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Indische Kunst und Architektur

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Kunstdenkmäler auf dem Indischen SubkontinentKunstdenkmäler auf dem Indischen Subkontinent
Artikelgliederung
6

Bildhauerei

Die indische Bildhauerei weist, vor allem in der Darstellung des Menschen, beachtliche Unterschiede zu griechischen und römischen Kunstformen auf. Dies liegt an einem anderen Menschenbild, das den künstlerischen Bestrebungen zugrunde liegt. Es war hier nicht der wohlgebaute Jüngling, der sportgestählte Athlet, der Sieger der Olympischen Spiele, bei dem jeder Muskelzug anatomisch korrekt dargestellt werden sollte. Das Urbild der indischen Plastik ist der normale Mensch im Alltag, der seinen Sinnesgelüsten folgt, der eine Lehre verkündet oder empfängt, der Erlösung vom Geburtenkreislauf sucht. Graziöse Anmut der Frau und tänzerische Gewandtheit des Mannes sind die Vorbilder des indischen Bildhauers. Eine Plastik soll nicht so sehr das Individuum für sich porträtieren, sondern Aufschluss über sein Verhältnis zu anderen Menschen als Liebhaber, Lehrer, Mönch, Asket oder König geben.

6.1

Frühe Periode

Zu den Fundstücken aus dem 3. Jahrtausend v. Chr., die zwischen den Überresten der Ziegelhäuser in Mohenjo-Daro im Industal entdeckt wurden, gehören Figuren aus Alabaster und Marmor, Terrakottafiguren nackter Göttinnen, Terrakotta- und Keramikdarstellungen von Tieren, das Kupfermodell eines Wagens sowie zahlreiche rechteckige Siegel aus Elfenbein und Keramik mit Tieren und Piktogrammen. Die formale und stilistische Ähnlichkeit dieser Gegenstände mit Arbeiten aus Mesopotamien deutet auf Querverbindungen zwischen beiden Kulturen hin oder auch auf eine gemeinsame Vorläuferkultur (siehe mesopotamische Kunst und Architektur).

Nach der vedischen Zeit, etwa vom 2. Jahrtausend bis 3. Jahrhundert v. Chr., finden sich keine weiteren Anzeichen für einen Zusammenhang mit der Kultur des Nahen Ostens. Ein charakteristischer Fund aus der Frühphase dieser Periode ist die goldene Figurine einer Göttin aus dem 9. Jahrhundert v. Chr., die bei Lauriya Nandangarh entdeckt wurde. Ab 600 v. Chr. finden sich auch polierte und verzierte Steinscheiben und Münzen, die mit Tieren und religiösen Symbolen versehen sind.

6.2

Buddhistische Plastik

Mit dem Aufkommen des Buddhismus im 3. Jahrhundert v. Chr., der eine monumentale Steinarchitektur hervorbrachte, begann sich in enger Korrespondenz mit den unterschiedlichen Formen der sakralen Baukunst die Architekturplastik (Bauplastik) herauszubilden, und zwar zunächst in Form von Halb- oder Vollreliefs, die meist mythologische oder höfische Szenen darstellten. Während die buddhistische Reliefkunst die religiösen Lehren Buddhas und Legenden um sein Leben zur Darstellung brachte, wurde auf die bildliche Wiedergabe des Meisters selbst noch verzichtet. Seine Anwesenheit wird angedeutet durch ein gesatteltes Pferd oder durch Fußabdrücke.

Zu den plastischen Monumenten aus dieser Zeit gehören auch die Tierkapitelle der Sandsteinpfeileredikte König Aschokas oder die marmornen Ummauerungen buddhistischer Stupas bei Bharhut, nahe Satna in Madhya Pradesh. Außergewöhnlich sind auch die Tore des großen Stupa von Sanchi, dessen Reliefarbeiten an fein ziselierte Elfenbeinschnitzereien erinnern.

6.2. 1

Gandhara-Kunst

In der Gandhara-Region im Nordwesten Indiens, die heute Teile Pakistans, Afghanistans und des Punjab umfasst, entwickelte sich eine buddhistische Stilrichtung, in der hellenistische und römische Ausdrucksmittel mit religiösen Symbolen und Ideen des Buddhismus verbunden wurden und die ihre Blütezeit im 2. Jahrhundert n. Chr. erreichte. Auch wenn der Gandhara-Stil die Plastik Zentralasiens (siehe zentralasiatische Kunst und Architektur), ja sogar Chinas (siehe chinesische Kunst und Architektur), Koreas (siehe koreanische Kunst und Architektur) und Japans (siehe japanische Kunst und Architektur) nachdrücklich beeinflusste, fand er in den anderen Teilen Indiens nur geringe Verbreitung.

Wahrscheinlich ist jedoch, dass die aus Gandhara stammenden Buddhastatuen, symbolische Darstellungen Buddhas sowie seine Lehre später nach Mathura im heutigen Uttar Pradesh gelangten, wo zwischen dem 2. Jahrhundert v. Chr. und dem 6. Jahrhundert n. Chr. eine bedeutende Bildhauerschule entstanden war. Auch frühere Arbeiten dieser Schule zeigen, dass mit Bharhut eine enge Verbindung bestanden haben muss. Im 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. gab die Mathura-Schule die alten Buddhasymbole auf und schuf Bildnisse von Buddha in Menschengestalt. Hinzu kamen erstmals Darstellungen des Bodhisattva aus dem sich entwickelnden Mahayana-Buddhismus.

6.2. 2

Gupta-Kunst

Die Gupta-Kultur zwischen 320 und etwa 600 n. Chr. führte zur „klassischen” Verfeinerung dieses Skulpturenstiles, die Buddhabildnisse mit klaren Konturen und feiner Linienführung in weicher Modellierung hervorbrachte. Die Kleidung der Buddhafigur, die im Moment vollendeter innerer Sammlung eingefangen war, wirkte durchscheinend und schmiegte sich um den Körper, als sei sie nass. Die Figuren erreichten oft gewaltige Dimensionen, wie etwa die gut eine Tonne schwere Kupferskulptur von Sultanganj im Bundesstaat Bihar.

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