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PhilippinenEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Bald nach der erfolgreichen Expedition Legazpis kamen Vertreter verschiedener katholischer Ordensgemeinschaften, darunter Augustiner, Dominikaner, Franziskaner und Jesuiten, auf die Inseln. Die Bekehrung der Bevölkerung machte schnell Fortschritte. Der Arbeit der Missionare kam einerseits große Bedeutung bei der Errichtung der spanischen Herrschaft zu, andererseits wurde durch die katholische Kirche eine kulturelle Einheit geschaffen. Die geistlichen Orden gelangten schließlich in den Besitz großer Ländereien, wurden immer reicher und hatten großen politischen Einfluss.
Gegen Ende des 16. Jahrhunderts begannen andere europäische Nationen auf den Philippinen Fuß zu fassen. Englische Seefahrer, darunter Sir Francis Drake, fügten der spanischen Flotte 1579 große Verluste zu. Später dehnten die Holländer ihr Einflussgebiet nach Südostasien aus und überfielen spanische, portugiesische, chinesische und japanische Handelsschiffe. Die Überfälle der Holländer endeten etwa 1662, nachdem die Niederlande die reichen Molukken besetzt hatten. Nach dem Ende der spanischen Herrschaft in Mexiko im Mexikanischen Unabhängigkeitskrieg von 1821 wurden die Philippinen direkt von Madrid aus verwaltet. Da nationale Bestrebungen vonseiten der Filipinos zu dieser Zeit noch kaum ausgeprägt waren, war die Situation auf den Inseln bis zum Ende des 19. Jahrhunderts relativ ruhig.
1892 wurden mehrere Geheimbünde für den Kampf gegen die spanischen Machthaber ins Leben gerufen. Die führende Bewegung war die von José Rizal 1891 gegründete Philippinische Liga. Rizal, der trotz seiner gemäßigten politischen Richtung 1896 von den Spaniern hingerichtet wurde, wurde zum nationalen Märtyrer. Die radikale Bewegung Katipunan („Vereinigung”) hatte sich zum Ziel gesetzt, die vollständige Unabhängigkeit des Landes durch Waffengewalt zu erreichen. Die spanische Verwaltung bekam am 19. August 1896 Kenntnis von der Existenz der Katipunan, und am 26. August, als die Aufrührer ihre Aktivitäten nicht länger geheim halten konnten, begann der bewaffnete Aufstand. Unter der Führung des Rebellenführers Emilio Aguinaldo konnten die Aufständischen anfangs mehrere Erfolge verbuchen. Verstärkung aus Spanien schwächte jedoch die Rebellion zu Beginn des Jahres 1897 empfindlich, und im August desselben Jahres unterzeichneten Aguinaldo und der spanische Generalgouverneur den Pakt von Biac-na-bató, in dem die Spanier die Durchführung von Reformen innerhalb der folgenden drei Jahre garantierten. Da für die Erfüllung des Abkommens der Rückzug der Filipino-Anführer von den Inseln gefordert wurde, setzte sich Aguinaldo mit seinen Verbündeten nach Hongkong ab. Diese Ereignisse wurden bald durch den Beginn des Spanisch-Amerikanischen Krieges am 21. April 1898 überschattet. Am 1. Mai zerstörte ein Geschwader der amerikanischen Marine die in der Bucht von Manila stationierte spanische Flotte.
Mit Unterstützung der Vereinigten Staaten kehrte Aguinaldo am 19. Mai 1898 auf die Inseln zurück und proklamierte die unabhängige Republik der Philippinen. Im Frieden von Paris (10. Dezember 1898) trat Spanien den gesamten Archipel für die Summe von 20 Millionen US-Dollar an die Vereinigten Staaten ab, und am 21. Dezember kündigten die Vereinigten Staaten die Errichtung einer amerikanischen Militärregierung auf den Inseln an. Aguinaldo und seine Verbündeten weigerten sich jedoch, die Herrschaft der Vereinigten Staaten anzuerkennen. Am 23. Januar 1899 wurde eine provisorische philippinische Regierung in Malolos auf Luzon gebildet. Daraufhin wuchsen die Spannungen. Bewaffnete Auseinandersetzungen begannen am 4. Februar in Manila. Die Unruhen wurden sehr schnell von US-Truppen beendet, und im November 1899 verlegten sich die Filipinos auf den Guerillakrieg. Aguinaldo wurde am 23. März 1901 gefangen genommen und musste sich verpflichten, den Kampf einzustellen. Über ein Jahr lang kam es immer wieder zu sporadischen Kampfhandlungen. 1902 wurde die Militärregierung durch eine Zivilverwaltung ersetzt, und am 4. Juli 1902 wurde William Howard Taft, später Präsident der Vereinigten Staaten, zum ersten zivilen Gouverneur ernannt. Die Verfassung der Philippinen (Philippine Bill) von 1902 sah ein Zweikammerparlament vor. Fünf Jahre später, am 16. Oktober 1907, wurde die erste Parlamentssitzung eröffnet. Das philippinische Parlament bestand aus dem gewählten Unterhaus und der bereits eingerichteten Kommission der Philippinen als Oberhaus.
Die inneren Angelegenheiten der Philippinen wurden nun durch die USA bestimmt. Taft und seine Nachfolger waren nicht gewillt, den Filipinos Machtbefugnisse zu überlassen. Mit der Wahl von Woodrow Wilson zum Präsidenten der Vereinigten Staaten 1912 wurde jedoch ein neuer politischer Kurs eingeschlagen. In einem Abkommen von 1916 (Jones Act) wurde die Einführung eines gewählten Senats festgelegt und schließlich die Unabhängigkeit versprochen. Diese Schritte wurden jedoch durch die Wahl von Warren G. Harding zum Präsidenten (1920) verlangsamt. Harding ernannte 1921 eine Kommission zur Untersuchung der politischen und wirtschaftlichen Lage der Inseln. Kurz darauf wurde General Leonard Wood, der Vorsitzende der Kommission, zum Generalgouverneur ernannt. In ihrem Bericht erklärte die Kommission, dass die sofortige Unabhängigkeit „einem Verrat am philippinischen Volk” gleichkäme. Wood, der seine Politik auf die Aussagen der Kommission stützte, traf auf den erbitterten Widerstand der philippinischen Verfechter der Unabhängigkeit, darunter Manuel Luis Quezon y Molina, Präsident des philippinischen Senats, Sergio Osmeña, Sprecher des Repräsentantenhauses (Unterhaus) vor 1922 und Manuel Roxas y Acuña, Sprecher des Repräsentantenhauses ab 1922.
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