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Grammatik

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Noam ChomskyNoam Chomsky
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Zur Entwicklung des Grammatikbegriffs

Bereits im 3. Jahrhundert v. Chr. legten die Stoiker die zum Teil heute noch verwendeten grammatikalischen Grundbegriffe fest. Sie untergliederten die Wörter in verschiedene Wortarten und benannten diese. Dionysios Thrax (etwa 100 v. Chr.) gilt als der Verfasser der Techne Grammatike (Die Kunst der Grammatik), der bedeutendsten Grammatik für das Griechische. Dabei unterschied er bereits die folgenden Wortarten: Nomen, Verb, Partizip, Artikel, Pronomen, Präposition, Adverb und Konjunktion. Während der gesamten Zeitspanne, eigentlich bis in die Gegenwart, stand die geschriebene Sprache im Mittelpunkt, und mit Grammatik bezeichnete man ursprünglich auch die „Kunst des Schreibens”. Zunächst übernahmen römische Autoren die griechischen Kategorien sowie die Terminologie (z. B. Priscian in Institutiones Grammaticae aus dem 6. Jahrhundert). Dieselben Kategorien und Termini sind Bestandteil der heutigen traditionellen Grammatiken. Dabei erkennt man in moderner Zeit immer häufiger, dass sich diese Kategorien nicht auf alle Sprachen anwenden lassen.

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts wurden Grammatiken vorrangig mit dem Ziel konzipiert, sie für das Erlernen einer Fremdsprache einsetzen zu können. Dabei stand jedoch wiederum das geschriebene Wort im Vordergrund. Ferner versuchte man, einen Zusammenhang zwischen der Komplexität einer Sprache und dem Denken der Sprecher herzustellen. Im 19. Jahrhundert traten historische Motive in den Vordergrund. Grammatik diente dem Versuch, Wortformen und Lautgeschichte einer Sprache möglichst vollständig zu rekonstruieren. Dabei sollte primär die Verwandtschaft zwischen einzelnen Sprachen aufgedeckt werden, aber auch die Entwicklung einer Sprache innerhalb eines vorgegebenen Zeitraums (diachronische Betrachtungsweise).

Im 20. Jahrhundert wandte man sich der synchronischen Betrachtung von Sprachen zu, also der Betrachtung einer Sprache zu einem festgelegten Zeitpunkt. Aufbauend auf dieser synchronischenen Betrachtungsweise sind innerhalb des 20. Jahrhunderts zahlreiche Grammatikansätze entstanden. Dazu gehören u. a. die Dependenzgrammatik, die Inhaltsbezogene Grammatik, die Kasusgrammatik und die Valenzgrammatik, die besonders auch im Bereich des Fremdsprachenunterrichts Einzug gehalten hat. Im Vordergrund der aktuellen Grammatikdiskussion stehen sich zwei Ansätze gegenüber: Der eine wird als formaler oder generativer, der andere als funktionaler Ansatz bezeichnet.

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Generative und funktionale Grammatik

Der Begriff generative Grammatik dient als Oberbegriff für Grammatiktheorien, die auf einem Algorithmus zur Generierung von Sätzen basieren. Diese Modelle sind dabei sowohl explizit als auch prädikativ. Explizit bedeutet in diesem Fall, dass alle Regeln und ihre Bedingungen vollständig erfasst werden müssen, damit für jeden Satz entschieden werden kann, ob er in der jeweiligen Sprache ein grammatisch richtiger Satz ist. Prädikativ heißt, dass die Grammatik eine zuverlässige Voraussage über die Grammatikalität aller Sätze geben kann. Beispiele für generative Grammatiken sind die Kategorialgrammatik, die Montague-Grammatik sowie die Transformationsgrammatik Noam Chomskys, die seit 1957 zahlreiche Weiterentwicklungen erfahren hat (Rektions- und Bindungstheorie, Barrierentheorie, X-Bar-Theorie und Minimalismus). Die X-Bar-Theorie selbst bildet die Basis für zahlreiche weitere, teilweise auch nicht streng generative Grammatikmodelle (u. a. Unifikationsgrammatik, Generalized Phrase Structure Grammar und Lexical Functional Grammar).

Grundlage der von Chomsky ins Leben gerufenen generativen Ansätze ist die Frage, welche kognitiven Prozesse sich im Kopf eines Menschen abspielen, wenn er eine Sprache, z. B. das Englische, beherrscht. Untersuchungsgegenstand werden die sprachlichen Fähigkeiten des Menschen (Kompetenz) und nicht der aktuelle Gebrauch der Sprache (Performanz). Generativisten gehen davon aus, dass dem Menschen eine Universalgrammatik angeboren ist. Diese Universalgrammatik besteht aus abstrakten allgemeinen Prinzipien, die für alle Sprachen gelten, und von Parametern, die jeweils die Wahlmöglichkeiten innerhalb eines Prinzips darstellen.

Die Funktionalisten suchen nach einer Alternative zu den formalen und abstrakteren Grammatiktheorien der Generativisten. Gehen diese von der Annahme aus, dass sprachliches Wissen in irgendeiner Form angeboren ist, so betonen Funktionalisten, dass Sprache vorwiegend der zwischenmenschlichen Kommunikation diene. Ihre Konzeptionen orientieren sich so an der Funktion von Sprache. Auf diese unterschiedlichen Funktionen weisen z. B. Begriffe wie Topik bzw. Thema vs. Rhema hin. Neben syntaktischen Funktionen wie Subjekt, Prädikat, Objekt und Adverb treten semantische Rollen wie Agens, Patiens, Adressat, Instrumental, Lokativ etc. Beispiele für funktionale Grammatiken sind z. B. die Funktionale Grammatik von Simon C. Dik, die Role and Reference Grammar oder die Cognitive Grammar.

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