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Windows Live® Suchergebnisse VerkehrEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Verkehrsgeschichte; Wesen und Funktion; Verkehrsentwicklung; Verkehrssystem in Deutschland; Verkehrsleistungen in Deutschland 1995; Schienenverkehr; Straßenverkehr; Binnenschifffahrt; Seeverkehr; Luftverkehr; Kombinierter Verkehr, Güterverkehrszentren; Telematik im Verkehr; Transrapid
Verkehr, volkswirtschaftlicher Leistungsbereich, der alle Vorgänge und Einrichtungen umfasst, die der Ortsveränderung bzw. Raumüberwindung von Personen, Sachgütern und Nachrichten zu Lande, zu Wasser und in der Luft dienen. Die eigentlichen Beförderungsvorgänge in technisch geeigneten Verkehrsmitteln (Transport) gehören ebenso dazu wie die dispositiven und kommerziellen Tätigkeiten, die den Beförderungsvorgang vorbereiten, planen und durchführen. Die Dreiteilung in Personen-, Güter- und Nachrichtenverkehr hat sich in der Verkehrswissenschaft aus praktischen Gründen durchgesetzt. Für die Beförderung und Übertragung von Nachrichten bestehen meist aber besondere technische und institutionelle Einrichtungen, die sich als Post und Telekommunikation vom engeren Bereich des Personen- und Güterverkehrs abheben. Die moderne Informations- und Kommunikationstechnik hat dabei aber nicht nur den Nachrichtentransport revolutioniert und sich z. B. von der Briefsendung zu rechnergestützten Datenfernübertragungsverfahren entwickelt. Über Telematiksysteme (Telekommunikation und Informatik) unter Einschluss der Satellitenkommunikation (siehe Kommunikationssatelliten) ergeben sich vielmehr auch neue Möglichkeiten für Multimedia-Anwendungen zur Verkehrsflusssteuerung und Transportorganisation. Sie helfen, die Leistungsqualität des Verkehrs zu steigern und die Verkehrsabwicklung umweltverträglicher zu gestalten.
Transportaufgaben sind so alt wie die Menschheit selbst. Erbeutetes Wild, Brennholz, Baumaterial zur Eigenversorgung musste herangeschafft werden. Dies geschah mit Menschenkraft und erst viel später unter Einsatz gezähmter Tragtiere, je nach Erdteil und Entwicklungsstadium z. B. Rind, Esel, Pferd, Kamel oder Elefant. Was zu schwer war zum Tragen, wurde zunächst durch Schleifen bewegt, später mittels Rollen, entwickelt aus der immer besseren Bearbeitung von Baumstämmen als Walzen. Die gewaltigen Quader zum Bau der Pyramiden oder auch alter Heiligtümer, wie z. B. Stonehenge in Südengland, müssen nach heutiger Erkenntnis so bewegt worden sein. Auch das Rad war damals in begrenzten Gebieten bereits bekannt – seine Erfindung wird auf die Zeit um 5000 bis 4000 v. Chr. zurückgeführt. Aber Rad und Fahrzeuge waren bei weitem noch nicht so ausgebildet, dass sie große Lasten hätten tragen können. Schwere Lasten wurden deshalb auf möglichst kurzem Wege zu schiffbaren Gewässern gebracht. Damit einher ging auch die Ausnutzung der natürlichen Kräfte der Strömung und des Windes (Siehe Segeln; Segel). Insgesamt vollzogen sich die Fortschritte in der Verkehrstechnik von den Hochkulturen des Altertums bis zum beginnenden 19. Jahrhundert nur langsam. Das gilt sogar für die Seeschifffahrt, die seit den großen Entdeckungen für die überseeische Expansion der Europäer besondere Bedeutung erlangte. Der Bau von Landstraßen folgte dem Wechsel der politischen und militärischen Macht der Staatsgebilde. Hohe Kosten der Fuhrwerkstransporte erlaubten einen binnenländischen Fernverkehr abseits der Flüsse und Küsten nur für ganz hochwertiges Frachtgut. Der bewusst auf Verkehrsförderung und raumwirtschaftliche Integration ausgerichteten Politik des Merkantilismus blieben deshalb enge Grenzen gesetzt, auch wenn man damit begann, die im Mittelalter verfallenen Landwege wieder zu verbessern. In der napoleonischen Ära wurden diese Anstrengungen fortgesetzt. Größere wirtschaftliche Bedeutung hatte nur die Entwicklung der Binnenschifffahrt. Sie schuf für die erste Industrialisierungswelle Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts in England, Holland, Flandern und Nordostfrankreich die verkehrsmäßigen Voraussetzungen. Die entscheidende Wende brachte die Nutzung der Dampfkraft (siehe Dampfmaschine). Mit ihr begann die industrielle Revolution. Sie schuf die Basis, dass das Verkehrssystem Wirtschaftsräume bildete und diese zur weltwirtschaftlichen Integration verknüpfte. Die Eisenbahn erschloss die Kontinente und führte die binnenländischen Verkehrsströme an das Netz der Überseeverbindungen. Die erste Eisenbahn Deutschlands, die Nürnberg und Fürth verband, wurde 1835 eröffnet. In den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts wurde die Dampfschifffahrt zum Träger des stürmisch anwachsenden interkontinentalen Güter- und Personenverkehrs. Unter den vielen Erfindern ragten hier der Amerikaner Robert Fulton hervor oder auch der Österreicher Ressel, der die Schiffsschraube (siehe Propeller) entwickelt hat. Die Binnenschifffahrt fand ihr Betätigungsfeld im Montanverkehr zwischen den industriellen Ballungsräumen. Seit der Jahrhundertwende ermöglichten dann die Nutzung der Elektrizität und des Verbrennungsmotors eine starke Intensivierung und räumliche Verbreitung der Verkehrsprozesse. Gottlieb Daimler hat 1886 das erste Automobil der Welt gebaut; den Kraftfahrzeug-Führerschein dazu gibt es in Deutschland seit 1909. Nach dem 2. Weltkrieg entwickelten sich der kontinentale und interkontinentale Flugverkehr (siehe Luftfahrt). Der Ausbau von Rohrleitungen verbesserte die Wachstums- und Wettbewerbswirkungen im Bereich des Energieträgerverkehrs.
Vom Verkehr gehen tief greifende Einflüsse auf menschliches Handeln und Wirtschaften aus. Die enormen Leistungssteigerungen und Kostensenkungen im Verkehr in den letzten 150 Jahren haben die Voraussetzungen für grundlegende Veränderungen der Arbeitsteilung und der Produktion geschaffen. Arbeitsteiliges Wirtschaften ist ohne funktionsfähige Verkehrssysteme nicht möglich. Sie sind Voraussetzung jeder Spezialisierung. Kostengünstige und schnelle Raumüberwindung bedeutet Reduzierung ökonomischer Entfernungen und Verstärkung weltwirtschaftlicher Verflechtung. Verkehr schafft damit die Voraussetzung für die Verbesserung des Lebensstandards in der Welt. Der Schutz vor Wettbewerb, den hohe Transportkosten früher bewirkten, schwindet, die Globalisierung der Märkte nimmt zu. Die Verbilligung und Qualitätssteigerung auch im Personenverkehr ist Basis für private und berufliche Mobilität. Die enge räumliche Bindung von Wohnung und Arbeitsplatz wird durch die Entwicklung leistungsfähiger und preisgünstiger Massenverkehrsmittel und des Individualverkehrs mit Kraftfahrzeugen aufgelöst. Die Bereitstellung von Verkehrsleistungen ist Produktion im volkswirtschaftlichen Sinn. Der wachsende Freizeitverkehr als Teil des Personenverkehrs ist dabei unmittelbar dem Konsum zuzuordnen. Der gesamte Güterverkehr, der Berufs-, Geschäfts- und Ausbildungsverkehr gehören dagegen zum Produktionssystem. Die Basisfunktion des Verkehrs für die Volkswirtschaft wird bei der kritischen Bewertung seiner Entwicklung und darauf basierenden Vorschlägen, Verkehr zu verteuern und durch staatliche Eingriffe zu behindern und zurückzudrängen, oft übersehen. Auslöser der Kritik sind die Umwelteinflüsse des Verkehrs sowie Belastungen durch stetiges Verkehrswachstum, die sich u. a. in der stärkeren Inanspruchnahme knappen Straßenraumes niederschlagen. Regelmäßig überschätzt werden die Kohlendioxidemissionen des Straßengüterverkehrs. Sie haben am gesamten Kohlendioxidausstoß einen Anteil von rund 4 Prozent. Der Lkw ist in Deutschland mit etwa 80 Prozent an der beförderten Gütermenge beteiligt.
Die Wirtschaftsintegration durch die Vereinigung Deutschlands, die Öffnung Mittel- und Osteuropas sowie die Schaffung des einheitlichen europäischen Binnenmarktes mit steigenden Außenhandelsverflechtungen lassen einen weiteren Anstieg der Verkehrsnachfrage erwarten. Das ifo-Institut für Wirtschaftsforschung hat im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums auf der Grundlage der Datenbestände der Jahre 1992/93 eine Schätzung der Verkehrsnachfrage bis zum Jahr 2010 vorgenommen. Prämissen dieser Prognose sind eine wachsende Steuer- und Abgabenbelastung des Lastkraftwagenverkehrs sowie ein weiteres Zurückbleiben des Infrastrukturausbaues hinter dem Bedarf. Dramatische Zuwächse in der gesamten Beförderungsleistung (= Transportmenge × Entfernung) sind nach der ifo-Prognose nicht zu erwarten. Im Güterverkehr Westdeutschlands wird eine jährliche Steigerungsrate im Zeitraum von 1992 bis 2010 von 2,1 Prozent vorausgesagt und für den Güterverkehr in Ostdeutschland von 4,1 Prozent. Der Eisenbahnverkehr in Westdeutschland wird mit 2,4 Prozent pro Jahr zunehmen, in Ostdeutschland mit 3,3 Prozent. Eine stärkere Einbindung in die Verkehrsteilung ist für das Binnenschiff mit jährlichen Zuwachsraten von 2,5 Prozent bzw. 6,8 Prozent zu erwarten. Der Straßengüterfernverkehr soll um 2,2 Prozent bzw. 5,4 Prozent pro Jahr zunehmen, der Straßengüternahverkehr um 1,2 Prozent bzw. 1,3 Prozent. Maßgebend für die Inanspruchnahme der Infrastruktur ist nicht die Beförderungsleistung, sondern die Fahrleistung. Durch Produktivitätsverbesserungen und eine erhöhte Auslastung der Fahrzeuge rechnet das ifo-Institut bis zum Jahr 2010 nur noch mit einer Fahrleistungserhöhung im Straßengüterverkehr von 17 Prozent in Westdeutschland und 36 Prozent in Ostdeutschland. Verkehrspolitik ist in die allgemeine Wirtschaftspolitik eingebettet. Die Ordnung des Verkehrswesens muss deshalb mit der angestrebten Gesamtordnung der Wirtschaft harmonieren. Trotzdem galt der Verkehr lange Zeit als Sonderbereich mit einem stärkeren staatlichen Eingriffsinstrumentarium als in den meisten anderen Wirtschaftszweigen. Die europäische Integration hat europaweit zu einer Öffnung der Märkte durch Deregulierung und Liberalisierung geführt. Der angestrebte positive Wohlfahrtseffekt durch den Abbau aller Behinderungen im Güteraustausch und durch freie Beweglichkeit der Produktionsfaktoren war hierfür die treibende Kraft. Nach dem Vertrag von Maastricht über die Europäische Union (Art. 129 b 1) zählt es jetzt zu den wichtigsten Prioritäten der Europäischen Union, den Bürgern in vollem Umfang die Vorteile zugutekommen zu lassen, die sich aus der Schaffung eines Raumes ohne Binnengrenzen ergeben. Die Einrichtung von transeuropäischen Verkehrsnetzen (TEN) dient diesem Ziel, das mit der Förderung des Verbundes und des Zusammenwirkens der einzelstaatlichen Netze sowie der Gewährleistung des Zuganges zu diesen Netzen erreicht werden soll. Das TEN-Konzept umfasst als Leitschema 58 000 Kilometer Straßen, 70 000 Kilometer Schienenwege mit 23 000 Kilometer Hochgeschwindigkeitsstrecken und 12 000 Kilometer Schiffswegenetz. Vordringlich realisiert werden sollen 14 Projekte aus dem Schienen- und Straßenbereich. Sie erfordern Investitionsmittel in Höhe von mindestens 82 Milliarden ECU. Es wird notwendig sein, hierfür neue Formen öffentlich-privater Partnerschaften zu entwickeln.
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