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LukrezEnzyklopädieartikel
Lukrez, eigentlich Titus Lucretius Carus, (um 97 bis 55 v. Chr.), lateinischer Dichter. In seinem berühmten Lehrgedicht De rerum natura (Über die Natur der Dinge), einem hexametrischen Epos in sechs Büchern, vermittelt er in lyrischem Gewand die Theorien der griechischen Philosophen Demokrit (vor allem Buch 1 und 2) und Epikur (vor allem Buch 3 und 4). Sein Werk gilt als bedeutendste Quelle zu Epikurs Philosophie. Es beginnt mit einem Hymnus an Venus als Mutter des Lebens. Lukrez’ Anliegen war es, dem Menschen durch ein kosmologisches, psychologisches und anthropologisches System die Angst vor dem Tod und vor den Göttern zu nehmen, von der er glaubte, sie beeinträchtige das menschliche Glück mehr als alles andere. Die Lektüre seines Werkes sollte eher belehren und überzeugen als unterhalten. Mit seiner Darstellung des Universums als Ansammlung von Atomen in zufälliger Kombination im leeren Raum, seiner nachdrücklich vertretenen Auffassung von einer materiellen und daher sterblichen Seele und aus der Überzeugung heraus, dass Naturerscheinungen sich ohne jegliche göttliche Einwirkung vollziehen, begründete er, dass die Furcht vor dem Übernatürlichen vollkommen unberechtigt sei. Lukrez schloss die Existenz von Göttern nicht aus, doch haben diese für ihn keinerlei Einfluss auf das Schicksal der Sterblichen. Zu den bekanntesten Passagen aus seiner Dichtung De rerum natura zählen die Beschreibungen der Entwicklung primitiver Lebensformen bzw. die Darstellung der Grundprinzipien der Welterklärung (Buch 1) und der Entstehung der Kultur (Buch 5). Auch gab das Buch natürliche Erklärungen für Naturphänomene wie Blitz, Donner und Erdbeben, die somit nicht mehr als Ausdruck des Zorns der Götter erschienen. Wunderbares wird so mit Hilfe vernunftbetonter Betrachtung profanisiert. Besonders deutlich wird der Einfluss von Lukrez’ Werk in John Miltons Paradise Lost (Das verlorene Paradies). Auch der französische Materialismus des 17. Jahrhunderts um Pierre Gassendi wurde nachhaltig von seinen Ideen geprägt. In Deutschland schuf der Lyriker Karl Ludwig von Knebel (1744-1834) mit „Die Natur der Dinge” des Lukrez 1821 eine maßgebliche Übersetzung.
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