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Windows Live® Suchergebnisse GildeEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Gilde, genossenschaftliche Vereinigung von Personen eines Berufes oder Gewerbes zur gemeinsamen Vertretung und Förderung ihrer Interessen, zur gegenseitigen Schutz- und Hilfeleistung, aber auch zur Pflege der Geselligkeit. Der Begriff wird besonders auf zwei Arten dieser Genossenschaften angewandt, die in Europa während des Mittelalters ihre Blütezeit hatten: auf die Kaufmannsgilden und vor allem in Deutschland auch auf die Handwerkszünfte und -innungen.
Kaufmannsgilden entstanden in Kontinentaleuropa im 11. Jahrhundert, die Anfänge reichen aber im Frankenreich bis ins 8. Jahrhundert zurück. In England entwickelten sie sich im 10. Jahrhundert nach der normannischen Eroberung Englands. Ihre Entstehung war eine unmittelbare Folge sowohl des stetig steigenden Handelsvolumens, als auch des Wachstums der städtischen Gemeinschaften. Kaufleute reisten nun zunehmend von Markt zu Markt und in fremde Länder. Um sich auf ihren Reisen gegenseitig zu schützen und unterstützen, schlossen sich Kaufleute aus derselben Stadt vielfach zu Gruppen zusammen, wählten sich einen Führer und gaben sich bestimmte verbindliche Regeln, die u. a. Vorschriften für den Fall eines Angriffes enthielten, und die Mitglieder verpflichteten, einander in Rechtsstreitigkeiten beizustehen. Im germanischen Sprachraum bezeichnete man diese Gruppen als Gilde oder Hansa, im romanischen Sprachraum als Caritas oder Fraternitas. Häufig blieben die Mitglieder einer Hansa oder Fraternitas auch nach der Rückkehr von der Reise in ihren Städten in enger Verbindung miteinander, institutionalisierten ihre Verbindung und erwarben nach und nach verschiedene Handeslrechte und -privilegien. Mit der Zeit erlangten die Kaufmannsgilden Monopolstellungen im Handel und Gewerbe ihrer Städte; sie kontrollierten die verschiedenen Handwerkszweige und verkauften im Groß- und Einzelhandel einen Großteil der in der Stadt hergestellten Waren. Kaufleute, die kein Mitglied einer Gilde waren, durften zwar auch Waren kaufen und verkaufen; ihre Geschäftstätigkeit unterlag jedoch zahlreichen Einschränkungen, von denen die Gildenmitglieder befreit waren. So musste beispielsweise ein Nichtmitglied besondere Abgaben an den Stadtherrn bzw. die Stadt selbst zahlen. Für ihre Mitglieder dagegen zahlte die Gilde einmal jährlich die Abgaben; außerdem waren die Gildenmitglieder auch von anderen städtischen Steuern befreit. Den Kaufmannsgilden gehörten in der Regel vor allem die wohlhabendsten Kaufleute der Städte an, und sie erlangten mit der Zeit auf Grund ihrer wirtschaftlichen Macht beträchtlichen politischen Einfluss in den Stadtverwaltungen. Einige Kaufmannsgilden nahmen auch Kaufleute aus anderen Städten auf und erwarben dadurch auch in jenen Städten das Handelsmonpol. Siehe auch Hanse
Etwa zu Beginn des 12. Jahrhunderts entstanden genossenschaftliche Vereinigungen, die die Briten Craft Guild nannten, die Franzosen Corporation de Métier, die Italiener Arte und die Deutschen Zunft oder Innung. Diese Zünfte setzten sich jeweils aus Handwerkern desselben Gewerbezweiges zusammen, und wie die Kaufmannsgilden so dienten auch die Handwerkszünfte der gemeinsamen Interessenvertretung, der gegenseitigen Schutz- und Hilfeleistung sowie der Aufsicht über das jeweilige Gewerbe. Teilweise gingen die Zünfte aus religiösen Bruderschaften hervor, die mit der Zeit das Schwergewicht ihrer Tätigkeit von religiösen Fragen hin zu wirtschaftlichen und sozialen Aspekten verlagerten. Vom Stadtherrn bzw. der Stadt wurden die Zünfte mit Monopolrechten für ihren jeweiligen Gewerbezweig ausgestattet. In einigen Städten konnten sich die Handwerker frei entscheiden, ob sie sich der Zunft ihres Handwerks anschließen wollten oder nicht; in der Regel bestand jedoch Zunftzwang, d. h. jeder, der in einer Stadt seinem Handwerk nachgehen wollte, musste der entsprechenden Zunft beitreten. Die Zünfte waren in drei Klassen untergliedert: Meister, die allein Vollgenossen der Zünfte waren, Gesellen und Lehrlinge. Die Ausbildung war meist vorgeschrieben und bestand aus Lehrzeit, Gesellenzeit und Wanderzeit. Die Lehrlinge und Gesellen lebten in der Regel im Haushalt des Meisters. Die Lehrlinge erhielten im Allgemeinen nur Unterkunft und Verpflegung für ihre Tätigkeit. Hatte ein Lehrling seine Lehre beendet, wurde er Geselle und erhielt einen festen (allerdings geringen) Lohn für seine Arbeit. Mit der Zeit konnte der Geselle Meister werden. Da jedoch die Meister danach trachteten, ihre Zahl möglichst gering zu halten, waren die Bedingungen, unter denen ein Geselle Meister werden konnte, nur sehr schwer zu erfüllen. Nach dem 14. Jahrhundert wurden die Anforderungen so streng, dass es nur den wenigsten Gesellen gelang, Meister zu werden. Ab dem 15. Jahrhundert mussten die Gesellen ein Meisterstück abliefern, wenn sie Meister werden wollten. Im 14., 15. und 16. Jahrhundert schlossen sich die Gesellen in eigenen Vereinigungen zusammen, um eine Verbesserung der drückenden Arbeitsbedingungen und eine Anhebung des Lohnniveaus zu erwirken. In England hießen solche Vereinigungen Journeyman oder Yeoman Guild, in Frankreich Compagnonnages und in Deutschland Gesellenbruderschaft. Sie erreichten manchmal einige Verbesserungen und Erleichterungen, doch insgesamt blieb hinsichtlich des wirtschaftlichen und sozialen Status ihrer Klasse alles mehr oder weniger beim Alten. Wegen ihres Einsatzes für die Rechte ihrer Mitglieder, ihrer Kontrolle über die Mitglieder und der angebotenen Leistungen gelten die Gesellenbruderschaften als Vorläufer der modernen Gewerkschaft.
Die Zünfte waren wichtige Institutionen im Leben der mittelalterlichen Städte, denn sie sorgten für das wirtschaftliche Wohlergehen sowohl ihrer Mitglieder als auch der Verbraucher. Ihre Mitglieder förderten die Zünfte, indem sie sie zum einen vor dem Wettbewerb durch Handwerker aus anderen Städten schützte, zum anderen vor möglichem Wettbewerb durch Bürger der Stadt, die im selben Handwerkszweig arbeiteten. Das erste Ziel erreichten die Zünfte, indem sie den Handel für ihre Gewerbezweige in ihrer Stadt monopolisierten, d. h. sie untersagten den Verkauf von importierten Waren. Das zweite Ziel wurde dadurch erreicht, dass für alle Betriebe, die die gleichen Waren herstellten, auch dieselben Öffnungszeiten galten und den Gesellen einheitliche Löhne gezahlt wurden. Damit kein Meister gegenüber einem anderen einen Vorteil haben konnte, legte die Zunft die Zahl der Angestellten, Werkzeuge und Arbeitsstunden pro Geschäft sowie die Preise, die der Meister für die fertigen Produkte verlangen durfte, fest. Die Zunft überwachte die Einhaltung ihrer Regeln durch ständige und genaue Überwachung der Handwerksbetriebe. Kein Meister durfte für seine Produkte werben, um nicht mehr Geschäfte machen zu können als ein anderer Meister. Jede Verbesserung in der Herstellungstechnik, durch die ein Betrieb seine Ware schneller und billiger als andere hätte herstellen können, war gleichfalls verboten bzw. die neue Technik musste in allen Betrieben der Zunft einheitlich eingeführt werden. Die Verbraucher profitierten von der Existenz der Zünfte besonders durch die hohen Qualitätsansprüche, die die Zunft an das fertige Produkt stellte, obwohl ihnen andererseits billigere Preise durch verbesserte Herstellungsmethoden und durch den Wettbewerb beim Verkauf vorenthalten wurden. Die Handwerkszünfte waren zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert eine bedeutende Kraft im Wirtschaftsleben Europas. In Frankreich und in Flandern beherrschten sie im 12. und 13. Jahrhundert sogar häufig die Stadtverwaltungen. Um die Zünfte zu schwächen, entzogen ihnen einige Städte viele Privilegien, darunter das Recht zur Regulierung der Gewerbe. Dennoch waren die Zünfte weiterhin mächtig genug, um in einigen Städten mit den reichen Kaufmannsgilden um die Regierungsgewalt konkurrieren zu können. In einigen Städten gelang es den Zünften tatsächlich, die Verwaltung der Stadt völlig zu übernehmen. So bestand z. B. in Lüttich im Jahr 1384 der Rat der Stadt ausschließlich aus Vertretern der 32 Handwerksgilden der Stadt.
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