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Windows Live® Suchergebnisse TheologieEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Theologie, Lehre von Gott und Glauben. Der aus den griechischen Wörtern theós (Gott) und logos (Wort, Rede) zusammengesetzte Begriff geht auf die griechische Philosophie zurück. Es war Platon, der die mythische Gottrede (siehe Mythologie) für das Gemeinwesen als gefährliche Sache erachtete, jedoch eine mythenkritische Gottrede für den Aufbau des Staates für wichtig hielt. Auch Aristoteles stellte die wahre Theologia der Dichtung (der Mythentheologen) gegenüber und hielt sie für eine „höchste Anstrengung der Wissenschaft”. Solche Theologie ist „erste Philosophie”. Augustinus hat das griechische Wort Theologia als „vernünftige Gott-Rede” interpretiert. Die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs führt über das Gesagte noch hinaus. Theologie bedeutet ursprünglich „Gott-künden”, nicht nur „Rede über Gott”. Dieses „Gott-künden” liegt der frühgriechischen Götteransage als kultisches Proklamieren zugrunde und wird in der christlichen Verkündigung zum unverfügbaren Anfang für den Glauben, der aller theologischen Wissenschaft vorausliegt und von dieser nicht zu „überholen” ist.
Thomas von Aquin machte in seinem Werk Summa Theologica (1266-1273) darauf aufmerksam, dass der Mensch zwar auf Gott bezogen ist, dies aber seine Vernunft überfordere. So kann die Theologie nicht aus ihrer eigenen Rationalität abgeleitet und begründet werden, sie ist eine „Glaubenswissenschaft”. Darüber hinaus geht es der Theologie um Erkenntnis des Wahren, um ethisches Handeln (Gutsein) und um ästhetisch-künstlerische Wahrnehmung und Gestaltung.
Gängig ist heute die Einteilung der Theologie in vier Bereiche (oder Fachgebiete): biblische Theologie, historische Theologie, systematische Theologie und praktische Theologie. Der biblische Bereich (mit den Fächern Altes und Neues Testament und den Einleitungswissenschaften) kann mit dem Terminus „Originalität” charakterisiert werden. Die biblische Literatur führt an den „Ursprung” (origo) der Offenbarung heran. Als Ursprungsliteratur zeugt die Bibel einerseits von Transzendenzerfahrung und ermöglicht zugleich neue Transzendenzerfahrung durch die Lektüre. Die gesamte Christenheit beruft sich auf die Bibel als die „Urkunden des Glaubens” (G. Ebeling), und für die gesamte Ökumene der Christenheit ist die Bibel eine Norm, die weder von der Glaubensgemeinschaft noch von der Theologie normiert werden kann („norma normans non normata”). Der historische Bereich der Theologie (mit den Fächern Patrologie, alte, mittlere und neuere Kirchengeschichte sowie Theologie- und Dogmengeschichte) gehört zur „Traditionalität”. Tradition ist die „Übergabe” (traditio) des Glaubens von Generation zu Generation. Wo solche „traditio” gelingt, entsteht eine Vertrauensgemeinschaft. Traditionalität ist deshalb nicht zu verwechseln mit Traditionalismus, der darauf bedacht ist, das Überlieferte zu bewahren. Der systematische Bereich der Theologie (mit den Fächern Fundamentaltheologie, Dogmatik und Ethik), die so genannte „Rationabilität” (von Lateinisch rationabilitas, „Denk-Würdigkeit”), beruht auf der Rationalität des Glaubens, d. h. der Vorstellung, dass der Glaube „vernünftig” ist, so dass Denken und Glauben auf längere Sicht nicht wie zwei unvereinbare Wahrheiten gegeneinander stehen können. Nach dem jüdischen Philosophen Emmanuel Levinas fällt Gott in das menschliche Denken ein und beunruhigt es in all seinen Dimensionen. Der vierte Bereich der Theologie (mit den Fächern Religionspädagogik, Pastoraltheologie, Liturgiewissenschaft, Kirchenrecht u. a.) bezieht sich auf die „Praktikabilität” (praxis, von griechisch prattein = tun, handeln). Dabei geht es um die praktische Verwirklichung des Glaubens – in der jeweiligen Gegenwart angelegt – und zugleich um die grundsätzliche Frage nach der Verwirklichbarkeit dieses Glaubens. So bildet sich die Theorie der Praxis aus, von der sich das praktische Handeln unterscheiden lässt. Das Betätigungsfeld der Christen ist die Welt. Ihrem Heil weiß sich mit der praktischen Theologie auch die gesamte Theologie verpflichtet.
Am unbestrittensten ist der Wissenschaftscharakter der Theologie, insofern sie sich – mit den übrigen Wissenschaften – methodisch gezielt um Forschungsergebnisse bemüht. Wie sich an den Methoden der einzelnen theologischen Fächer zeigen lässt, partizipiert die Theologie teils an den Methoden anderer Wissenschaften, teils entwickelt sie ihre eigenen Methoden, die mit ihrem unverwechselbaren Forschungsgebiet zusammenhängen. Wenn die Theologie – über die Philosophie hinaus – die Frage nach Gott durch die Gotteserfahrung im Glauben bedingt sein lässt, so geht die Theologie davon aus, dass am Anfang des wissenschaftlichen Fragens die Erfahrung steht. Der zentrale „Gegenstand” der Theologie ist „Gott” und dieser mehr als ein „Objekt” im Sinn der empirisch-wissenschaftlichen Forschung. Gegenstand ist die unableitbare Offenbarungserfahrung. Im Zentrum dieser Erfahrung und ihrer theologischen Reflexion steht das, was mit dem Urwort „Gott” bezeichnet wird. Die Gottesfrage ist also keine Gegenstandsfrage, sondern sie ist eine transzendentale Frage, die nach den Bedingungen der Möglichkeit menschlicher Erfahrung mit Gott fragt. Anselm von Canterbury sprach von einem Glauben, der das Verstehen sucht („fides quaerens intellectum”). Es ist zu prüfen, ob der Glaube der rationalen Vergewisserung standhält und es gehört zu den Aufgaben der Theologie, das Gespräch mit ihren Gegnern zu suchen. Die Theologie versucht Hypothesen zu erarbeiten, die kirchlich rezipiert werden. Mehr noch als die anderen Wissenschaften muss sich die Theologie fragen, welche ethischen Prinzipien mit ihr verbunden sind und was sie zur interdisziplinären Anstrengung für eine Ethik der Wissenschaften beitragen kann. Siehe auch Religionswissenschaft; Judentum; Islam; Hinduismus; Buddhismus
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