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Chemische und biologische Kriegsführung, Kriegsführung mit chemischen oder biologischen Waffen.
Gase wie Tränengas, Chlorgas und Phosgengas, welche die Lunge reizen, und Senfgas, das Verbrennungen hervorruft, wurden im 1. Weltkrieg eingesetzt, um den Stellungskrieg zu beenden. Flammenwerfer wurden auch eingesetzt, waren aber zunächst wegen ihrer geringen Reichweite wirkungslos. Technische Verbesserungen und die Entwicklung von Napalm (aus naphtenischen und palmitischen Säuren), einem dickflüssigen Benzin, das an Oberflächen klebt, führte zu einem weit verbreiteten Einsatz von Brandwaffen im 2. Weltkrieg.
Ende des 1. Weltkrieges hatten die meisten europäischen Mächte den Einsatz von Kampfgas in ihren Streitkräften eingeführt. Nervengase wie Sarin, das schon in geringen Mengen tödlich wirkt, wurden zwischen den beiden Weltkriegen in Deutschland entwickelt. Obwohl mehrere Länder über diese Kampfgase verfügten, setzte sie nur Japan während des 2. Weltkrieges ein.
Tränengas und ähnliche Gase sind nach dem 2. Weltkrieg in begrenzten Kriegen wie dem Vietnamkrieg eingesetzt worden. Tränengas wird auch von der Polizei zur Niederschlagung von Tumulten eingesetzt. Der Einsatz von tödlichen Gasen ist von den meisten Ländern verurteilt worden, solche Waffen befinden sich aber immer noch in den Arsenalen. Es gibt Anzeichen dafür, dass Giftgase vom Irak im Krieg gegen den Iran in den achtziger Jahren und gegen die kurdische Bevölkerung im Norden des Irak eingesetzt wurden. Verschiedene chemische Verbindungen, wie z. B. Agent Orange, die den Stoffwechsel von Pflanzen verändern und mit denen ganze Wälder entlaubt werden können, sind in Dschungelkriegen eingesetzt worden, um dem Feind die Deckung zu nehmen oder um der Zivilbevölkerung die Ernte zu vernichten. Solche Chemikalien, die meist aus der Luft versprüht werden, können auch Wasser und Fische verseuchen. Ihre Langzeitwirkung auf das gesamte Ökosystem macht sie besonders gefährlich und ihren Einsatz verwerflich.
Als biologische Kampfstoffe kommen Krankheitserreger in Betracht, die Menschen, Haustiere und wichtige Feldfrüchte befallen. Es handelt sich um Bakterien, Pilze, Viren und die Gifte, die diese produzieren. Die Krankheitserreger verursachen Botulismus, Pest, Maul- und Klauenseuche und Halmrost beim Weizen und könnten gegen feindliche Streitkräfte oder gegen die hinter ihnen stehende Wirtschaft eingesetzt werden. Mit Hilfe der Gentechnik könnten auch neue Stämme entwickelt werden, gegen die der Feind völlig hilflos wäre. Die biologische Kriegsführung im großen Maßstab ist bis heute Theorie geblieben. In den achtziger Jahren wurde allerdings bekannt, dass Japan in den dreißiger und frühen vierziger Jahren in China biologische Kampfstoffe eingesetzt hat. In den frühen achtziger Jahren wurden auch Behauptungen laut, dass die Sowjetunion in Afghanistan und Vietnam in Laos und Kambodscha Pilzgifte als biologische Waffen eingesetzt hätten, die den so genannten gelben Regen verursachten.
Die Haager Konferenz von 1899 ächtete Geschosse mit Giftgasen; diese Ächtung hielt jedoch nur bis zum 1. Weltkrieg. In Genf wurde 1925 ein Protokoll des Völkerbundes gegen chemische und biologische Kriegsführung unterzeichnet, das jedoch u. a. von einer so bedeutenden Militärmacht wie den Vereinigten Staaten nicht unterzeichnet wurde. Das Protokoll ächtete den Erstschlag mit solchen Waffen. Die Unterzeichnerstaaten behielten sich jedoch generell das Recht vor, sie bei Vergeltungsschlägen einzusetzen. Ein Vertrag, der biologische Kriegsführung vollständig verbietet, wurde 1971 von der Genfer Abrüstungskonferenz ausgearbeitet und von der Vollversammlung der Vereinten Nationen gebilligt. Etwa 80 Staaten unterzeichneten die Konvention über biologische Waffen. Dieser Vertrag war insofern einzigartig, als in ihm der größte Teil der Welt erstmals eine ganze Klasse von Waffen ächtet. Seine Wirkung ist jedoch noch fraglich. 1990 unterzeichneten die Präsidenten der USA und der UdSSR, Bush und Gorbatschow, einen bilateralen Vertrag, der die beiden Großmächte verpflichtete, ihre Bestände an chemischen Waffen drastisch zu reduzieren. Im Mai 1991 verpflichteten sich 19 Industrieländer, Exportkontrollen für 50 weit verbreitete Chemikalien einzuführen, die für die Herstellung dieser Waffen verwendet werden. In einem weiteren Schritt wurde 1993 die Konvention über chemische Waffen verabschiedet, die nicht nur die Herstellung chemischer Kampfstoffe verbot, sondern auch die Vernichtung aller Chemiewaffenbestände und der Anlagen zu ihrer Herstellung vorsieht. Die Konvention trat 1997 in Kraft und wurde seit ihrer Verabschiedung von 178 Staaten ratifiziert (Stand 2006). Die Einhaltung der Konvention überwacht die in Den Haag ansässige UN-Organisation Organization for the Prohibition of Chemical Weapons (OPCW), der die Unterzeichnerstaaten automatisch angehören. Bis 2006 war jedoch noch nicht einmal ein Drittel des weltweiten Bestandes an Chemiewaffen vernichtet. Siehe auch Luftkrieg; Internationale Abrüstung; Atomwaffen
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