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TiereEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Herkunft und Verwandtschaftsbeziehungen; Körperbau; Mesozoa; Parazoa; Coelenterata (Hohltiere); Acoelomata; Pseudocoelomata; Eucoelomata: die Tentaculata; Eucoelomata: die Trochozoa; Eucoelomata: die Deuterostomier; Tiere in Ökosystemen; Tier und Mensch
Zu den Chordatieren gehören die Wirbeltiere (Tiere mit einer Wirbelsäule) und einige mit ihnen verwandte Wirbellose. Alle besitzen wenigstens im Anfangsstadium ihres Lebenszyklus einen starren, über dem Darm liegenden Knorpelstab, das Notochord. Bei Wirbeltieren tritt später eine Reihe von Knochen (Wirbeln) an die Stelle des Notochords. Chordatiere besitzen außerdem entsprechend ihrer Embryonalentwicklung als Deuterostomier einen Nervenstrang, der auf der Rückenseite liegt (Neuralrohr). Bei den wirbellosen Chordatieren kann man zwei Unterstämme unterscheiden. Ein so genannter Kiemendarm dient beiden zur Ernährung und zur Atmung. Die Tunicata (Manteltiere) machen im Lauf ihrer Entwicklung starke Veränderungen durch und heften sich im ausgewachsenen Zustand an einer Unterlage fest. Notochord und Neuralrohr werden zurückgebildet, nur die frei schwimmenden Larven tragen sie noch. Alle Manteltiere (etwa 1 300 Arten) sind Meeresbewohner. Die Cephalochordata (Schädellosen) ähneln einfach gebauten Fischen ohne Knochen und abgegrenzten Kopf mit Sinnesorganen. Sie leben im Meer und filtern Nährstoffe mit den Kiemenspalten aus dem Wasser. Von ihnen kennt man etwa 25 Arten, deren bekannteste das Lanzettfischchen ist. Die übrigen Chordatiere gehören zum Unterstamm Vertebrata (Wirbeltiere) und besitzen eine Wirbelsäule. Dieser Unterstamm ist heute in vielerlei Hinsicht die ökologisch dominante und auffälligste aller Tiergruppen, obwohl es etwa 20-mal mehr Insektenarten auf der Erde gibt. Etwa die Hälfte aller rund 50 000 Wirbeltierarten sind Fische. In der Regel unterscheidet man sieben Klassen. Die frühere Klasse Pisces (Fische) wurde in vier Klassen aufgeteilt: Petromyzonta (Neunaugen), Myxini (Inger; beide Klassen repräsentieren kieferlose Fische, auch Fischartige genannt), Chondrichthyes (Knorpelfische wie Haie und Rochen) und Osteichthyes (Knochenfische; eine Artengruppe, die allerdings keine stammesgeschichtliche Einheit repräsentiert). Zur Klasse Amphibia (Amphibien oder Lurche) gehören Tiere, die zum Teil im Wasser und zum Teil an Land leben, wie Salamander, Kröten und Frösche. Besser sind die Vertreter der Reptilien oder Kriechtiere an das Leben auf dem Trockenen angepasst; in diese Gruppe gehören Schildkröten, Echsen, Schlangen und Krokodile. Die Klasse Reptilia gibt es in der modernen Systematik allerdings nicht mehr: Sie wird aufgeteilt, weil Krokodile näher mit den Vögeln verwandt sind als mit anderen Kriechtieren. Die Klasse Aves (Vögel) ist nicht nur wegen der Flugfähigkeit ihrer Arten klar umschrieben, sondern auch weil Vögel gleichwarm sind und zur Temperaturisolierung und zum Fliegen ein Federkleid tragen. Die charakteristischen Kennzeichen der Klasse Mammalia (Säuger) schließlich sind die Behaarung und die Brustdrüsen, die Milch zur Ernährung der Jungen ausscheiden. Auch Säuger sind gleichwarm.
Tiere haben eine kaum ermessliche Formenvielfalt entwickelt und fast alle denkbaren ökologischen Nischen besetzt (siehe Ökologie). Sie bilden die mittleren und die Endglieder der Nahrungsketten und Nahrungsnetze: Pflanzenfresser werden von Fleischfressern erbeutet, die ihrerseits anderen Fleischfressern als Nahrung dienen. Viele Tiere sind Parasiten, Abfallverwerter oder ernähren sich von Schwebstoffen. Fast alle Tierarten besitzen besondere Anpassungen, z. B. Sinnesorgane und Zähne, mit denen sie Nahrung finden und verwerten können. Tiere konkurrieren untereinander um die begrenzten Ressourcen, u. a. um Nahrung und Lebensraum. Manche Tiere fressen viele Arten von Nahrung, andere sind auf eine bestimmte spezialisiert; dies wirkt sich meist auf die Zusammensetzung und Artenvielfalt ihres Ökosystems aus. Die Wechselbeziehungen zwischen Räuber und Beute umfassen auch die gemeinsame Evolution dieser beiden Teile des Ökosystems: Beutetiere entwickeln eine bessere Tarnung oder Verteidigungsmechanismen, während Räuber im Gegenzug ihre „Waffen” weiterentwickeln. Parasiten schaden ihrem Wirt, ohne ihn aber zu töten, und müssen die verschiedensten Abwehrmechanismen überwinden können. Symbionten dagegen leben mit anderen Lebewesen in enger körperlicher Nähe zum beiderseitigen Nutzen zusammen. Auch Tiere und Pflanzen können einander gegenseitig nutzen: Pflanzen bieten Tieren beispielsweise Nektar oder Früchte als Nahrung, und Tiere sorgen für die Bestäubung oder für die Ausbreitung von Samen. Tiere verfügen über höchst vielfältige Strategien, um überleben zu können und sich fortzupflanzen. Ist in einem Ökosystem ein Überfluss an Nahrung vorhanden, bringen die dort lebenden Tiere in der Regel eine große Zahl von Nachkommen hervor. Herrscht aber starke Konkurrenz um Nahrung, müssen Tiere andere Strategien zu einer effizienteren Nutzung der Ressourcen entwickeln: Oft haben sie nur wenige Nachkommen, die sie aber längere Zeit versorgen. In stabilen Ökosystemen (z. B. in den Tropen) entstehen komplizierte Lebenszyklen und raffinierte Anpassungen in Körperbau und Verhalten. Tiere wandern oft von Ort zu Ort, um Futter zu suchen, Räubern zu entgehen und sich möglichst wirksam fortzupflanzen. Zugvögel und andere wandernde Tiere suchen sich Orte zum Fressen und für die Vermehrung bevorzugt da, wo Nahrung zu der jeweiligen Jahreszeit besonders reichlich vorhanden ist. Begrenzt werden Wanderungen durch die verfügbare Nahrung, das Gelände und die Fortbewegungsfähigkeit der jeweiligen Art. In der Regel entwickelt sich in jeder biogeographischen Region und jedem Lebensraum eine eigene, charakteristische Tierwelt (Fauna).
Seit es Menschen der Art Homo sapiens gibt, haben sie immer in enger Beziehung zu Tieren gelebt. Während des größten Teiles dieser Zeit waren Menschen Sammler und Jäger, die auf Wildtiere zur Versorgung mit Nahrung und Kleidung angewiesen waren. Darüber hinaus ist die Tierwelt für den Menschen seit jeher eine Quelle der Entspannung, Freude und geistigen Kraft. Hinweise darauf geben bereits die bemerkenswerten Malereien der Steinzeitmenschen in den Höhlen Südfrankreichs und Nordspaniens. Zur religiösen Praxis der nordamerikanischen Ureinwohner gehörte die Verehrung bestimmter Tiere wie Bär, Wolf und Adler: Indem man diese anbetete, wollte man die Macht, Weisheit, Kühnheit und Schnelligkeit erwerben, die man diesen Tieren zuschrieb (siehe Totemismus). Spuren derartiger Beziehungen finden sich in der gesamten Menschheitsgeschichte. Der ästhetische Reiz von Tieren drückt sich in Mosaiken und Fresken der griechischen, römischen und ägyptischen Antike ebenso aus wie in den Gemälden der Renaissancemeister und zahllosen Werken späterer Künstler. Mystische Gefühle gegenüber Tieren spiegeln sich in Mythen und Volksmärchen wider, in belehrenden Fabeln kommen Tiere vor, und in Kinderbüchern werden Tiere vermenschlicht; heute wählt man selbst für Autos und Sportmannschaften Tiernamen. Trotz hoch entwickelter Technik und Landwirtschaft und obwohl viele Tierarten domestiziert wurden, nutzen Menschen auch heute noch die Wildbestände mancher Tierarten für ihre Ernährung – etwa Fische und Muscheln. Diese natürlichen Ressourcen wurden jedoch durch unkontrollierte kommerzielle Ausbeutung stark verringert, und manche Arten sind mittlerweile vom Aussterben bedroht. Als die Menschen von der Jagd zur Landwirtschaft übergingen, veränderte sich das Verhältnis zwischen Mensch und Tier. Tiere, die Vieh erbeuteten oder Ernten gefährdeten, wurden dezimiert oder ausgerottet, und durch die Umgestaltung der Landschaft verschwanden die Lebensräume vieler weiterer Arten. Nachdem sich immer mehr Menschen in Städten niederließen, vermehrten sich stattdessen Ratten und andere so genannte Kulturfolger, die nicht selten zu Krankheitsüberträgern wurden. Manche Tierarten wurden vom Menschen zur Gewinnung von Nahrung und Kleidung, als Arbeitstiere oder als Gefährten domestiziert ( siehe Viehhaltung; Haustiere). Durch gezielte Kreuzungen machte der Mensch aus den ersten domestizierten Rassen von Rindern, Schafen, Schweinen und Vögeln höchst leistungsfähige Fleisch- oder Milcherzeuger. Weitere Tiere, die zum Wohlergehen der Menschen beitragen, sind jene Hunde, Katzen, Ratten und Mäuse, Meerschweinchen und Rhesusaffen, mit deren Hilfe die medizinische Forschung – in oftmals umstrittenen – Tierversuchen neue Erkenntnisse über die menschliche Physiologie zu gewinnen sucht, um weitere Methoden zur Krankheitsbekämpfung zu entwickeln. Da sich der Mensch auf der Erde immer weiter verbreitet, dringt er in die Lebensräume vieler Tiere ein oder vergiftet ihre Umwelt, und die verbleibenden Lebensräume werden immer kleiner. In der Evolution der Tierwelt gab es immer wieder große Massenaussterben, vor allem am Ende des Perms vor etwa 250 Millionen Jahren und vor 65 Millionen Jahren, als u. a. die Dinosaurier verschwanden. Solche Ereignisse waren aber auch eine Gelegenheit für andere Tiergruppen, neue Lebensräume zu erschließen, so wie es die Säugetiere nach den Dinosauriern taten. Nichtsdestotrotz verändert der Mensch die Natur heute in einem Maß, das die Anpassungsfähigkeit vieler Lebewesen überfordert. Wenn es nicht gelingt, diese Entwicklung aufzuhalten, wird ein großer Teil der Tierwelt früher oder später aussterben.
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