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    Kunstwerke und historische Dokumente aus Indien und den Ländern des indischen Kulturbereiches (Nepal, Tibet, Südostasien, Zentralasien) vom 3. Jh. vor Chr. bis ins 18. Jh.

  • Indische Kunst

    INDOLOGIE : Gail, Adalbert J. / Mevissen, Gerd J.R. (Hrsg.): Indische Kunstgeschichte. Eine Bibliographie kunstgeschichtlicher, ikonographischer, archäologischer, epigraphischer ...

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Indische Kunst und Architektur

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Kunstdenkmäler auf dem Indischen SubkontinentKunstdenkmäler auf dem Indischen Subkontinent
Artikelgliederung
6.3

Hinduistische Plastik

Auch die hinduistische Plastik entwickelte sich während der Gupta-Zeit zu einer ersten Blüte. Bildliche Darstellungen von Shiva und Vishnu in ihren unterschiedlichen Gestalten finden sich nun immer häufiger. Reliefs in ikonographisch neuartiger Gestaltung wurden in Felsheiligtümer wie Udayagiri in Madhya Pradesh (um 400 bis 600) geschlagen oder zierten Tempelanlagen in Garhwa bei Allahabad und in Deogarh. In dieser Zeit begann man, die starre Frontalperspektive der frühen Plastiken aufzulösen und die Figuren elastischer, geschmeidiger darzustellen. Dies wurde durch eine Darstellung des menschlichen Körpers in mehreren Achsen (abhanga) erreicht. Indem man für die Gestaltung von Kopf, Oberkörper, Hüfte jeweils eine andere Achse wählte, erschien die Figur besonders lebensnah und mitten in der Bewegung erfasst.

Vom 7. bis 9. Jahrhundert gelangten zahlreiche Bildhauerschulen zur Blüte. So entfaltete sich beispielsweise der schöpferisch äußerst fruchtbare, nach der südindischen Sprachfamilie benannte Dravida-Stil der Pallava-Dynastie, wie er sich in Kanchipuram im Bundesstaat Tamil Nadu besichtigen lässt. Der Rashtrakuta-Stil manifestiert sich am besten in den dem Gott Shiva geweihten Höhlentempeln von Elephanta in der Bucht von Bombay, in deren Zentrum eine mehr als fünf Meter hohe Reliefplastik des dreiköpfigen Shiva steht, umgeben von Felsreliefs mit Szenen aus der Shiva-Mythologie. Der Kaschmir-Stil, der verschiedene griechische und buddhistische Einflüsse aufweist, hat sich z. B. in den Ruinen von Vijrabror und bei den Darstellungen hinduistischer Gottheiten in Vantipor erhalten.

Vom 9. Jahrhundert bis zur Konsolidierung der islamischen Herrschaft zu Beginn des 13. Jahrhunderts lässt sich in der indischen Plastik eine zunehmende Tendenz zur Linearität feststellen, wobei die Formgebung klar umrissen, weniger voluminös erscheint. Die Plastik wurde nun mehr als zuvor zum Zweck der Verzierung eingesetzt und hatte sich immer häufiger in architektonische Gesamtpläne einzufügen. Sie zeichnete sich durch komplexe und feine Detailgestaltung aus. Ihre typischen Merkmale waren vielarmige Figuren aus dem Reich der hinduistischen und jainistischen Mythologie, die jetzt die einfacheren buddhistischen Gottheiten ersetzten. Die Höherentwicklung der handwerklichen Techniken tat ein Übriges, um das Formenvokabular zu erweitern.

Die Kunst der plastischen Gestaltung konzentrierte sich besonders in drei Gebieten: dem Norden und Osten, in Rajputana (heute Teil der Bundesstaaten Gujarat, Madhya Pradesh und Rajasthan) sowie den Regionen im Süden und Westen. Eine der Hauptschulen des Nordostens entwickelte sich in Bihar und Bengalen unter der Pala-Dynastie etwa zwischen 750 und 1200. Als wichtige Inspirationsquelle erwiesen sich das Kloster und die Universität von Nalanda in Bihar, ein bedeutendes Zentrum des Mahayana-Buddhismus, in dessen Umkreis bedeutende Steinreliefs und meisterhafte Bronzedarstellungen entstanden. Im östlichen Bundesstaat Orissa, wo um eines der bedeutendsten hinduistischen Kultgebäude ein charakteristisches Kunstschaffen eingesetzt hatte, haben sich an dem gewaltigen, als Sonnenwagen gestalteten Tempel in Konarak monumentale steinerne Elefanten- und Pferdeskulpturen sowie Friese mit erotischen Motiven erhalten. Der Rajputana-Stil wird deutlich sichtbar an mehreren der insgesamt 25 Sandsteintempel von Khajuraho in Madhya Pradesh. Ihr üppiger Figurenschmuck im hinduistischen Stil beinhaltet erotische Darstellungen im Zustand mystischer Ekstase. Wichtige Baudenkmäler der Schulen im Süden und Westen entstanden in Mysore, Halebid und Belur. Die Tempel waren verziert mit üppigem, detailreichem Figurenschmuck in Form von Relieffriesen, Säulen und Konsolen.

Auch in die islamische Kunst flossen später viele traditionelle indische Muster in Form der Bauplastik mit ein. Die traditionelle indische Kunst hat sich bis zum heutigen Tag erhalten. Vielerorts werden Götterstatuen für Heim und Tempel in traditionellem Stil gefertigt. Sehr populär sind zudem Statuen von indischen Göttern in grellbunten Farben, die nachts mit Neonlicht beleuchtet werden. Daneben gibt es Künstlerschulen, etwa in Kalkutta, Shantiniketan oder Bombay, die moderne Variationen traditioneller indischer Kunst schaffen und die auch den Buddhismus ausdrücklich wieder einschließen.

7

Malerei

Die ältesten Beispiele indischer Malerei sind neben prähistorischen Felszeichnungen die ungewöhnlichen Wandmalereien der in den Fels geschlagenen buddhistischen Heiligtümer von Ajanta im Bundesstaat Maharashtra, aus der Zeit zwischen 50 und 642 n. Chr. Auf den früheren Bildern der Höhlen von Ajanta sind Personen in würdevoller Körperhaltung mit starker sinnlicher Ausstrahlung zu sehen. Die Beispiele in der Höhle von Jogimara bei Orissa stammen zum Teil aus dem 1. Jahrhundert v. Chr., ein anderer Teil stellt spätere Übermalungen aus dem Mittelalter dar, die von geringerer Qualität sind.

7.1

Gupta-Stil

Die Gupta-Zeit markiert in der indischen Kunst die klassische Phase. Die Werke aus dieser Zeit strahlen zugleich Ruhe und Kraft, spirituelle Sammlung und Sinnlichkeit aus. Die bildende Kunst war das Mittel schlechthin, um spirituelle Konzepte zu visualisieren. Eine besondere Form der Malerei auf Schriftrollen stellte die Auswirkungen guter und schlechter Taten dar.

Auch in drei der Höhlen von Ajanta sind Malereien aus der Gupta-Zeit erhalten geblieben, auf denen Buddhas, schlafende Frauen und erotische Szenen zu sehen sind. Eine Reihe buddhistischer Fresken, die man im afghanischen Bamian entdeckte, zeigt klare Umrisse, die Thematik reicht vom Erhabenen bis zum Grotesken und besitzt eine eindringliche, leidenschaftliche Kraft.

Die Wandmalereien in der ersten und zweiten Höhle von Ajanta stammen aus der Zeit des frühen 7. Jahrhunderts und unterscheiden sich stilistisch kaum von jenen aus der Gupta-Zeit. Dargestellt sind Trinkgelage jener Art, wie sie ab der frühen Kushan-Periode in der buddhistischen Kunst häufig gemalt wurden.

Sehr interessant sind auch die vor kurzem in einem Felsheiligtum bei Sittanâvasal, im Bundesstaat Tamil Nadu entdeckten jainistischen Palava-Malereien (7. Jahrhundert), darunter eine Szene am Lotosteich. Reste von Wandmalereien aus dem späten 8. Jahrhundert, die in Ellora aufgetaucht sind, mit Reitern auf einem gehörnten Löwen und paarweise dargestellten Figuren, die zwischen den Wolken schweben, nehmen Themen vorweg, wie sie für die mittelalterliche indische Malerei typisch sind.

7.2

Pala-Stil

Von der Pala-Schule (750-1200) sind uns nur die Illustrationen von Palmblatt-Manuskripten erhalten geblieben, wie sie in der Bibliothek der Universität von Cambridge aufbewahrt werden. Eines davon stammt vom Beginn, das andere aus der Mitte des 11. Jahrhunderts. Es handelt sich um insgesamt 51 Miniaturen, ganz offensichtlich Nachbildungen traditioneller Kompositionen, die buddhistische Gottheiten oder Szenen aus dem Leben Buddhas zeigen.

7.3

Gujarati-Stil

Ein Beispiel für ein illustriertes Kalpa-Sutra, eine Vorschrift für das religiöse Zeremoniell auf einem Palmblatt aus dem Jahr 1237, befindet sich in Patan in Gujarat. Die Illustrationen bieten aufgrund ihrer Vielfalt wertvolle Einsicht in Sitten und Gebräuche der Gujarati-Kultur. Die Gujarati-Malerei setzte den frühen Stil Westindiens fort, wobei die Fresken von Ellora hierzu eine Zwischenstufe darstellen.

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