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Indische Kunst und Architektur

Enzyklopädieartikel
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Kunstdenkmäler auf dem Indischen SubkontinentKunstdenkmäler auf dem Indischen Subkontinent
Artikelgliederung
3.3

Schulen, Stile, Künstler

Die Herstellung von Kunstwerken war im alten Indien eine eigene Wissenschaft (shilpashastra), die in mehreren Schulen gepflegt wurde. Diese Schulen prägten die unterschiedlichen Stilrichtungen in Tempelbau, Plastik und Malerei. Am augenscheinlichsten wird der Unterschied, wenn es um nord- und südindische Traditionen geht. Bis zum Ende des 2. Jahrhunderts n. Chr. entwickelten sich beide Traditionen nahezu unabhängig voneinander. Späterhin gab es einen großen Einfluss nordindischer Kunst und Architektur auf die südindischen Schulen. Dennoch bleiben viele typische Eigenarten der südindischen Kunst, größtenteils aus der Tradition der Chola-Reiche, bis heute erhalten.

Über die individuellen Künstler ist in der Regel nichts bekannt. Dies erklärt sich aus der Entwicklung der indischen Kunst in einzelnen Schulen. Die Person des Architekten oder Bildhauers tritt hinter der Bedeutung der Schule, zu der er gehörte, zurück. Erst im 2. Jahrtausend n. Chr. werden einzelne Künstler- und Denkerpersönlichkeiten genauer fassbar. Diese Individualisierung ist in hohem Maße auf die Einflüsse fremder Kulturen zurückzuführen. Erst die islamischen Eroberung Indiens, vor allem aber die britische Fremdherrschaft hat zu einer solchen Beachtung des Individuums geführt.

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Einflüsse

Die indische Kunst ist über ihre gesamte Geschichte hinweg fremden Einflüssen ausgesetzt gewesen. Immer wieder kamen aus dem Nordwesten neue Eindringlinge. Sie wurden größtenteils indisiert, genauso wie ihre Kunst, die von den Indern aufgenommen und in die indische Tradition eingefügt wurde. Nicht indisiert wurden allerdings die muslimischen Eroberer, die seit dem 11. Jahrhundert in Indien eindrangen. Aber auch die islamischen Kunststile, die sie seit dem 13. Jahrhundert einführten, erhielten eine unverwechselbar indische Prägung.

Die indische Kunst hat jedoch nicht nur Einflüsse aufgenommen, sie hat auch selbst Einfluss auf andere Länder ausgeübt. Architektur, Plastik, Malerei, Schmuck, Keramik, Metallarbeiten und Textilverarbeitung indischer Provenienz haben sich mittels Buddhismus und Hinduismus über den gesamten Fernen Osten ausgebreitet und auch auf die Kunst Chinas, Japans, Myanmars (früher Birma), Thailands, Kambodschas und Javas entscheidenden Einfluss ausgeübt.

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Architektur

Die indische Architektur fand ihren frühesten Ausdruck in Ziegelbauwerken, die zeitgleich mit Gebäuden in Holzbauweise entstanden. Im Lauf der Jahrhunderte verschwanden Konstruktionen aus Holz immer mehr, wurden jedoch in Steinbauwerken und Felsentempeln nachempfunden, von denen einige bis heute erhalten sind.

5.1

Frühindischer und buddhistischer Stil

Älteste Siedlungsreste der so genannten Harappakultur finden sich in Form von Gebäuden aus gebrannten Ziegeln bei Mohenjo-Daro und Harappa (im heutigen Pakistan) aus der Zeit um 2500 bis 1750 v. Chr. Aus der sich anschließenden vedischen Periode der Frühgeschichte sind Grabhügel bei Lauriya Nandangarh im Bundesstaat Bihar sowie Felsengräber in Malabar im Bundesstaat Kerala erhalten geblieben, in denen man neben ersten Eisengeräten insbesondere bemalte Keramik fand.

Die Entwicklung der historischen Stilrichtungen setzte am Ende der Staatenbildung in der Maurya-Periode um 250 v. Chr. unter König Aschoka ein, der den Buddhismus sehr förderte. Dementsprechend handelte es sich bei den damaligen Monumentalbauten hauptsächlich um buddhistische Tempel. Ein typisch buddhistisches Gebäude war der Stupa, ein halbkugelförmiger, mit Steinplatten verkleideter Erd- oder Ziegelbau mit Ringpfad und vier Eingangstoren nach allen Himmelsrichtungen. Er sollte an den Tod Buddhas und seinen Eintritt ins Nirwana erinnern. Der große Stupa von Sanchi im Bundesstaat Madhya Pradesh ist hierfür ein Beispiel.

Weitere typische Bauformen dieser Zeit sind die Dagoba, ein Reliquienschrein und wohl die Urform der Pagode, die Ediktsäule aus Stein, die Chaitya-Halle, eine basilikaähnliche dreischiffige Gebetshalle mit Apsis, und der Vihara, eine Kloster- oder Tempelanlage mit Mönchszellen, die sich um einen rechteckigen Innenhof gruppierten. Sowohl Chaitya- als auch Vihara-Hallen kennen wir heute nur als Felsentempel. Beide Formen wurden sehr wahrscheinlich nach freistehenden Vorbildern aus Holz, die die Jahrhunderte nicht überdauert haben, in den Fels geschlagen.

Architektonische Details wie Kapitelle oder Friese weisen Einflüsse aus dem Nahen Osten und aus Griechenland (siehe griechische Kunst und Architektur) auf. Eindrucksvolle Beispiele dafür sind die in Maharashtra in den Fels gehauene große Chaitya-Halle von Karla (1. Jahrhundert n. Chr.) mit ihrer fein gearbeiteten Fassade und dem Mittelschiff mit Tonnengewölbe, die besterhaltene ihrer Art, sowie die aus 30 Höhlentempeln und -klöstern bestehende Anlage bei Ajanta, zum Teil mit meisterhaften Wandmalereien, und die ausgedehnte Felsentempelanlage in Ellora.

Mit dem Verschwinden des Buddhismus in Indien am Ende des 1. Jahrtausends n. Chr. gab es auch keine Fortsetzung der indischen buddhistischen Kunst. Buddhistische Kunst wird bis in die heutige Zeit in den Ländern Südostasiens, China, Korea und Japan gepflegt.

5.2

Jainistischer und hinduistischer Stil

Der frühhinduistische, brahmanische Tempelstil hat sich erst später, unter dem Eindruck der buddhistischen Kunst entwickelt. Die vedisch-brahmanischen Opferkulte waren ursprünglich tempellos. Allerdings hat der Aufbau des Opferplatzes für diese Kulte späterhin den Tempelbau deutlich beeinflusst. Jainistischer und hinduistischer Stil überschnitten einander und brachten jene durchgehenden Friesmuster hervor, die zum charakteristischen Merkmal indischer Architektur wurden.

Die Jainas errichteten oft Gebäude von gigantischen Ausmaßen, erkennbar an den typischen Kragkuppeln. Umfangreiche Reste solcher Anlagen sind weit entfernt voneinander auf Hügeln entdeckt worden, z. B. auf dem Parasnath-Hügel in Bihar, dem Berg Abut bei Abu in Rajasthan und bei Satrunjaya in Gujarat.

Seit dem 7. Jahrhundert kann man die Herausbildung eines nordindischen (nagara) und eines südindischen (dravida) Tempelstils verfolgen. Der deutlichste Unterschied beider Stile zeigt sich in der Bauweise des Turmes. Der Tempelturm im nordindischen Stil (shikhara) besitzt einen quadratischen Grundriss und zeichnet sich durch eine gebogene Form, die sich zur Spitze hin verjüngt, aus. Auf der Spitze befindet sich eine Art kreisförmiges, geripptes flaches Kissen, auf dem sich noch ein vasenförmiger Abschlussstein befindet.

Typisch für den südindischen Tempelstil ist ein sich pyramidenartig erhebender Tempelturm (vimana), der außen über eine Treppenstruktur verfügt. Dadurch entsteht der Eindruck mehrerer Geschosse. Die treppenartigen Absätze sind zumeist reich mit Ornamenten oder Figuren besetzt.

Zu den berühmtesten Werken des südlichen hinduistischen Stiles gehören die Tempel von Belur sowie von Halebid, Tiruvalur, Thanjavur und Rameswaram im Bundesstaat Tamil Nadu. Den nördlichen Stil repräsentieren die Tempel von Barolli in Rajasthan sowie von Varanasi in Uttar Pradesh und im Bundesstaat Orissa der Sonnentempel von Konarak.

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