![]() |
Windows Live® Suchergebnisse
Windows Live® Suchergebnisse Seite 8 von 13
PolenEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
In den siebziger Jahren erlebte Polen einen raschen Anstieg der Zahl ausländischer Touristen; zwischen 1977 und 1979 besuchten jährlich neun bis elf Millionen Ausländer das Land. Die politischen Unruhen ließen diesen Boom zurückgehen und zu Beginn der achtziger Jahre gab es nicht mehr als zwei Millionen ausländische Touristen pro Jahr; erst in jüngerer Zeit erholte sich der Fremdenverkehr wieder. Der größte Teil der Besucher stammte aus den anderen Ostblockstaaten; die meisten westlichen Besucher waren Deutsche. Die Zahl der ausländischen Besucher lag 1999 bei nahezu 18 Millionen. Die Hauptreiseziele sind die Strandbäder entlang der Ostsee, die Seenplatte, das Bergland der Karpaten und Sudeten und die zahlreichen historischen Stätten und kulturellen Einrichtungen des Landes. Einem Ausbau der Bäder an der Ostsee steht die hohe Umweltverschmutzung entgegen. Die polnische Entwicklungsbehörde will die touristische Infrastruktur rasch ausbauen; landesweit sind an über 300 Orten neue Luxushotels und weitere Verbesserungen vorgesehen.
Die Ursprünge des polnischen Staatswesens liegen weitgehend im Dunkeln. Bereits im 9. Jahrhundert soll es einen mächtigen polnischen Staat unter ebenso mächtigen Fürsten gegeben haben, was jedoch historisch nicht belegbar ist. Festzustehen scheint, dass eine staatliche Organisation der Polanen durch die ständigen Übergriffe der Ungarn zunächst verhindert bzw. erheblich erschwert worden war. Erst nach der endgültigen Niederlage der Ungarn in der Schlacht auf dem Lechfeld (bei Augsburg) gegen das Heilige Römische Reich unter Otto I. 955 und dem Rückzug der Ungarn Richtung Südosten war der Weg für die Errichtung eines Staatswesens auf dem Gebiet des heutigen Polen frei.
Erster historisch einwandfrei belegbarer Herrscher war Mieszko I. (Regierungszeit ca. 960 bis 992) aus dem Geschlecht der Piasten, der um 960 von seinem Zentrum Posen an der mittleren Warthe aus die polnischen Stämme zwischen Oder und Masowien östlich der mittleren Weichsel unter seine Herrschaft brachte. 963 erkannte Mieszko für das Gebiet zwischen Oder und Warthe die Lehensherrschaft des römisch-deutschen Kaisers an; 966 trat er zum römisch-katholischen Christentum über und reihte damit seinen Herrschaftsbereich in den Kreis der abendländisch-christlichen Staaten ein – im Gegensatz zu den Ostslawen, die sich wenig später dem griechisch-orthodoxen Ritus anschlossen. 968 erhielt Polen in Posen ein erstes Bistum, und 986 begab sich Mieszko für seinen gesamten Herrschaftsbereich in lockere Lehensabhängigkeit vom Heiligen Römischen Reich. Mieszkos Sohn und Nachfolger Boleslaw I. Chrobry (992-1025) gelang es in langwierigen Kriegen gegen die böhmischen Przemysliden und Kaiser Heinrich II., das jetzt erstmals „Polen” genannte Territorium erheblich zu erweitern: Er brachte Schlesien, Kleinpolen (das Gebiet um die obere Weichsel mit Krakau), Pommern, Mähren und als Lehen die Lausitz unter seine Herrschaft und hielt zeitweise Böhmen und Kiew besetzt. 1025 ließ er sich mit Billigung des Papstes zum König krönen.
Unter Boleslaw I. hatte Polen einen ersten Höhepunkt seiner Macht erreicht; aber schon unter seinem Sohn und Nachfolger Mieszko II. (1025-1034) zerfiel das Großreich wieder: Mieszko verlor den Großteil der von seinem Vater unterworfenen Gebiete wieder, ebenso verlor er die relative Unabhängigkeit vom Heiligen Römischen Reich sowie 1033 auch die Königswürde. Mieszkos Sohn Kasimir I. (1034/1039-1058) konnte nach anfänglichen inneren Auseinandersetzungen die Piastenherrschaft wieder einigermaßen konsolidieren und verlorene Gebiete zurückgewinnen; Boleslaw II. (1058-1079) gelang es dank des Investiturstreites, der die Herrschaftsgewalt des römisch-deutschen Kaisers erheblich schwächte und in dem Boleslaw Partei für die päpstliche Seite ergriff, die Königswürde zurückzuerlangen. Bereits Boleslaws Nachfolger Wladislaw I. Hermann (1079-1102) legte den Königstitel wieder ab und nahm stattdessen nach Kiewer Vorbild einen Großfürstentitel an. Wie schon bei den vorangegangenen Thronwechseln, so kam es auch nach Wladislaws Tod 1102 zwischen seinen Söhnen zu heftigen Auseinandersetzungen um die Herrschaft; am Ende setzte sich Boleslaw III. Krzywousty (1102-1138) durch. Der führte, um die zermürbenden, den Adel stärkenden Nachfolgekämpfe für die Zukunft zu unterbinden, eine feste Nachfolgeregelung nach dem Senioratsprinzip ein: Alle erbberechtigten Söhne sollten jeweils eine eigene Provinz erhalten, der älteste zudem als Großfürst eine Art Oberherrschaft (Seniorat) über alle Provinzen und die Entscheidungsbefugnis in Fragen der Außen- und der Kirchenpolitik. Die neue Erbregelung erwies sich als verhängnisvoll für den Gesamtstaat: Zum einen verhinderte sie keineswegs Konflikte zwischen den Erben, zum anderen bewirkte sie eine mehr oder weniger weit gehende Verselbständigung der Teilfürstentümer Großpolen, Kleinpolen, Schlesien und Masowien, die wiederum in mehrere Fürstentümer unterteilt wurden. Schlesien etwa nahm – in enger Anlehnung an Böhmen – eine relativ eigenständige Entwicklung. Die Zersplitterung und teilweise auch Rivalität im Inneren hatte auch einen erheblichen Machtverlust nach Außen zur Folge: 1157 brachte Kaiser Friedrich I. Barbarossa den Krakauer Großfürsten und Senior Boleslaw IV. Kędzierzawy (1146-1173) dazu, die Lehenshoheit des römisch-deutschen Kaisers wieder anzuerkennen, und 1181 verlor Polen Pommern, das Boleslaw III. erst wieder zurückgewonnen hatte, an das deutsche Reich. Ebenfalls im 12. Jahrhundert setzte die Kolonisierung aus dem deutschen Reich (siehe Ostkolonisation) ein, die insbesondere die westlichen Gebiete erfasste und hier Stadtentwicklung und Landwirtschaft maßgeblich prägte. 1225 sah sich Herzog Konrad I. von Masowien gezwungen, den Deutschen Orden gegen die Pruzzen zu Hilfe zu rufen, da sich sein Teilfürstentum nicht gegen die ständigen Überfälle der Pruzzen verteidigen konnte und von den anderen polnischen Fürstentümern keine Unterstützung zu erwarten war; die Verselbständigung der Teilfürstentümer war schon zu weit fortgeschritten, eine gegenseitige Verantwortung weitgehend abhandengekommen. Bis 1308 hatte der Deutsche Orden die Pruzzen unterworfen und seine Herrschaft über Pomerellen einschließlich Danzig ausgeweitet. Bis zur Rückgabe Pomerellens an Polen 1466 war dieses Gebiet zwischen Polen und dem Deutschen Orden umstritten und umkämpft. Nach der Besetzung Pomerellens förderte der Orden hier intensiv die Ansiedelung deutscher Bauern, Handwerker und Händler. Infolge der Zersplitterung war Polen 1240/41 auch nicht in der Lage, der Goldenen Horde (siehe Mongolensturm) ausreichenden Widerstand entgegenzusetzen: 1241 wurde ein polnisches Heer bei Liegnitz geschlagen, Lublin, Krakau und Breslau wurden verwüstet. 1295 suchte Großfürst Przemyslaw II. (1279-1296) durch die Erneuerung der Königswürde Polen wieder zu vereinen, scheiterte jedoch.
Anfang des 14. Jahrhunderts brachte der Herzog von Kujawien, Wladislaw I. Lokietek (1306/20-1333), mit Hilfe einiger Kleinfürsten und unterstützt vom Klerus nach langwierigen, schweren Kämpfen neben Kujawien auch Groß- und Kleinpolen unter seine Herrschaft und ließ sich 1320 in Krakau, das fortan Krönungsort der polnischen Könige blieb, zum König krönen. Sein Sohn Kasimir III., der Große (1333-1370), konsolidierte den Staat im Inneren, baute eine funktionierende Verwaltung auf, reformierte Rechtsprechung und Gesetzgebung und schuf damit eine wesentliche Grundlage für den Aufstieg Polens zur Großmacht. 1364 gründete er die Universität Krakau – nach Prag die zweitälteste Universität Mitteleuropas. In der Außenpolitik beendete er die Konflikte mit den Nachbarn im Süden und im Norden: 1335 überließ er Schlesien vertraglich böhmischer Lehenshoheit, und 1343 verzichtete er gegenüber dem Deutschen Orden auf Pomerellen und das Culmer Land, erhielt dafür das inzwischen an den Orden verlorene Kujawien zurück. Außerdem weitete er seinen Herrschaftsbereich nach Osten aus: Er brachte Masowien unter seine Lehenshoheit, eroberte Ruthenien und das westliche Wolhynien. Von der großen Pestwelle, die Mitte des 14. Jahrhunderts nahezu ganz Europa heimsuchte, blieb Polen verschont, da Kasimir an den polnischen Grenzen die Quarantäne eingeführt hatte. Dennoch hatte die Pest nachhaltige Folgen für Polen: Dank Kasimirs Toleranz konnten zahlreiche Juden, die anderswo, vor allem in Deutschland, verfolgt wurden, nach Polen einwandern. Aus ihnen entwickelte sich dann das Ostjudentum mit der jiddischen Sprache. Kasimir III. starb 1370 ohne männlichen Erben; mit ihm endete die Piasten-Dynastie. Schon 1339/55 hatte Kasimir seinen Neffen Ludwig I. von Ungarn aus dem Haus Anjou zu seinem Nachfolger auf dem polnischen Thron bestimmt, hatte dem polnischen Adel für die Zustimmung zu dieser Nachfolgeregelung allerdings auch erhebliche Zugeständnisse machen müssen. Ludwig I. hatte ebenfalls keine Söhne, konnte aber den polnischen Adel – durch weitere umfassende Privilegien im Vertrag von Kaschau 1374 – dazu bewegen, die weibliche Erbfolge anzuerkennen. Der Adel verfügte nun über weit reichende Mitbestimmungsrechte u. a. bei der Königswahl, genoss Steuerfreiheit und stellte alle hohen Beamten. Nach Ludwigs Tod 1382 folgte ihm seine Tochter Hedwig auf dem polnischen Thron. 1386 heiratete sie auf Betreiben des polnischen Adels Großfürst Jagiełło von Litauen, nachdem er und der Großteil der noch heidnischen Litauer zum Christentum übergetreten waren, und begründete damit die polnisch-litauische Personal-, später Realunion sowie die Dynastie der Jagiellonen in Polen.
© 1993-2008 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
© 2008 Microsoft
![]() ![]() |