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Isländische Literatur

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Artikelgliederung
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Einleitung

Isländische Literatur, die in Island verfasste Literatur seit dem 9. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Da das Altnordische und Altisländische nahezu identische Sprachen sind, bezeichnet man die mittelalterliche isländische Literatur gelegentlich auch als altnordische Literatur.

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Die Saga

Als typischste Zeugnisse mittelalterlicher isländischer Literatur entstanden zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert die so genannten Sagas, Prosaerzählungen über Norwegerkönige und männliche oder weibliche Heldengestalten aus Island oder Skandinavien. Man nimmt an, dass die Sagas von zumeist unbekannten Autoren mündlich weitergegeben wurden, ehe man sie schriftlich fixierte. Von den Originalmanuskripten indes ist keines überliefert. Abschriften und Sammlungen in zum Teil überarbeiteten und ausgeschmückten Fassungen finden sich ab dem 13. Jahrhundert.

Im mittelalterlichen Island wurde eine Vielzahl von Sagas verfasst. Unterschieden wird zwischen Königssagas (Konunga sögur) wie etwa Snorri Sturlusons Heimskringla, die die norwegischen Herrscher seit grauer Vorzeit bis ins Jahr 1177 beschreibt, oder die Knýtlinga saga, die die Geschichte der Dänenkönige von Gorm dem Alten bis Knut IV. schildert, den Legenden- oder Lügensagas (Lygisögur), zumeist Rittererzählungen und phantastische Geschichten von recht unterschiedlichem literarischem Niveau, und den Isländersagas (Íslendinga sögur), mehr oder weniger erfundene Berichte über die so genannte Sagazeit (900-1050). Höhepunkte der letztgenannten Gattung bilden u. a. die Egills saga, die das Leben des Dichters und Kriegers Egill Skallagrímsson schildert, die Laxdaela saga, eine Liebesgeschichte über ein Dreiecksverhältnis, die Gísla saga, die tragische Geschichte eines heldenhaften Geächteten, und die Njáls saga, die im Allgemeinen als glanzvollstes Beispiel der isländischen Literatur gilt und die sich mit zahllosen menschlichen und gesellschaftlichen Konflikten beschäftigt.

Darüber hinaus diente die Saga im 13. Jahrhundert als Mittel zur Darstellung zeitgenössischer geschichtlicher Ereignisse anhand herausragender Persönlichkeiten. Berichte dieser Art sind in der so genannten Sturlunga saga gesammelt, die in teils blutrünstiger Detailtreue jene gegenseitigen Vernichtungskriege der isländischen Familien schildert, die zum Ende des isländischen Freistaates führten. Eindrucksvollstes Beispiel hierfür ist die Íslendinga saga von Sturla Thórdarson, einem Neffen Snorri Sturlusons. Weitere mittelalterliche Werke dieses Genres sind das Íslendingabók (Buch von den Isländern) von Ari Thorgilsson und das Landnámabók (Das Landnahmebuch oder auch Islands Besiedlung und älteste Geschichte), das wohl zum Teil ebenfalls von Thorgilsson stammen dürfte.

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Edda und Skaldendichtung

Zur frühen isländischen Literatur gehören auch die Eddalieder und die skaldische Dichtung. Die Herkunft des Wortes Edda ist umstritten. Möglicherweise leitet es sich aus dem altnordischen Wort edda (Urgroßmutter) her. Wahrscheinlicher ist, dass es sich auf Oddi bezieht, ein kulturelles Zentrum in Südisland. Oddi war der Aufenthaltsort von Sæmund Sigfússon, einem Geistlichen, von dem man früher annahm, er habe die Lieder-Edda zusammengestellt, und von Snorri Sturluson, dem Autor der Snorra-Edda. Möglich ist auch, dass der Begriff aus dem altnordischen Wort óthr („Dichtung”) abgeleitet ist. Wie dem auch sein mag, das Wort steht für zwei berühmte Werke der isländischen Literatur. Bei der älteren, der poetischen oder Lieder-Edda (9.-12. Jahrhundert), handelt es sich um eine Sammlung von mehr als 30 Liedern, die sich mit den skandinavischen und germanischen Göttern und menschlichen Helden beschäftigen. Erwähnt sei hier Sigurd, das isländische Gegenstück zur Figur des Siegfried aus dem Nibelungenlied. Einige dieser Lieder sind wohl außerhalb Islands entstanden, wurden aber dort im 12. Jahrhundert erstmals niedergeschrieben und sind nur in einer einzigen Handschrift (Codex Regius) erhalten.

Die jüngere, die Prosa- oder Snorra-Edda (13. Jahrhundert), stammt aus der Feder von Snorri Sturluson. Sie beinhaltet Geschichten aus der skandinavischen Mythologie, als deren wichtigste Quelle sie gilt. Des Weiteren sind ein Lehrbuch für die dichterischen Ausdrücke und die Versarten Bestandteil dieses Werkes.

Skaldische Dichtungen, die zwischen dem 9. und 13. Jahrhundert entstanden, priesen entweder die Adelsgeschlechter oder die Liebe in Art der hohen Minne. Andere, allerdings wenige, beschäftigten sich, zum Teil satirisch, mit dem Tagesgeschehen. Im Gegensatz zur eddischen Dichtung finden wir hier streng syllabische Formen, wobei das Kenning ein besonderes Stilmerkmal bildet, und zwar zum einen als komplizierte Umschreibung in Form wundervoller Metaphern, zum anderen aber auch als Rätsel. Ihren Namen verdankt die Skaldendichtung den Skalden, höfischen Dichtern des isländischen Mittelalters, die ihre Werke – zumeist in musikalischer Begleitung – ihren Brotherren vortrugen.

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13. bis 18. Jahrhundert

Nachdem Island um 1260 seine Unabhängigkeit eingebüßt hatte, verringerte sich auch die literarische Produktion. Abgesehen von einer Fülle theologischer Gebrauchsliteratur und Bibelübersetzungen protestantischer Theologen des 16. Jahrhunderts gab es etwa ab dem Jahr 1400 bis ins 19. Jahrhundert hinein so gut wie keine Prosaliteratur. Dafür blühte die geistliche Dichtung, zu deren bedeutendsten Werken das aus dem 14. Jahrhundert stammende Mariengedicht Lilja (Die Lilie) von Eysteinn Ásgrímsson zählt, ebenso wie die rímur, eine isländische Form der Ballade, die sich vor allem durch vollendete Metrik auszeichnete und bis zum Ende des 19. Jahrhunderts sehr populär war. Das berühmteste Werk aus dieser Zeit, das mehr Neuauflagen als jedes andere isländische Werk erlebt hat, trägt den Titel Passíusálmar (1666, Passionspsalmen) und stammt von Hallgrímur Pétursson, einem evangelischen Pastor des 17. Jahrhunderts. Angeregt durch das Interesse an der eigenen Geschichte entwickelte sich zudem eine rege Sammlertätigkeit alter Handschriften, die vielfach neu bearbeitet wurden.

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