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Arbeitslosigkeit

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Arbeitslosenquoten in DeutschlandArbeitslosenquoten in Deutschland

Arbeitslosigkeit, vorübergehende Erwerbslosigkeit von arbeitsfähigen und -willigen Personen, die zuvor abhängig beschäftigt waren.

Arbeitslosigkeit wird in der Volkswirtschaftslehre als Störung im Wirtschaftsablauf interpretiert, bei der das Angebot an Arbeitsleistungen auf dem Arbeitsmarkt die nachgefragte Art und Menge übersteigt. Die marxistische Theorie begreift Arbeitslosigkeit als notwendige Folge des Gewinnstrebens kapitalistischer Unternehmen. Danach sind alle Veränderungen des Arbeitsprozesses, der Einsatz neuer Technologien etc. immer (auch) auf die Einsparung von Arbeitskräften gerichtet.

Die Arbeitslosigkeit lässt sich nach ihren Ursachen unterscheiden in: (1) konjunkturelle Arbeitslosigkeit, die durch eine Rezession im Wirtschaftsverlauf bedingt ist, d. h. in einem Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Güternachfrage; (2) saisonale Arbeitslosigkeit, die in einigen Wirtschaftszweigen regelmäßig zu bestimmten Jahreszeiten eintritt, beispielsweise bei Bauarbeitern im Winter; (3) strukturelle Arbeitslosigkeit, die mit dem abnehmenden Arbeitskräftebedarf eines Wirtschaftszweiges oder einer Region zusammenhängt, z. B. im deutschen Schiffbau oder in der Uhren- und Textilindustrie; (4) friktionelle Arbeitslosigkeit, die entsteht, wenn Arbeitnehmer eine Arbeitsstelle verlassen, ohne sofort eine neue Arbeitsstelle anzutreten, oder wenn potentielle Arbeitnehmer noch nie oder seit längerem nicht in einem Beschäftigungsverhältnis gestanden haben wie Schulabgänger oder Mütter, die ins Berufsleben zurückkehren wollen. Von Sockelarbeitslosigkeit spricht man, wenn ein Arbeitslosenheer entstanden ist, das langfristig eher zu- als abnimmt; eine solche Situation ist in der Bundesrepublik Deutschland eingetreten. Die Zunahme von Langzeitarbeitslosigkeit hängt auch damit zusammen, dass Unternehmen die Einstellung älterer Arbeitnehmer (bisweilen schon ab 40 Jahren) ablehnen, während sich umgekehrt viele Unternehmen von älteren Mitarbeitern trennen. Die Zunahme von Leistungsanforderungen an Mitarbeiter führt ebenfalls tendenziell zu einer verringerten Mitarbeiterzahl in den Unternehmen.

Hauptursache der Arbeitslosigkeit in den Industriestaaten ist die anhaltende Steigerung der Arbeitsproduktivität in der Industrie, d. h., immer weniger Beschäftigte stellen immer größere Gütermengen her. Die Arbeitskräfte, die aufgrund fortschreitender Rationalisierung ihre Arbeitsplätze in der Industrie verlieren, können aber nur zum Teil in anderen Bereichen der Wirtschaft wie vor allem im Dienstleistungssektor beschäftigt werden. Doch auch hier drängt die betriebswirtschaftliche Kalkulation auf eine Absenkung der Lohnkosten und damit auf die Einsparung von Arbeitskräften. Ein großes Arbeitslosenheer bedeutet in aller Regel auch, dass sich die Arbeitsbedingungen der noch Beschäftigten verschlechtern. Berufsanfänger und Arbeitslose sind häufig bereit, zu schlechteren Konditionen zu arbeiten, und stellen damit eine Konkurrenz für Arbeitsplatzinhaber dar. Jobless Growth bezeichnet das Phänomen, dass Wirtschaftswachstum nicht zwangsläufig zur Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze führt. Die erzielten Gewinne werden nicht mehr in neue Arbeitsplätze investiert, sondern eher in Rationalisierungsmaßnahmen, die Arbeitsplätze vernichten. So können Gewinnsteigerungen bei gleichzeitigem Arbeitsplatzabbau erzielt werden.

Zwischen Arbeitslosigkeit und Armut besteht ein enger Zusammenhang. Oft können Betroffene eingegangene Verpflichtungen nicht mehr erfüllen, der gewohnte Lebensstandard wird von einem Tag auf den anderen hinfällig. Daher rangiert die Angst vor Arbeitslosigkeit bei Umfragen unter Bundesbürgern regelmäßig ganz oben in der Sorgenskala. Die Existenz sozialer Sicherungssysteme wirkt dabei kaum als beruhigender Faktor. Tatsache ist vielmehr, dass Arbeitslose unter ihrer Situation psychisch leiden bzw. erkranken.

Ein Maßstab für die Arbeitslosigkeit ist die Arbeitslosenquote. Im Januar 2005 erreichte sie mit 13,5 Prozent den höchsten Stand seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland, was einer Zahl von mehr als 5,04 Millionen Erwerbslosen entspricht.

Siehe auch Arbeit (Soziologie); Bundesagentur für Arbeit; Arbeitslosengeld; Arbeitslosenversicherung

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