Verwandte Elemente
Suche in Encarta
In Encarta suchen nach Porträt

Windows Live® Suchergebnisse

Alle Suchergebnisse anzeigen:
Windows Live® Suchergebnisse

Porträt

Enzyklopädieartikel
Multimedia
Margarete Stonborough-Wittgenstein (1905, Neue Pinakothek, München)Margarete Stonborough-Wittgenstein (1905, Neue Pinakothek, München)
Artikelgliederung
1

Einleitung

Porträt oder Bildnis (französisch portrait: Bildnis), in der bildenden Kunst die Darstellung eines Menschen mit malerischen, graphischen (Zeichnung, Radierung, Stich oder andere Drucktechniken; siehe Druckgraphik und druckgraphisches Gestalten) oder plastischen Mitteln (siehe Bildhauerkunst), die Erscheinungsbild, Charakter und Persönlichkeit des Dargestellten widerspiegelt. Die Ausdrucksmittel reichen dabei vom Miniaturbild über Kameen oder Prägemünzen bis hin zu überlebensgroßen Standbildern. Es gibt Porträts in formalisierter, idealisierender Darstellung, die häufig repräsentativen Zwecken dienen, während andere eher die individuellen Charakterzüge des Porträtierten wiedergeben und beispielsweise aus schnell hingeworfenen Skizzen oder witzigen Karikaturen bestehen können. Man unterscheidet nach der Anzahl der dargestellten Personen zwischen Einzel-, Doppel- oder Gruppenporträts, aber auch nach Bildtypen wie Ganzfiguren-, Halbfiguren-, Brust- oder Kopfbildnis.

2

Antike und Mittelalter

Bei den frühesten Porträts handelte es sich um Grabfiguren von Herrschern und Adeligen, die man in altägyptischen Gräbern entdeckte. Die aus dem Alten Reich stammenden Figuren (um 2755 bis 2255 v. Chr., siehe ägyptische Kunst und Architektur) sind meist stark stilisiert und betonen besonders die Würde des Betreffenden, der in seiner sozialen Funktion und nicht als Individuum wiedergegeben ist. Persönlichere Darstellungen wie die Porträts von König Echnaton und seiner Gemahlin Nofretete findet man erst in der Zeit des Neuen Reiches (um 1570 bis 1070 v. Chr.).

Bei den Porträtskulpturen aus der griechischen Antike (5. und 4. Jahrhundert v. Chr.) handelt es sich um idealisierte, geglättete Darstellungen eines vorbildlichen Menschentypus’ ohne Anspruch auf individuelle Ähnlichkeit. Die Porträtplastiken der hellenistischen Zeit, insbesondere die zahlreichen Herrscherbildnisse, zeichnen sich dagegen durch eine realistische, oft pathetische Darstellung aus.

Erst die Römer schufen Porträts, die versuchten, individuelle Züge der dargestellten Person einzufangen. Seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. schufen sie kunstvoll gearbeitete Stein- und Bronzestatuen und lebensgroße Büsten, besonders als Grabmonumente. Während die Porträts aus der Zeit der Römischen Republik streng wirken, sind diejenigen aus der Kaiserzeit lebendiger und stärker im Ausdruck.

Im Zentrum der Porträtkunst des christlich geprägten Mittelalters standen Bildnisse von Herrschern, Adeligen, Kirchenfürsten und Religionsstiftern, die in typisierter Form ohne ausgeprägte individuelle Züge auf Wappenbildnissen, Grabplastiken oder an Kirchenfassaden, aber auch auf Wandmalereien, Altarbildern, Buntglasfenstern und in der Buchmalerei dargestellt wurden. Die Romanik neigte zu stilisierten Symbolfiguren, in der Gotik setzte eine Entwicklung zur realistischen Darstellung von Individuen ein.

3

Renaissance und Manierismus

Während der Renaissance kam es zu einer Wiederentdeckung der Antike. Ein neues Selbstbewusstsein und das Interesse am Individuum führten zu einer neuen Blüte der Porträtkunst, deren Schwerpunkt von nun an auf der Entfaltung individueller Züge lag. In der Florentiner Frührenaissance des 15. Jahrhunderts widmete sich der Bildhauer Donatello besonders der Stein- und Bronzeplastik und fand darin zahlreiche Nachfolger. Pisanello fertigte Porträtmedaillen, die die Dargestellten zunächst noch eher streng im Profil zeigten. Eine fortschreitende Entwicklung hin zum realistischeren Individualporträt zeigen die Fresken und Tafelbilder von Renaissancekünstlern wie Benozzo Gozzoli, Ghirlandaio, Sandro Botticelli, Andrea Mantegna, Giovanni Bellini oder Piero della Francesca, wenngleich sie trotz realistischer Ansätze primär repräsentativ und geglättet wirken. Die Meister der Hochrenaissance, wie Leonardo da Vinci, Raffael, Andrea del Sarto, Giorgione oder Tizian, führten diese Entwicklung fort und steigerten den individuellen Ausdruck besonders durch Farbgebung und Lichteffekte.

Erst die Porträts der flämischen und niederländischen Renaissancemaler legten das Hauptgewicht auf eine möglichst realistische Darstellung und Detailgenauigkeit in Physiognomie und Kleidung und zeigten eine zunehmende Tendenz zur psychologischen Durchdringung ihrer Modelle. Die Tafelbilder von Jan van Eyck, Rogier van der Weyden oder Hans Memling und die Zeichnungen und Gemälde Albrecht Dürers oder Hans Holbeins des Jüngeren stellen Höhepunkte der europäischen Porträtmalerei dar.

Die Porträts des Manierismus neigten als Reaktion auf den ausgewogenen Klassizismus der Hochrenaissance zu Übertreibungen bezüglich Farbgebung, Proportionen und Lichtwirkung. Beispiele dafür sind die Werke der Italiener Bronzino und Tintoretto oder die äußerst individuellen, stark übersteigerten Porträtdarstellungen des Spaniers El Greco.

4

Barock und Rokoko

Die Porträtmalerei des 17. Jahrhunderts beherrschte der überschwengliche und lebhaft bewegte Barockstil mit seinem starken Repräsentationbedürfnis. Die flämischen Maler Peter Paul Rubens und Anthonis van Dyck oder der Franzose Hyacinthe Rigaud erwiesen ihren aristokratischen und prunkvoll gekleideten Modellen in großformatigen Repräsentationsbildern die gebührende Reverenz. Im Bereich der Porträtskulptur ragte besonders der Italiener Gian Lorenzo Bernini heraus. Besonders auf das Innenleben ihrer Modelle konzentrierten sich der Niederländer Rembrandt van Rijn, der Franzose Philippe de Champaigne oder die Spanier Diego Velázquez und Francisco de Zurbarán. Die niederländischen Maler – neben Rembrandt besonders Frans Hals oder Jan Steen – malten schlichtere, äußerst ausdrucksvolle Bildnisse von Personen aus den einfacheren sozialen Schichten.

Die dekorativen Verfeinerungen des Rokoko fanden auch in der Porträtmalerei des 18. Jahrhunderts ihren Niederschlag, die hauptsächlich im höfischen Umkreis in Form von Auftragswerken entstand und bevorzugt den Typus des eleganten, weltgewandten Höflings abbildete. Porträtgemälde wie die der Franzosen François Boucher, Jean-Baptiste Chardin oder Maurice-Quentin de La Tour und Skulpturen wie die Jean Antoine Houdons sind typische Beispiele dieses Stiles. Die englischen Porträtisten des 18. Jahrhunderts zeigen sich stilistisch gemäßigter und strenger. Besonders Künstler wie Sir Joshua Reynolds, Thomas Gainsborough oder Sir Thomas Lawrence ragten aus der Masse der Gesellschaftsporträtisten heraus. Zu den bedeutendsten Bildnismalern seiner Zeit gehörte auch William Hogarth mit seinen würdevoll-realistischen Einzelporträts und lebendigen Gruppenbildern. In den amerikanischen Kolonien schufen Maler wie John Singleton Copley, Gilbert Stuart oder John Trumbull einfachere, realistische Porträts von Angehörigen der wohlhabenden Mittelschicht.

Zurück
|
Nächste
In diesem Artikel suchen
Druckerfreundliche Version der Seite
Versenden




© 2008 Microsoft