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Alexandrinische Bibliothek

Enzyklopädieartikel

Alexandrinische Bibliothek, berühmte Bibliothek zur Zeit des Hellenismus mit dem größten Bestand an Buchrollen, die von unschätzbarer Bedeutung für die Verbreitung der antiken Literatur und Wissenschaften war, da dort von Beginn an wissenschaftliche Studien zur Textedition und Philologie betrieben wurden.

Die Bibliothek wurde von dem ägyptischen König Ptolemäus I. Soter in Zusammenhang mit dem berühmten Museion (griechisch: Musenheiligtum) in Alexandria gegründet als ein unter dem Schutz der Musen stehendes literarisches und wissenschaftliches Zentrum, in dem sich die besten Forscher und Gelehrten ihrer Zeit ohne Beschränkungen und unter optimalen Bedingungen ihren Studien widmen konnten. Unter seinem Sohn Ptolemäus II. Philadelphos wurde sie Anfang des 3. Jahrhunderts v. Chr. erweitert. Ihr erster Vorsteher war der Dichter Zenodotos von Ephesos (geboren um 325 v. Chr.), der Erzieher Ptolemäus I., der mit der Ordnung der epischen Handschriften begann. Den ersten Bibliothekskatalog (Pinakes, griechisch: Verzeichnisse) mit Angaben über Autor, Titel und Umfang eines Werkes stellte Kallimachos zusammen, einer der bedeutendsten Dichter und Gelehrten des Hellenismus. Die wichtigsten Bibliotheksleiter waren der Universalgelehrte Eratosthenes, Aristophanes von Byzanz (um 257 bis 180 v. Chr.) und Aristarchos von Samothrake (um 217 bis 145 v. Chr.), alle bedeutende Philologen.

Während ihrer Blütezeit unter Ptolemäus II. enthielt die Hauptbibliothek weit über 500 000 Handschriften und Buchrollen, der Anbau im Tempel des Sarapis etwa 43 000, darunter fast alle literarischen und wissenschaftlichen Werke der griechischen Antike. Diese wurden textkritisch bearbeitet, sorgfältig ediert und in Bibliotheken der ganzen zivilisierten Welt verbreitet. Besonders diesen Abschriften ist es zu verdanken, dass die antiken Werke bis heute erhalten sind, denn die Bibliothek von Alexandria wurde mehrmals ganz oder teilweise zerstört. So verbrannten z. B. 47 v. Chr. während des römischen Bürgerkrieges etwa 40 000 Bände, als Julius Caesar von den Anhängern des Pompeius in Alexandria belagert wurde und ein Feuer, das die ägyptische Flotte zerstörte, auf einige Bücherlager übergriff. Auch die Bibliothek selbst wurde offensichtlich dreimal durch Feuer zerstört, u. a. 272 n. Chr. auf Anweisung des römischen Kaisers Lucius Domitius Aurelian und ein weiteres Mal 391, als der christliche Kaiser Theodosius I. im Zusammenhang mit seinem erbitterten Kampf gegen den heidnischen Glauben die Bibliothek und andere Gebäude zerstören ließ.

Im Jahr 2002 wurde in Alexandria eine neue Bibliothek eröffnet, die dem Anspruch nach an ihr antikes Vorbild heranreichen möchte. Untergebracht ist sie in einem eindrucksvollen Neubau am Hafen von Alexandria, dessen Architektur sowohl den Zweck des Gebäudes wie die ägyptische Geschichte versinnbildlicht, ohne dabei in einen historisierenden Gestus abzugleiten. Die Bibliothek verfügt über eines der modernsten Katalogsysteme und einen der größten Lesesäle überhaupt; der Buchbestand war mit etwa 400 000 Titeln zur Zeit der Eröffnung noch sehr gering.

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