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Ritterroman

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Miguel de Cervantes: Don QuijoteMiguel de Cervantes: Don Quijote

Ritterroman, vor allem im ausgehenden Mittelalter und der frühen Neuzeit beliebte literarische Gattung, die in Prosaform pseudohistorische, sagenhafte und fiktive Stoffe des Ritterlebens behandelt (siehe Ritter, Rittertum). Der Ritterroman entwickelte sich aus dem hochmittelalterlichen Epos (meist in Versen verfassten Heldendichtungen) und setzte häufig dessen populäre Stoffe in Prosabearbeitungen und Fortsetzungen um. Neben einzelnen Ritterromanen, die auf antike Sujets und Gestalten wie Alexander den Großen zurückgriffen, und dem französischen Roman de la Rose stellte der altnordisch-germanische Sagenkreis (germanische Mythologie) die vorherrschende thematische Quelle dar. Am fruchtbarsten war hier die Sage um den britannischen König Artus und die Ritter seiner Tafelrunde. Der erste Vertreter dieser Gattung war der normannische Roman de Brut (1155). In der Folge entwickelten sich auch um die einzelnen Ritter der Tafelrunde eigenständige Stoffkomplexe und Romanzyklen (Gawain, Parzival, Tristan, Lanzelot, Gralssage), von denen einige stärker in die Moderne fortwirkten als die Zentralgestalt der Artussage. Bedeutende Bearbeitungen des Artusstoffes sind z. B. der englische Roman Sir Gawain and the Green Knight, Gottfried von Straßburgs Tristan und Isold (um 1210), Hartmann von Aues Erec und Iwein (beide um 1200) oder der Perceval des Chrétien de Troyes. Die literarisch interessanteste deutsche Adaption ist der Parzifal des Wolfram von Eschenbach (um 1200 bis 1210). Während es in diesen Romanen um den Konflikt zwischen Leidenschaft und Pflichterfüllung oder die Suche nach dem Heiligen Gral geht, jedenfalls immer ein mythisch-moralischer Kontext vorhanden ist, beuteten die epigonalen Ritterromane späterer Jahrhunderte in erster Linie das Reizpotential der abenteuerlichen, von holden Jungfrauen, bösen Zauberern und kühnen Recken bevölkerten Ritterwelt aus, die ursprünglich auch belehrenden Absichten des Genres traten hingegen völlig in den Hintergrund. Den größten Erfolg konnte hier der Amadis-Roman verbuchen, der das Muster für einen Großteil der barocken Ritter-und-Räuber-Romane abgab. Während Cervantes zu Beginn des 17. Jahrhunderts in seinem Don Quijote die grassierende Manie der Ritterbücher persiflierte, erlebten sie in Neufassungen der Romantik eine Renaissance, so bei Sir Walter Scott (Waverley, 1814; Ivanhoe, 1819; Kenilworth, 1821) und in dezidierter Form bei Byron (Childe Harolds Pilgerfahrt, 1812-1818). In Deutschland erzielten die Nordlandsrecken in Fouqués Roman Der Zauberring und seinem dramatischen Gedicht Der Held des Nordens (1810) großes Echo bei einer patriotisch gestimmten Leserschaft, die auch Mitte des Jahrhunderts die von Gustav Schwab gesammelten Deutschen Heldensagen (um 1840) verschlang. Auf trivialer Ebene leben die Ritterromane noch heute im Bereich der Fantasy-Romane und Comics und entsprechender Filme fort. So fußt z. B. das Drehbuch von Excalibur (USA, 1981) auf dem Artus-Roman des Briten Sir Thomas Malory (1485).

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