![]() Auswahl der Encarta-Redaktion
Gute Bücher zum Thema "Hebräische Literatur", ausgewählt von den Encarta-Redakteuren. Verwandte Elemente
Suche in Encarta
In Encarta suchen nach Hebräische Literatur |
Windows Live® Suchergebnisse
Windows Live® Suchergebnisse Hebräische LiteraturEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Hebräische Literatur, von Angehörigen des jüdischen Volkes in hebräischer Sprache verfasste Literatur, ferner auch einige von jüdischen Gelehrten aus dem Hebräischen übersetzte Schriften theologischen und philosophischen Inhalts. Die Anfänge der hebräischen Literatur liegen im frühen 12. Jahrhundert v. Chr. Bis zum 19. Jahrhundert war das Hebräische die meistverwendete Sprache jüdischer – theologischer bzw. geistlich ausgerichteter – Autoren; erst danach wurde jüdisches Schrifttum auch in europäischen Sprachen abgefasst, zudem setzte sich die jiddische Sprache als Mittel des literarischen Ausdrucks durch. In Jiddisch geschriebene Werke jüdischer Autoren werden unter dem Stichwort jiddische Literatur abgehandelt. Nach der Einsetzung des Hebräischen als Amtssprache in Israel 1948 entstanden zahlreiche Werke der modernen hebräischen Erzähl- und Sachliteratur.
Die hebräische Literatur kann in zwölf aufeinander folgende Epochen eingeteilt werden. Während der ersten drei Literaturepochen entstanden Teile des Alten Testaments, das in seiner Gesamtheit die frühen Phasen der hebräischen Literatur wesentlich prägte. In der ersten Epoche von den Anfängen bis etwa 950 v. Chr. entstanden viele der lyrischen Texte des Alten Testaments. Im Lauf der zweiten Epoche (um 950 bis 586 v. Chr.) wurde ein Großteil der historischen Schilderungen über die Könige des Landes Israel und die Herrscher vom Stamm Juda verfasst, ferner einige Psalmen und Prophetenbücher. In der dritten Epoche (586-165 v. Chr.) entstanden das Hohelied Salomos, das Buch Hiob, die Sprüche sowie ein großer Teil der Psalmen. Darüber hinaus datiert eine Vielzahl apokrypher Texte aus diesem Zeitraum, in dem auch ein großer Teil des Alten Testaments von in Ägypten lebenden jüdischen Schriftgelehrten aus dem Hebräischen ins Griechische übersetzt wurde. In die vierte Epoche (165 v. Chr. bis 135 n. Chr.) fällt die Teilung des Midrasch, dessen Anfänge in der Zeit der babylonischen Herrschaft liegen, in Halacha und Haggada (Vorschriften religiösen und ethischen Inhalts, der anhand von Geschichten und Anekdoten beispielhaft veranschaulicht wird). Des Weiteren entstanden in dieser Epoche etliche der apokalyptischen Schriften des Alten Testaments, die Moses, dem Propheten Daniel, dem Patriarchen Henoch und dem Priester und Reformer Esra zugeschrieben werden. Auch die Entstehung der Schriftrollen von Qumran, von denen man annimmt, dass sie von Angehörigen einer jüdischen Klostergemeinschaft (vermutlich der Essener) verfasst wurden, wird in diesen Zeitraum datiert. Siehe auch Targum
Das bedeutendste in der fünften Epoche (135-475) entstandene Literaturwerk ist der Talmud. In diesem Zeitraum wurde die als palästinischer oder Jerusalemer Talmud bezeichnete Version vollendet und eine zweite Version, der babylonische Talmud (dem eine höhere Bedeutung zukommt als dem palästinischen), begonnen. Im Lauf der sechsten Epoche (470-740) wurde der babylonische Talmud abgeschlossen; ferner wurden in diesem Zeitraum einige frühe Versionen von Haggada-Texten zusammengestellt. Die Bücher des Alten Testaments wurden um die so genannte Massora (Gesamtheit der textkritischen Bemerkungen zum Alten Testament) ergänzt. In der siebten Epoche (740-1040) entstanden die ersten hebräischen Gebetbücher (um 880) und das erste Talmud-Wörterbuch (um 900). Ein weiteres bedeutendes Werk aus diesem Zeitraum ist Sefer ha-mitwot (Buch der Pflichten), das der Gründer der jüdischen Sekte der Karaiten, Anan Ben David, um 770 verfasste und in dem er eine Rückbesinnung auf das Alte Testament befürwortete. Ein wichtiger Autor der siebten Epoche ist der jüdische Gelehrte Saadja ben Joseph (auch: Saadja Gaon), der ein hebräisch-arabisches Wörterbuch zusammenstellte und Gedichte in hebräischer Sprache verfasste. Eines seiner bedeutendsten theologischen Werke ist Das Buch der Glaubenslehren und Glaubensüberzeugungen. Die ersten gereimten Dichtungen in Hebräisch datieren aus dem 8. Jahrhundert. Die Formen und Regeln, an denen sich die moderne hebräische Dichtung orientiert, haben ihren Ursprung im 10. Jahrhundert. Zu Beginn der siebten Epoche lebten die bedeutenden jüdischen Gelehrten hauptsächlich in Nordafrika und Italien; gegen Ende der Epoche galten Spanien und Ägypten als Zentren jüdischer Literatur und Gelehrsamkeit.
In der achten Epoche (1040-1204) dominierten vor allem die in europäischen Ländern ansässigen Gelehrten und Schriftsteller. Spanisch-jüdische Literaten verfassten meist in arabischer, aber auch in hebräischer Sprache Lyrik sowie philosophische und geschichtliche Abhandlungen. Zu den bekanntesten Vertretern dieser Kategorie gehören Jehuda Halevi und Maimonides (More Newuchim, deutsch: Der Führer der Verirrten), die sich in ihren Schriften mit Rechtsfragen, Logik, Medizin, Mathematik und Philosophie befassten. Jehuda Halevis religionsphilosophische Abhandlung Sefer ha Kusari (um 1190; Das Buch al-Chazarî) gehört zu den einflussreichsten jüdischen Schriften auf diesem Gebiet. Viele angesehene Talmud-Gelehrte lebten während dieser Epoche in Frankreich und Deutschland. In der neunten Epoche (1204-1492) entstanden auch viele Werke jüdischer Gelehrter, die in Spanien, Portugal, der Provence, Italien und Deutschland ansässig waren. Statt philosophischer und ethischer Schriften wurden in dieser Epoche vermehrt Betrachtungen zu mystischen Themen verfasst; erwähnenswert unter diesen Werken ist insbesondere das im 13. Jahrhundert entstandene Hauptwerk der jüdischen Kabbala. Es wird kurz als Sohar bezeichnet – sein voller Titel lautet Sefer ha Sohar (Buch des Glanzes) – und dem spanischen Kabbalisten Moses Ben Schem Tov de Leon zugeschrieben. Hebräische Bücher wurden erstmals in Italien gedruckt und veröffentlicht. Josua Salomon Soncino gehörte einem aus Italien stammenden Geschlecht jüdischer Buchdrucker an; er gab 1488 die erste vollständige Bibel in hebräischer Sprache heraus. Etwa 20 Jahre später gründete der dem christlichen Glauben angehörende flämische Buchdrucker Daniel Bomberg eine Druckerei in Venedig, in der er vornehmlich hebräische Werke druckte, darunter die ersten vollständigen Texte des palästinischen und des babylonischen Talmud. Im Lauf der zehnten Epoche (1492-1755) entstanden sowohl in Hebräisch wie auch in verschiedenen europäischen Sprachen viele Werke jüdischer Theologen, Philosophen (z. B. Baruch Spinoza), Geschichtsschreiber, Mathematiker und Dichter; dazu kamen Bibelkommentare und lexikographische Werke. Herausragend unter den Literaten der elften Epoche (1755-1880) ist der Philosoph Moses Mendelssohn, der mit seinen Schriften, in denen er eine Annäherung zwischen Juden und Nichtjuden anstrebte, als Wegbereiter und bedeutender Vertreter der Aufklärung (Haskala) gilt. Mendelssohn und seine Anhänger lehnten das Jiddische strikt ab und befürworteten den vermehrten Gebrauch des Hebräischen sowie der jeweiligen Landessprachen der Gebiete Europas, in denen damals Juden lebten. Eine der ersten hebräischen Literaturzeitschriften der Neuzeit wurde unter dem Titel Me’assef (Sammler) von Mendelssohns Kreis herausgegeben. Zu den hebräischen Gelehrten dieser Epoche gehörte auch der aus Galizien stammende Philosoph Nachman Krochmal mit seinem Hauptwerk More Newuchim haseman (Führer der Verirrten der Zeit), das 1851 erschien.
© 1993-2008 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
© 2008 Microsoft
![]() ![]() |