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  • Rhesusfaktor – Wikipedia

    Der Rhesusfaktor ist ein Protein auf der Zellmembran der roten Blutkörperchen im menschlichen Blut und wurde 1940 von Karl Landsteiner (1868–1943) und Alexander Solomon Wiener ...

  • MedizInfo®: Rhesusfaktor

    Blutbild, Urinstatus, Fett- oder Zuckerwerte - kaum eine Untersuchung kann auf die Bestimmung verschiedenster Laborwerte verzichten. Es gibt hunderte von möglichen ...

  • Bio-Repetitorium: Blut

    Einige Monate nach dem Kontakt sind Antikörper nachweisbar. (Das Gen für den Rhesusfaktor 'Rh' ist dominant gegenüber 'rh'.). Neben heutzutage nicht mehr durchgeführten ...

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Rhesusfaktor

Enzyklopädieartikel

Rhesusfaktor (Rh-Faktor), Antigen an der Oberfläche der Erythrozyten (roten Blutzellen), das bei Bluttransfusionen und Schwangerschaften zu gefährlichen Komplikationen führen kann.

Der auch beim Menschen vorkommende Rhesusfaktor wurde 1940 von Karl Landsteiner, Alexander Wiener und Philip Levine an Rhesusaffen entdeckt. Es handelt sich um ein Proteinmolekül an der Zelloberfläche, das – ebenso wie die Antigene des AB0-Blutgruppensystems – als Antigen (Rezeptor für bestimmte Antikörper) in Erscheinung treten kann.

Besitzt jemand das Allel (siehe Genetik) für den Rhesusfaktor, so wird dieser auf den roten Blutzellen ausgebildet; man bezeichnet den Betreffenden als rhesuspositiv (oder Rh-positiv). Fehlt das Allel, so ist der Betreffende rhesusnegativ (oder Rh-negativ). Der Rhesusfaktor wird dominant vererbt, d. h., auch bei Heterozygotie (Mischerbigkeit) bezüglich der beiden Allele im Genotyp wird der Rhesusfaktor im Phänotyp (an den Zelloberflächen) ausgeprägt. Der Rhesusfaktor ist relativ häufig: Beispielsweise sind über 80 Prozent aller Mitteleuropäer Rh-positiv. In manchen Regionen der Erde ist keiner der Ureinwohner Rh-negativ.

Wenn sich das Blut zweier Menschen mischt, z. B. bei einer Bluttransfusion oder Schwangerschaft, kann es aufgrund des Rhesusfaktors zu einer Antigen-Antikörper-Reaktion mit schweren Schäden für den Organismus kommen. Ein Kind kann bei einer Schwangerschaft geschädigt werden, wenn es Rh-positiv und die Mutter Rh-negativ ist. Das Risiko für eine solche Konstellation hängt vom Genotyp des – in diesem Fall immer – Rh-positiven Vaters ab: Hat er beide Allele für den Rhesusfaktor, werden alle Kinder dieses Paares Rh-positiv, da sie vom Vater in jedem Fall das dominante Allel erben. Falls der Vater nur ein Allel für den Rhesusfaktor hat (auch in diesem Fall ist er selbst Rh-positiv), erbt rein rechnerisch nur jedes zweite seiner Kinder dieses Allel. Da von der Mutter in keinem Fall das entsprechende Allel vererbt wird (Rh-negativen Menschen fehlen beide Allele für den Rhesusfaktor), ist statistisch gesehen nur die Hälfte der Kinder dieses Paares Rh-positiv.

Die Antikörper gegen den Rhesusfaktor sind anders als diejenigen des AB0-Systems nicht von Anfang an im Blut vorhanden, sondern werden erst beim Kontakt mit dem entsprechenden Antigen gebildet. Die erste Schwangerschaft einer Rh-negativen Mutter mit einem Rh-positiven Kind verläuft daher meist problemlos, da das Blut des Kindes normalerweise erst bei der Geburt in Kontakt mit dem Blut der Mutter kommt; dann werden Antikörper gebildet. Man bezeichnet dies als Sensibilisierung. Eine Sensibilisierung der Mutter kann auch durch eine Fehlgeburt oder eine Bluttransfusion ausgelöst werden.

Nach einer solchen Sensibilisierung ist bei jeder weiteren Schwangerschaft ein Rh-positives Kind gefährdet, weil die (nun vorhandenen) Antikörper im Blut der Mutter die Plazenta passieren. Im Blut des Embryos kommt es zu einer starken Abwehrreaktion der mütterlichen Antikörper. Kindliche Erythrozyten werden zerstört (Hämolyse), und schädliche Abbauprodukte entstehen. Dies führt zu einer Erythroblastose, u. a. mit Anämie und Gelbsucht als Folge. In schweren Fällen entwickelt der Fetus im Mutterleib eine Aszites, ein ausgedehntes Ödem (auch Hydrops fetalis), und sein Hirn wird infolge eines Hydrozephalus (Wasserkopfes) geschädigt; viele dieser Kinder sterben vor oder kurz nach der Geburt.

Früher wurden Rh-positive Kinder, sofern sie überhaupt lebend zur Welt kamen, durch Bluttransfusionen gerettet. Heute werden Frauen und Männer auf den Rhesusfaktor getestet, wenn sie ein Kind erwarten. Wenn eine Rh-negative Frau ein Kind bekommt, dessen Vater Rh-positiv ist, werden ihr meist unmittelbar nach der Geburt Gammaglobuline injiziert (z. B. Rhesogam®), die Antikörper gegen den Rh-Faktor enthalten. Diese sorgen für die Eliminierung aller Rh-positiven roten Blutzellen, die vom Kind in die Blutbahn der Mutter gelangt sind. So wird verhindert, dass die Mutter Rh-Antikörper produziert, die ins Blut später geborener Kinder gelangen könnten. Diese Methode hat sich sehr bewährt, so dass die Rhesusfaktorunverträglichkeit bei Schwangerschaften fast nicht mehr auftritt. In neuerer Zeit wurden weitere Rezeptoren an der Zelloberfläche der Erythrozyten entdeckt, die ebenfalls als Rhesusfaktoren bezeichnet werden; sie spielen aber als Antigene keine Rolle.

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