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Aleksandr Solschenizyn

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Aleksandr SolschenizynAleksandr Solschenizyn

Aleksandr Solschenizyn (1918-2008), russischer Schriftsteller. Für seine außerhalb der Sowjetunion viel beachteten antistalinistischen Romane und Erzählungen wurde ihm 1970 der Nobelpreis für Literatur zuerkannt. Sein berühmtestes Werk ist der dokumentarische Bericht Archipelag GULAG (1973-1976; Der Archipel GULAG 1918-1956) über die Verhältnisse im sowjetischen Haftapparat.

Solschenizyn wurde am 11. Dezember 1918 als Sohn eines kosakischen Landbesitzers und Lehrers in Kislowodsk (Nordkaukasus) geboren. Er studierte an der Universität Rostow Mathematik. Von 1941 bis 1945 nahm er als Artillerieoffizier der sowjetischen Armee am 2. Weltkrieg teil. Aufgrund antistalinistischer Äußerungen, die der Abschirmdienst in seinen Feldpostbriefen fand, wurde er 1945 zu acht Jahren Haft in einem Straflager verurteilt und nach Kasachstan in die Verbannung geschickt. Nach seiner Entlassung aus dem Sonderlager für politische Häftlinge 1953, wo er u. a. seinen Mithäftling Lew Kopelew kennen gelernt hatte, wurde die Verbannung aufrechterhalten; Solschenizyn blieb in Kasachstan, arbeitete als Dorfschullehrer für Mathematik und begann zu schreiben. 1956 wurde er im Rahmen der Entstalinisierung rehabilitiert.

Seine Erfahrungen im Zwangsarbeiterlager bildeten den Hintergrund seiner ersten Erzählung Odin den’ Ivana Denisoviča (1962; Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch), die mit der ausdrücklichen Billigung Nikita Chruschtschows in der führenden sowjetischen Zeitschrift Nowyj Mir veröffentlicht wurde und ihn sofort berühmt machte. Das dezidiert antistalinistische Buch, das erstmals die Zustände in sowjetischen Strafgefangenenlagern schilderte, erregte sowohl im Ausland als auch in der Sowjetunion Aufsehen. Zwei weitere Erzählungen erschienen 1963 unter den Titeln Dlja pol’zy dela (Im Interesse der Sache) und Matrenin dvor (Matrjonas Hof). Die KPdSU missbilligte die Werke jedoch und verhinderte, dass der Autor dafür den Leninpreis zugesprochen bekam. Zwei seiner bekanntesten Romane erschienen 1968, V kruge pervom (Der erste Kreis der Hölle) und Rakovyj korpus (Krebsstation), beides Abrechnungen mit dem Stalinismus.

1969 wurde Solschenizyn aus dem Schriftstellerverband des Landes ausgeschlossen, nachdem er sich kritisch über die offizielle Zensur geäußert hatte, die einige seiner Werke verboten hatte; Leonid Breschnew spielte sogar mit dem Gedanken, den Dissidenten ins sozialistische Ausland auszuweisen. Seit dieser Zeit erschienen die meisten seiner späteren Werke im Ausland oder in Samisdat-Verlagen. Für sein besonders im westlichen Ausland mit großer Aufmerksamkeit rezipiertes Werk, ein Plädoyer für Humanität und traditionelle Werte, wurde Solschenizyn 1970 der Nobelpreis für Literatur verliehen, den er jedoch nicht persönlich entgegennehmen durfte.

Als Solschenizyns Hauptwerk gilt der literarisch-dokumentarische Bericht Archipelag GULAG über das System der sowjetischen Gefangenenlager und die repressive Rolle der Geheimpolizei seit den Anfängen der Sowjetunion. Der erste Band der Dokumentation wurde 1973 unter hohem Zeitdruck veröffentlicht, nachdem dem KGB das Manuskript zugespielt worden war. In der Folge wurde Solschenizyn im Februar 1974 verhaftet, aus der UdSSR ausgewiesen, und es wurde ihm die sowjetische Staatsbürgerschaft entzogen. Er lebte nun zunächst für kurze Zeit in Köln bei Heinrich Böll, anschließend in Zürich und schließlich ab 1976 auf einer Farm in Vermont (USA). Über die ersten Jahre seines Exils berichtete der Autor später in dem Memoirenband Ugodilo zërnysko promez dvuch zernovov (2005; Zwischen zwei Mühlsteinen. Mein Leben im Exil). Der Archipel GULAG 2 und 3 wurden 1974 bzw. 1976 veröffentlicht.

Im amerikanischen Exil arbeitete Solschenizyn an seinem monumentalen historischen Romanwerk Krasnoe koleso (Das rote Rad) weiter, das er bereits 1971 mit Avgust četyrnadcatogo (August vierzehn) begonnen hatte. Das auf 20 Teile angelegte Mammutwerk sollte, im Geiste der Vorbilder Fjodor M. Dostojewskij und Lew Tolstoj, eine minutiöse, unparteiische und unabhängige Geschichte Russlands vom 1. Weltkrieg bis zur nachrevolutionären Zeit bilden. Es folgten der zweite Teil Oktjabr’ Šestnadcatogo (1984; November sechzehn) und der dritte Teil Mart semnadcatogo (1986; März siebzehn). Nach Vorwürfen wegen seiner vermeintlich antisemitischen Haltung, die nach der erweiterten Neuausgabe von August vierzehn (1983) gegen den Schriftsteller erhoben wurden, und eher ablehnenden Reaktionen auf den zweiten und dritten Teil kündigte Solschenizyn 1991 an, die Arbeit an Das rote Rad aus Altersgründen nicht fortzusetzen.

1990 erhielt Solschenizyn durch ein Dekret Michail Gorbatschows die sowjetische Staatsbürgerschaft zurück; 1991 hob die Staatsanwaltschaft den Vorwurf des „Landesverrats” auf und machte so die Heimkehr des Autors möglich: „Ich habe niemals daran gezweifelt, dass der Kommunismus zusammenbrechen wird, aber ich habe nicht vermutet, dass es so schwer sein würde, unter seinen Trümmern hervorzukommen.” Drei Jahre später kehrte der rehabilitierte Solschenizyn schließlich in seine Heimat zurück, wo er vom Volk als Held empfangen wurde. Mit der Forderung nach einem nationalistisch geprägten „ethischen Russland”, die er auch schon in seiner in Millionenauflage erschienenen Schrift Kak nam obustroit’ Rossiju (1990; Russlands Weg aus der Krise) formuliert hatte, radikalisierte er sein konservatives Ideal einer religiös motivierten Rückbesinnung auf traditionelle Werte nochmals. Seine Haltung stieß jedoch im In- und Ausland auf ein geteiltes Echo. Darüber hinaus kritisierte Solschenizyn 1996 das politische System in Russland heftig: „Das geschaffene System der zentralisierten Macht ist genauso unkontrollierbar, verantwortungslos gegenüber der Gesellschaft und vor Strafe sicher, wie es auch die kommunistische Macht war, und kann beim besten Willen nicht Demokratie genannt werden.”

1997 wurde Solschenizyn in die Russische Akademie der Wissenschaften gewählt. Im selben Jahr richtete der Autor einen mit 25 000 US-Dollar dotierten Literaturpreis ein, mit dem russische Schriftsteller ausgezeichnet werden, deren Werke einen „Beitrag zum Erhalt und zur Entwicklung der Traditionen der russischen Literatur” leisten. Das Preisgeld stammt aus einem Fonds, den der Autor 1974 nach seiner Ausweisung aus der Sowjetunion eingerichtet hatte und in den alle Honorare flossen, die er für sein Buch Archipel GULAG erhielt. Solschenizyn äußerte sich weiterhin öffentlich zu politischen Fragen sowohl in Bezug auf Russland als auch auf weltpolitische Entwicklungen. In Rossija v obvale (1998; Russland im Zusammenbruch) übte er scharfe Kritik sowohl an Präsident Jelzin als auch am seiner Ansicht nach zu passiven russischen Volk. Viel Aufsehen erregte er mit seiner in zwei Teilen erschienenen Geschichte der Juden in Russland Dvesti let vmestje. 1795-1995 (2001/02; Zweihundert Jahre zusammen). Die in Russland positiv rezipierte Aufarbeitung dieses dort eher verdrängten Themas stieß bei westlichen Historikern hauptsächlich aufgrund ihrer fragwürdigen Quellenlage auf deutliche Ablehnung. Solschenizyn starb am 3. August 2008 in Moskau.

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