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Windows Live® Suchergebnisse RattenEnzyklopädieartikel
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Ratten, Gattung der Echten Mäuse, deren etwa 55 Arten durch ein raues Fell, einen langen Schwanz, große Ohren und eine spitze Schnauze gekennzeichnet sind. Ratten haben ein extrem starkes Nagetiergebiss. Die vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiven Tiere sind überaus anpassungsfähig und haben sich weltweit ausgebreitet (siehe Kosmopoliten). Sie besiedeln alle Lebensräume und leben als Kulturfolger in der Nähe des Menschen. Sie zeichnen sich durch eine hohe Fortpflanzungsrate aus: Einheimische Ratten können zwei- bis sechsmal im Jahr durchschnittlich je acht Junge zur Welt bringen, die mit drei bis vier Monaten geschlechtsreif sind. Die meisten Rattenarten sind Pflanzenfresser, manche leben aber auch räuberisch. Natürliche Feinde der Ratten sind Raubtiere und Eulen.
Die beiden wichtigsten Rattenarten sind die Hausratte und die Wanderratte, die beide ursprünglich in Ostasien beheimatet waren, heute aber fast weltweit verbreitet sind. Die weitaus häufigere und größere Wanderratte besitzt eine Kopfrumpflänge von 18 bis 26 Zentimetern, eine Schwanzlänge von 15 bis 22 Zentimetern und wiegt 140 bis 400 Gramm. Ihr Fell ist oberseits graubraun, unterseits schmutzig weiß. Die Wanderratte richtet in Nahrungsmittellagern großen Schaden an und kann als Überträger von Infektionskrankheiten wie Pest und Tollwut für den Menschen gefährlich sein. Wanderratten können ausgezeichnet schwimmen; sie gelangten Anfang des 18. Jahrhunderts mit Schiffen aus Ostindien nach England, von wo aus sie sich rasch über ganz Europa und Ende des 18. Jahrhunderts auch auf die Vereinigten Staaten ausbreiteten. Im Gegensatz zur Hausratte legen Wanderratten in Gewässernähe oder auf Müllplätzen ausgedehnte unterirdische Gangsysteme an. Sie leben in Familienverbänden mit strenger Rangordnung und verteidigen ihr Territorium gegen gruppenfremde Artgenossen (siehe Revierverhalten). Wanderratten ernähren sich nicht nur von Pflanzen, sondern erbeuten z. B. auch Bodenbrüter und Hausgeflügel. In der biologischen und medizinischen Forschung spielen die aus Wanderratten gezüchteten Albinos als Versuchstiere eine bedeutende Rolle. Das aus etwa 25 000 Genen bestehende Genom der Wanderratte wurde 2004 entschlüsselt (siehe Genomsequenzierung). Die aus den Tropen stammende Hausratte (oder Dachratte) ist bereits seit dem 13. Jahrhundert in Europa und seit dem 16. Jahrhundert in Nordamerika verbreitet. Sie hat ein braunschwarzes Fell, eine Kopfrumpflänge von 16 bis 23 Zentimetern, eine Schwanzlänge von 19 bis 24 Zentimetern und wiegt 135 bis 240 Gramm. Die Hausratte ernährt sich vorwiegend pflanzlich. Als Kulturfolger lebt sie eng an Häuser gebunden; sie kann gut klettern. Das Weibchen bringt pro Wurf ein bis elf Junge zur Welt. Wie die Wanderratte überträgt auch sie Krankheiten und richtet erhebliche wirtschaftliche Schäden an. In manchen Ländern der alten Bundesrepublik gilt sie als ausgestorben. Seit den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts ist die Hausratte jedoch wieder häufiger geworden und verbreitet sich erneut mit Getreidetransporten entlang schiffbarer Flüsse wie Rhein und Main. Zur Bekämpfung von Ratten werden Fallen und Gifte (Rodentizide) eingesetzt; die meisten Rattengifte sind auch für den Menschen gefährlich. Erschwert wird die Bekämpfung durch die schnelle Resistenz der Ratten gegen diese Gifte: So haben an verschiedenen Orten in Europa lebende Wanderratten unabhängig voneinander eine Genmutation entwickelt, die ihnen Resistenz gegen solche Rodentizide verleiht, welche die Blutgerinnung verhindern sollen (Genetics, 2005).
Neben den Ratten werden noch zahlreiche andere Nagetiere als Ratten bezeichnet, die jedoch eine andere systematische Stellung haben. Dazu gehören u. a. Bandikutratten, Taschenmäuse, Ferkelratten, Zuckerrohrratten, Riesenratten, Beutelratten, Madagaskarratten, Mähnenratten, Taschenratten und Kängururatten.
Ratten bilden die Gattung Rattus der Familie Muridae. Der wissenschaftliche Name der Wanderratte lautet Rattus norvegicus, derjenige der Hausratte Rattus rattus.
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