfalls zur englischen Literatur im engeren Sinne, so wird heute zumeist die relative Selbständigkeit einer irischen Literatur und einer schottischen Literatur (teils auch einer walisischen) betont. Des Weiteren siehe auch amerikanische Literatur, australische Literatur und kanadische Literatur.
Im 5. Jahrhundert dehnten die germanischen Stämme der Sachsen, Angeln und Jüten ihr Herrschaftsgebiet auf England aus; aus ihren Sprachen bildete sich das Angelsächsische, die Grundlage des heutigen Englisch. Die Invasoren brachten ihre eigene germanisch-heidnische Dichtung ins Land, von der Runeninschriften sowie später aufgezeichnete Merkverse, Segens-, Rätsel- und Zaubersprüche erhalten sind. Im Zuge der Christianisierung (nach 597) wirkten in Canterbury und York Geistliche und Gelehrte wie Aldheim, Beda Venerabilis oder Alkuin, der Mitinitiator der karolingischen Renaissance, durch ihre in Latein verfasste Literatur. Vermutlich wurde die angelsächsische Dichtung zunächst von so genannten Scops oder Barden mit Harfenbegleitung vorgetragen und auf diese Weise mündlich tradiert. Diese Dichtung war zumeist reimlos und metrisch aus vier betonten Silben und einer nicht festgelegten Anzahl unbetonter Silben komponiert (siehe Verslehre). Ein weiteres charakteristisches Merkmal der altenglischen Dichtung ist der strukturale Stabreim, der aus zwei oder drei betonten Silben mit gleichem Anlaut pro Zeile bestand. Frühe Zeugnisse dieser Art sind in vier westsächsischen Handschriften aus dem 10. Jahrhundert enthalten. Das älteste heute noch bekannte Beispiel ist der metaphernreiche Schöpfungshymnus des northumbrischen Mönchs Caedmon aus dem 7. Jahrhundert, den Beda überlieferte und der seinen Verfasser als ältesten bekannten christlichen Dichter überhaupt ausweist. Darüber hinaus wurden volkstümlich-germanische Umschreibungen biblischer Geschichten und Legendendarstellungen überliefert. Bedeutend sind die Schriften des Dichters Cynewulf und seines Kreises Anfang des 9. Jahrhunderts, z. B. das Erbauungsgedicht Dream of the Rood sowie die religiösen Dichtungen Christ, Fata apostolorum, Juliana und Elene. Ein herausragendes Werk der angelsächsischen Literatur ist das in Stabreimen verfasste Heldenepos Beowulf aus dem 8. Jahrhundert, das, umrahmt von der Schilderung zweier Königsbegräbnisse, das Leben und die Taten des Gautenfürsten Beowulf beschreibt. Deutlich sind hier altgermanische Tugendvorstellungen (Loyalität, Tapferkeit etc.) von christlichem Gedankengut durchdrungen: So untersteht etwa das Schicksal des Helden einem gerechten Gott. Diese für die angelsächsische Literatur typische Vermischung heidnischer und christlicher Ideale ist darauf zurückzuführen, dass bei der schriftlichen Fixierung zunächst mündlich weitergegebener Stoffe die Kirche eine große Rolle spielte; das gesamte erhaltene Schriftgut der Zeit wurde von den Kopisten der Klöster bewahrt – und gegebenenfalls verändert. Außer Beowulf haben sich nur wenige Heldenlieder der angelsächsischen Phase tradiert, und wenn, dann nur in Bruchstücken, wie etwa das Finnsburglied oder die Schlachtendichtung der Zeit. Neben religiösen Texten und epischen Fragmenten (Waltharius-Epos) sind vor allem kürzere lyrische Gedichte mit zumeist elegischem Grundton, so etwa The Wanderer und The Seafarer, überliefert. Die altenglische Prosa behandelt vornehmlich religiöse Themen. Zumeist stammt sie aus den Klöstern im Norden, wo auch Beda Venerabilis’ Hauptwerk über die Geschichte Englands, Historia ecclesiastica gentis Anglorum (731), entstand. Der westsächsische König Alfred ließ im Verlauf des 9. Jahrhunderts nicht nur die Historia Bedas, sondern auch zahlreiche andere Schriften aus dem Lateinischen ins Altenglische übersetzen, darunter De consolatione philosophiae (Trostbuch der Philosophie) von Boethius aus dem 6. Jahrhundert. Dieses an Platons Philosophie orientierte Buch hatte großen Einfluss auf die Entwicklung der englischen Literatur und ihrer Sprache. Darüber hinaus ließ Alfred die Angelsächsische Chronik überarbeiten und zahlreiche Gesetzestexte verfassen.
Mit der normannischen Eroberung 1066 begann eine neue Phase der englischen Literatur, in der das Französische das Englische als Literatursprache verdrängte (Kirchensprache blieb Latein). Dementsprechend nahm der Einfluss der französischen Literatur auf das englische Geistesleben zu. Im 12. Jahrhundert entwickelte sich der anglonormannische Hof zu einem regen Kulturzentrum. Von den Universitäten Oxford (gegründet 1167) und Cambridge (gegründet 1209) wurden zahlreiche – vor allem historiographische – Schriften verbreitet. Bedeutendste Chronik der Zeit ist die Historia regum Britanniae (um 1137, Geschichte der Könige von Britannien) des Geoffry von Monmouth, in der das Leben der britischen Könige von der mythischen Figur Brutus’ des Trojaners bis hin zu dem nordwalisischen König Cadwallon (Regierungszeit von etwa 625 bis 634) beschrieben steht – und die auf Schilderungen von Beda sowie auf die Geschichtschreibungen von Gildas und Nennius zurückgeht. Außerdem entstanden Bibelparaphrasen, Streitgedichte und Legendendichtungen. Als Kultursprache konnte sich das Englische erst wieder im 14. Jahrhundert etablieren, was eine Blüte der volkssprachlichen Dichtung – und des geistlichen Mysterienspieles (mystery) um die Heilsgeschichte Christi – zur Folge hatte. Zuvor entstanden nur wenige auf ein Laienpublikum abzielende Texte, vorwiegend Erbauungsschriften. Die mittelenglische Literatur des 14. und 15. Jahrhunderts ist wesentlich variationsreicher als die der angelsächsischen Periode. Insbesondere in der Literatur Südenglands schlug sich der französische und italienische Kultureinfluss nieder. Da es noch keine einheitliche Literatursprache gab, ergaben sich regionale Differenzierungen. Im Norden und Westen Englands belebten Autoren die Tradition der altenglischen Stabreimdichtung neu. Das bedeutendste Werk dieser Art, The Vision of William Concerning Piers the Plowman (entstanden zwischen 1360 und 1400, Peter, der Pflüger), wird heute William Langland zugeschrieben. Es gehört zur damals beliebten Gattung der Traumdichtung, in welcher in Form der Allegorie die Ungerechtigkeit der Welt angeprangert und die Sündhaftigkeit der Menschheit beklagt wird. In The Vision of William ist zudem das Ideal eines Daseins im Einklang mit Gott sowie die Utopie einer aus ihrer institutionellen Starrheit gelösten Kirche heraufbeschworen. Wie in Dantes Göttlicher Komödie, so steht auch hier die Antinomie von himmlischer und irdischer Liebe im Zentrum der Darstellung. Ein weiteres, anonym verfasstes allegorisches Stabreimepos ist The Pearl (um 1370, Die Perle) aus dem Nordwesten Englands. Der Titel spielt auf das Bild der perlenbesetzten Tore des himmlischen Jerusalem an. Ausgehend vom Tod eines kleinen Mädchens preist das elegische Gedicht den Zustand kindlicher Unschuld und endet mit einer ausufernden Vision des Himmelreiches. Im 14. Jahrhundert entstanden zahlreiche Romanzen und Abenteuerbücher in englischer Sprache, darunter Sir Gawain and the Green Knight (um 1370, Sir Gawain und der grüne Ritter), ein nach französischen Quellen geschriebener Ritterroman um den sagenumwobenen König Artus und seine Tafelrunde (siehe Artussage), die wiederum erstmals Geoffrey von Monmouth in seiner Historia regum schriftlich fixierte. Die Handlung geht wohl auf die keltische Mythologie zurück. Daneben wurde im 14. Jahrhundert der Troja- und Alexanderstoff beliebt.
Auch der bedeutendste mittelenglische Dichter Geoffrey Chaucer schrieb zwei psychologisch argumentierende tragikomische Abenteuerromane: Sein Troilus and Criseyde (um 1385, Troilus und Criseyde), über die unglückliche Liebe zweier Adeliger, spielt in Troja und ist eine Adaptation von Giovanni Boccaccios Prosatext Il filostrato (um 1338). The Knight’s Tale (um 1382), dessen Stoff ebenfalls auf Boccaccio zurückgeht, fand Eingang in Chaucers vielfältiges, mit Heiligenlegenden und Schwänken durchsetztes Hauptwerk Canterbury Tales (nach 1387, Canterbury-Erzählungen), das nicht nur ein unerschöpfliches Kompendium mittelalterlichen Erzählens darstellt, sondern vor allem auch eine realistisch-humoristische Erzähltradition in England begründete. Als Diplomat mit der Kultur Italiens, als Übersetzer mit der Frankreichs vertraut, machte Chaucer die Literaturen beider Länder in England populär. In seinen eigenen allegorischen Gedichten The Book of the Duchess, The House of Fame (Das Haus der Fama) und The Parlement of Foules (Das Parlament der Vögel) ist der Einfluss französischer Autoren deutlich spürbar. Chaucer diente zahlreichen Autoren des 15. Jahrhunderts in England und Schottland als Vorbild, und wirkte auf zahlreiche Künstler der Folgezeit, namentlich auf William Caxton, John Lydgate, Robert Henryson, William Dunbar und Sir David Lyndsay. In der Nachfolge Chaucers steht auch Sir Thomas Malory, der seinerseits mit Le morte Darthur (um 1460 bis 1470, Der Tod Arthurs) die nachfolgende Artusliteratur nachhaltig prägte und bisherige Variationen des Stoffs zu einer einheitlichen Darstellung verband. Thema der vor dem Hintergrund der Rosenkriege angesiedelten und 21 Bände umfassenden Prosasammlung ist die nostalgische Trauer um den Untergang der Ritterwelt, als deren optimale Herrscherfigur Artus auftritt, sowie die Suche nach religiösem Heil, symbolisiert im Gral. Le morte Darthur ist das erste große Prosaepos der englischen Literatur.
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