InzestEnzyklopädieartikel
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Inzest, sexuelle Beziehungen zwischen Menschen, die sich in einem mehr oder weniger direkten Verwandtschaftsverhältnis zueinander befinden (siehe Sexualität). Der so genannte Beischlaf (Geschlechtsverkehr) zwischen Verwandten ist in den meisten Ländern (so auch in der Bundesrepublik Deutschland) verboten (siehe Blutschande). Daraus ergibt sich notwendigerweise auch ein Eheverbot für derartige Paare. Das Inzest-Tabu gehört zu den mutmaßlich ältesten Verboten der Menschheit; es spielt außerdem als Ödipuskomplex eine herausgehobene Rolle in der psychoanalytischen Theorie Sigmund Freuds. Zu den wichtigsten Vorbehalten gegen den Inzest zählen die Gefährdung sozialer Ordnungsprinzipien (siehe Soziale Kontrolle), der nahe liegende Verdacht sexuellen Missbrauchs (vor allem bei Inzest mit Kindern) und die Gefahr biologischer Erbschäden (siehe Inzucht).
Obwohl es in jeder Gesellschaft eine Form des Inzests gibt, die tabu (verboten) ist, variiert der Verwandtschaftsgrad, ab dem Verwandte nicht mehr heiraten dürfen, je nach Kultur und geschichtlicher Epoche. Fast in allen Kulturen und zu allen Zeiten waren und sind jedoch sexuelle Beziehungen zwischen Mutter und Sohn, Vater und Tochter und zwischen Geschwistern verboten. Eine Ausnahme dieser Regel gab es allerdings bei den Königsfamilien im antiken Ägypten, deren Mitglieder ihre Geschwister heiraten mussten, um die Reinheit des königlichen Blutes zu erhalten. Bei jenen Völkern, die nach dem Prinzip der Endogamie leben und daher innerhalb einer bestimmten begrenzten gesellschaftlichen Gruppe heiraten müssen, kann die Praxis, innerhalb einer Kaste (wie bei den Hindus in Indien), einer familiären Gruppe (wie bei vielen traditionellen Völkern Amerikas) oder aufgrund ihres Stammbaumes, also ihrer genealogischen Abstammung (wie bei fast allen europäischen Königsfamilien) zu heiraten, zu Ehen führen, die von der modernen Gesetzgebung als inzestuös eingestuft werden würden. Die Kinder solcher Verbindungen sind mit einem erhöhten Risiko der Konzentration krankheitsverursachender rezessiver Gene behaftet, unter Umständen auch solcher Gene, die zu einer geistigen Zurückgebliebenheit führen können, die unter anderen genetischen Bedingungen nicht aufgetreten wäre. Claude Lévi-Strauss war davon überzeugt, dass das Tabu des Inzests grundlegend dafür sei, dass Angehörige von untereinander verwandten Gruppen ihre Ehepartner bei anderen Gruppen suchen und umgekehrt. Dies sei die Basis aller sozialen Abläufe.
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