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Fernsehen

Enzyklopädieartikel
Multimedia
Kamerabildröhre (Orthikon)Kamerabildröhre (Orthikon)
Artikelgliederung
6.1. 1

Bildung des Farbsignals

Das Farbbild passiert die Kameralinse und trifft auf einen dichroitischen (in verschiedene Richtungen zwei Farben zeigender) Spiegel, der eine Farbe reflektiert und alle anderen Farben durchlässt. Der Spiegel reflektiert rotes Licht und lässt die blauen und grünen Strahlen durch. Ein zweiter dichroitischer Spiegel reflektiert das blaue Licht und lässt die grünen Strahlen passieren. Die drei so erzeugten Bilder, jeweils eines in rot, blau und grün, werden auf die Vorderseiten von drei Kameraröhren (drei Vidikone oder Plumbikone) gebündelt. Vor den Röhren befinden sich Farbfilter, die sicherstellen, dass die Farbausgabe jedes Kamerakanals mit den zu reproduzierenden Primärfarben Rot, Blau und Grün übereinstimmen. Der Elektronenstrahl in jeder Röhre tastet das Bildmuster ab und erzeugt ein primäres Farbsignal. Auszüge dieser drei Farbsignale wandern anschließend in einen elektronischen Addierer, der sie miteinander kombiniert, um die Helligkeit, das Schwarz-Weiß-Signal, zu produzieren. Signalauszüge werden außerdem einer anderen Einheit zugeführt, die sie codiert oder kombiniert, um ein Signal zur Übertragung der Farbton- und Sättigungsinformationen zu erzeugen. Das Farbsignal wird dann mit dem Helligkeitssignal kombiniert, um das vollständige Farbfernsehsignal zu bilden, das anschließend ausgestrahlt wird.

6.1. 2

Farbfernsehempfänger

Ein Röhrenfarbfernseher enthält eine Dreifarbbildröhre mit drei Elektronenkanonen für je eine Primärfarbe. Die winzigen Leuchtpunkte auf dem Schirm sind in Dreiergruppen mit jeweils einem roten, grünen und blauen Leuchtstoff in jeder Gruppe angeordnet. Jeweils eine Schattenmaske (Lochmaske) zwischen den Kathoden der Röhre und dem Bildschirm besitzt kleine Löcher, die so positioniert sind, dass der Elektronenstrom jeder Elektronenstrahlquelle auf einen Leuchtstoffpunkt mit der richtigen Farbe trifft. Der Strahl, der die Rotinformationen „zeichnet”, trifft also nur auf rote Leuchtstoffpunkte usw.

Wenn das eintreffende Farbsignal einen Farbfernsehempfänger erreicht, durchläuft es einen Filter, der die Farbe von der Helligkeit trennt. Die Farbinformation wird dann decodiert. Bei der Rekombination mit der Helligkeitsinformation wird eine Reihe von Primärfarbsignalen erzeugt und dem Bildschirm zugeführt, um so das Bild wiederzugeben, das von der Kamera aufgezeichnet wurde. Wenn ein Farbfernsehsignal einen Schwarzweiß-Empfänger erreicht, werden die zu Farbton und Sättigung gehörenden Elektronendaten von den Schaltungen des Empfängers ignoriert, und nur das Helligkeitssignal wird beachtet. In den USA verwendet man den vom National Television System Committee (NTSC; Nationales Fernsehsystemkomitee) angenommenen Standard für Farbfernsehen. In vielen Teilen Europas wurde der NTSC-Standard abgewiesen. In Europa werden die Fernsehnormen von der Internationalen Fernmeldeunion (Comité Consultatif International de Radiodiffusion; abgekürzt CCIR) festgelegt. In Deutschland ist der gegenwärtige Standard PAL (Phase Alternate Line: zeilenweise Phasenänderung – siehe oben: Abtasten), während in Frankreich das SECAM-System verwendet wird.

7

Geschichte

Die Geschichte der Entwicklung des Fernsehens war hauptsächlich eine Suche nach einem geeigneten Gerät, um Bilder abzutasten. Das erste dieser Geräte war die so genannte Nipkow-Scheibe, die von dem deutschen Erfinder Paul Gottlieb Nipkow 1884 patentiert wurde. Es handelte sich dabei um eine flache, runde Scheibe, die mit einer Reihe kleiner Löcher versehen war. Wenn die Scheibe vor dem Auge in Drehungen versetzt wurde, tastete das äußerste Loch einen Streifen an der Oberseite des Bildes ab, während die nachfolgenden Löcher Streifen darunter abtasteten, bis das gesamte Bild abgetastet war. Aufgrund seiner mechanischen Konstruktion, taugte die Nipkow-Scheibe jedoch nicht für den effizienten Betrieb, wenn sie größer gebaut und in schnellere Rotationen versetzt wurde, um eine bessere Bildgüte zu bekommen.

Die ersten wirklich erfolgreichen Fernsehaufnahmegeräte waren das Ikonoskop (wie oben beschrieben), das von dem in Russland geborenen amerikanischen Physiker Wladimir Kosma Zworykin 1923 erfunden wurde, und die Bildzerlegungsröhre, die von dem amerikanischen Funktechniker Philo Taylor Farnsworth kurze Zeit später entwickelt wurde. Im Jahr 1926 erfand der schottische Techniker John Logie Baird ein Fernsehsystem, das infrarote Strahlen verwendete, um Bilder im Dunkeln aufzunehmen. 1930 führte M. von Ardenne in Berlin das erste vollelektronische Fernsehbild vor. Zu den ersten großen Fernsehübertragungen zählten die Olympischen Spiele von 1936. In Deutschland begann das öffentliche Fernsehen in der Bundesrepublik 1952 – in der DDR 1955. Nachdem man in den USA 1954 das NTSC-System (s. o.) eingeführt hatte, unternahm man in Europa intensive Anstrengungen zum Thema Farbfernsehen. Dies geschah insbesondere auch aufgrund gewisser Mängel, die das NTSC-System mit sich brachte. 1956 gelang dem französischen Elektrotechniker Henri de France mit seinem SECAM-System die Lösung dieser Schwierigkeiten. SECAM wurde 1966 in Frankreich eingeführt und ist auch heute dort sowie in einigen osteuropäischen Ländern Standardsystem. 1963 führte Walter Bruch sein bei Telefunken entwickeltes PAL-System vor. Es wurde 1967 das offizielle Farbfernsehsystem in Deutschland.

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