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VirginiaEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Virginia wird durch seine 1970 angenommene und seit 1971 gültige, seither entsprechend erweiterte Verfassung regiert. Träger der Exekutive ist der vom Volk auf vier Jahre gewählte Gouverneur; er kann nur für maximal zwei aufeinander folgende Amtszeiten gewählt werden. Der Vizegouverneur folgt dem Gouverneur im Fall dessen Rücktritts, Todes oder Amtsenthebung nach. Er wird ebenfalls auf vier Jahre gewählt, kann jedoch auch für mehr als zwei aufeinander folgende Amtszeiten wieder gewählt werden. Direkt vom Volk gewählt wird daneben nur noch der Justizminister; die anderen Amtsträger, wie der Sekretär des Commonwealth, der Generaladjudant, der Finanzminister sowie der Revisor, werden vom Gouverneur ernannt. Sitz der Legislative ist das Parlament (General Assembly) – die älteste Volksvertretung der Vereinigten Staaten. Sie besteht aus zwei Kammern; die 40 Mitglieder des Senats werden auf vier Jahre, die 100 Mitglieder der Delegiertenkammer auf zwei Jahre gewählt. Auf Bundesebene ist Virginia mit zwei gewählten Senatoren und elf Mitgliedern des Repräsentantenhauses im US-Kongress vertreten. Bei den bundesweiten Präsidentschaftswahlen stehen dem Staat 13 Stimmen zu. Aus Virginia stammende Politiker hatten insbesondere im 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts großen Einfluss auf die Politik der Vereinigten Staaten. Zwischen 1885 und 1965 bildete die Demokratische Partei die beherrschende Macht im Staat. Die zentrale Gestalt war Flood Byrd, der Virginia zwischen 1933 und 1965 im US-Senat vertrat. Bei den Präsidentschaftswahlen haben die Bürger Virginias seit Beginn der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts vorwiegend die Kandidaten der Republikanischen Partei unterstützt. Im November 1989 wurde mit L. Douglas Wilder der erste schwarze Gouverneur in der Geschichte der Vereinigten Staaten gewählt.
Der bei weitem wichtigste Bodenschatz Virginias ist die Steinkohle. Daneben werden in geringerem Umfang auch Stein (vor allem Granit und Kalkstein), Sand und Kies, Erdgas, Kalk, Ton, Zement, Aplit, Schiefer, Blei, Zink, Cyanit, Feldspat, Gips, Talkum, Uran und Vermiculit abgebaut. Zu den wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnissen gehören Rindfleisch, Milchprodukte, Tabak, Geflügel, Schweinefleisch, Lammfleisch, Wolle, Hühnereier und Putenfleisch. Eine regionale Spezialität ist der Smithfield-Schinken, der von mit Erdnüssen gemästeten Schweinen stammt. Zu den wichtigsten Anbauprodukten zählen Erdnüsse, Sojabohnen, Mais, Weizen, Hafer, Kartoffeln, Süßkartoffeln, Gurken, Tomaten, Äpfel und Pfirsiche. Etwa 60 Prozent der Fläche Virginias sind bewaldet; alljährlich werden beträchtliche Mengen an Holz geschlagen. Zu den kommerziell bedeutendsten Hartholzbäumen gehören Eichen, Tulpenbaum, Hickory-Arten und Tupelobaum; wichtige Weichholzlieferanten sind Kiefern-Arten und Scheinzypresse (Chamaecyparis). Etwa die Hälfte des geschlagenen Holzes wird in Säge- und Furnierwerken verarbeitet, die andere Hälfte dient zur Herstellung von Cellulose. Mit einer jährlichen Fangmenge im Wert von mehr als 100 Millionen Dollar (Ende der achtziger Jahre) gehört Virginia zu den zehn größten Fischereistaaten der USA. Die größte wirtschaftliche Bedeutung kam dabei den Meeresfrüchten zu; insbesondere Kamm-Muscheln, Venusmuscheln und Krabben. Daneben wurden aber auch beträchtliche Mengen an Flunder, Blaubarsch, Forelle und Menhaden angelandet. Das produzierende Gewerbe ist einer der bedeutendsten Wirtschaftsfaktoren des Staates. Zu den wichtigsten Erzeugnissen gehören Transportfahrzeuge, Kleidung und Textilien, chemische Grundstoffe und Produkte, Druckereierzeugnisse, elektronische Geräte und Lebensmittel. Daneben spielt die Herstellung von Metallwaren, Maschinen, Möbeln, Nutzholz sowie Gummi- und Kunststoffprodukten eine Rolle.
Zu den Indianerstämmen im Gebiet des vorkolonialen Virginia gehörten die Cherokee im Westen, die Susquehanna nördlich der Chesapeakebai und die Algonkin der Powhatan-Konföderation, die die Flusstäler der Chesapeakebai bewohnten und von Jagd, Fischfang und der Landwirtschaft lebten. Dieser Algonkin-Staat, dessen Häuptling von den Europäern als „Kaiser” bezeichnet wurde, war so mächtig, dass es ihm 1570 sogar gelang, die spanischen Missionare zu vertreiben, die am James River eine Missionsstation eingerichtet hatten. Als die Briten 1607 am James River erschienen, zögerten die Indianer jedoch und erlaubten den neuen Eindringlingen, sich in dem Gebiet niederzulassen und Jamestown zu einer bleibenden Siedlung auszubauen. Als sich die Powhatan dann in den Jahren 1622 und 1644 dennoch entschlossen, die Briten zu vertreiben, waren sie bereits geschwächt und dazu nicht mehr in der Lage. Die Gesellschaft, die sie letztlich verdrängte, war die erste englische Kolonie in Nordamerika. Hier bildeten sich die Merkmale heraus, die das amerikanische Leben in der Folgezeit mehr oder weniger stark prägen sollten. Dazu gehörte die Versklavung der Schwarzafrikaner, der Tabakanbau, die Plantagenwirtschaft, eine zentrale Bezirksregierung sowie ein gewähltes Parlament. Die ersten Schwarzen kamen 1619 nach Virginia. Zunächst hatten sie in etwa den gleichen Status wie die weißen so genannten „Indentured Servants” (Sklaven auf Zeit); um 1670 hatte sich jedoch die Erblichkeit des Sklavenstatus für Schwarze durchgesetzt, und die großen Plantagen lösten die kleineren Farmen als Tabakproduzenten ab. Die Abgeordneten der General Assembly, die erstmals 1619 zusammentraten, wurden bezirksweise gewählt. Nach 1700 gewann das Unterhaus, in dem die führenden Familien und Landbesitzer die inneren Angelegenheiten der Kolonie besprachen und lenkten, immer mehr an Bedeutung. Als die britische Regierung nach 1750 versuchte, ihre Autorität unter Beweis zu stellen, indem sie Steuern erhob und Einfluss auf die Landespolitik nahm, kam es in Virginia zunächst zum Widerstand und schließlich zur offenen Rebellion.
Der Beschluss der Führungselite Virginias, sich 1775 den Rebellen aus anderen Kolonien anzuschließen, um die Briten herauszufordern, stieß auf Zustimmung in breiten Bevölkerungskreisen. Lediglich eine kleine Gruppe von Loyalisten sowie einige schwarze Sklaven, die unter dem Versprechen der Freiheit für den englischen König zu den Waffen griffen, stellten sich dagegen. Abgesehen von der Westgrenze blieb der Staat jedoch im Wesentlichen bis zur Entscheidungsschlacht von kriegerischen Handlungen verschont. Die britischen Truppen marschierten durch Süd- und Mittelvirginia, bis sie schließlich bei Yorktown in eine von amerikanischen und französischen Truppen gelegte Falle gerieten (am 19. Oktober 1781) und zur Kapitulation gezwungen wurden (siehe Nordamerikanischer Unabhängigkeitskrieg). Damit war der Krieg beendet. Die ruhigen und reibungslosen innenpolitischen Verhältnisse ermöglichten es den Politikern in Virginia, eine führende Rolle auf Bundesebene zu spielen. Während George Washington die koloniale Armee anführte, sorgten seine ebenfalls aus Virginia stammenden Landsleute Patrick Henry, Richard Henry Lee und Thomas Jefferson für die politische Unterstützung der amerikanischen Unabhängigkeit. Die auf George Mason zurückgehende Bill of Rights, mit der die Verfassung Virginias 1776 ergänzt wurde, war Vorbild für entsprechende Zusätze anderer einzelstaatlicher Verfassungen sowie auch für die bundesstaatliche Verfassung.
Unter der Führung von Washington, Mason und James Madison war Virginia federführend an der Schaffung einer neuen Bundesverfassung beteiligt, die 1787 angenommen wurde; Patrick Henry wurde ihr einflussreichster Kritiker. Nach Bildung der Regierung stellte Virginia vier der ersten fünf Präsidenten (George Washington, Thomas Jefferson, James Madison und James Monroe) sowie den Vorsitzenden des Supreme Courts (Obersten Gerichtshofes) John Marshall. In der modernen Geschichte gibt es nur wenige Gebiete, die so viele brillante und einflussreiche Politiker hervorgebracht haben wie Virginia im 18. Jahrhundert. Nach dieser Glanzzeit folgte jedoch ein Niedergang, der durch die landwirtschaftliche Depression zwischen 1819 und 1850 noch beschleunigt wurde. Diese Depression entstand aufgrund von Verlusten in der Tabakwirtschaft sowie durch größere Bevölkerungsveränderungen. Das öffentliche Leben wurde bestimmt durch die Auseinandersetzungen zwischen den Führern des aufstrebenden westlichen Virginia, die nach demokratischen Reformen riefen, und den Führern des eher konservativen Ostteils des Staates, die sich diesen Forderungen widersetzten. Bei den bekanntesten Persönlichkeiten Virginias des 19. Jahrhunderts handelte es sich nicht mehr um Politiker wie in der Zeit zuvor; es waren vielmehr die Soldaten Robert E. Lee, Stonewall Jackson und James Ewell Stuart sowie der Ozeanograph Matthew F. Maury, der Schriftsteller Edgar Allan Poe und der Pädagoge Booker T. Washington. Es stammen jedoch vier weitere US-Präsidenten aus Virginia, wovon drei – William Henry Harrison, Zachary Taylor und Woodrow Wilson – ihre Laufbahn aber in anderen Bundesstaaten verfolgten.
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