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Windows Live® Suchergebnisse RingelwürmerEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Ringelwürmer, Stamm der Metazoa mit etwa 17 000 Arten wurmartiger Wirbelloser, die eine deutliche Segmentierung aufweisen. Klassen und Unterklassen der Ringelwürmer sind die Vielborster (mit etwa 13 000 Arten), die vor allem im Meer leben und oft leuchten, die Wenigborster (rund 3 500 Arten), die hauptsächlich im Süßwasser oder im Boden leben, wie der Regenwurm, sowie die Egel (ungefähr 300 Arten), die überwiegend Süßwasser bewohnen, aber auch im Meer oder an Land vorkommen können. 1998 wurde über den zehn Zentimeter langen Pompejiwurm berichtet, der an vulkanischen Quellen des Meeresbodens in etwa 80 °C heißem Wasser lebt. Andererseits fand man im Golf von Mexiko Vielborster, die in mehreren hundert Metern Tiefe im Methaneis leben. Wenigborster und Vielborster wurden früher als Borstenwürmer bezeichnet.
Manche Arten der Ringelwürmer können zwar eine abweichende Gestalt aufweisen, doch besitzen sie im Allgemeinen einen gemeinsamen Grundbauplan. Der lang gestreckte Körper weist einen runden Querschnitt auf und ist immer bilateralsymmetrisch. Er besitzt an einem Ende den Mund, am anderen den After. Der Körper ist aus einer Reihe von wenigen bis über 100 Segmenten aufgebaut, die äußerlich durch Furchen und innerlich durch Scheidewände (Dissepimente) voneinander getrennt sind. Die Segmente tragen in der Regel Körperanhänge (so genannte Parapodien) mit Borsten (Setae), die u. a. zur Fortbewegung dienen. Die mit Flüssigkeit gefüllte Leibeshöhle (das Coelom; siehe Tiere) wirkt als Hydroskelett und besitzt eine biomechanische Stützfunktion. Der Darm ist eine lang gestreckte Röhre, und das Nervensystem ist in Form eines Strickleiternervensystems organisiert. Sinnesorgane sind relativ schwach entwickelt. Am Kopf können Augen, Fühler oder Tentakel liegen; einige wenige Vielborster besitzen hoch entwickelte Augen. Das Wachstum erfolgt während der Entwicklung durch Zuwachs von Segmenten am Hinterende. Manche Arten lagern in ihren Mund Übergangsmetalle wie Kupfer oder Zink ein, um ihren Kieferapparat zu stabilisieren, eine räuberisch lebende Spezies auch, um Giftstoffe zu katalysieren, die sie ihren Opfern injiziert. Wenigborster besitzen nur wenige Borsten, die in Borstensäcken in der Körperwand liegen. Ihr Körper ist lang gestreckt und durch die Ausbildung eines kräftigen Hautmuskelschlauches gut zum Graben geeignet. Am Kopf sitzen keine Augen und Fühler. Egel sind abgeflacht und können schwimmen oder spannerraupenartig kriechen. Sie sind ebenfalls borstenlos und am Vorder- und Hinterende jeweils mit einem Saugnapf ausgestattet. Vielborster sind gewöhnlich getrenntgeschlechtig und pflanzen sich durch die Abgabe von Samen- und Eizellen ins freie Wasser fort. Im Gegensatz dazu sind Wenigborster (z. B. der Regenwurm) und Egel Zwitter, wobei die Fortpflanzung meist mit einer Kopulation verbunden ist, bei der Sperma wechselseitig übertragen wird. Diese Tiere bilden Kokons, einige Egel betreiben sogar Brutpflege.
Viele Vielborster leben räuberisch. Andere haben sich auf eine sesshafte Lebensweise umgestellt und ernähren sich durch Filtration von Nahrungspartikeln aus dem Wasser oder nehmen Sediment aus dem Boden auf. Regenwürmer sind Substratfresser und ernähren sich von im Boden verrottenden organischen Substanzen. Das Unverdaute wird durch den After wieder ausgeschieden, die Nährstoffe werden resorbiert. Der Kot enthält aber auch nicht resorbierte Substanzen, die für andere Bodenorganismen von Bedeutung sind und zur Nährstoffbereicherung des Bodens beitragen. Durch ihre grabende Tätigkeit bei der Nahrungssuche tragen Regenwürmer wesentlich zur Durchlüftung des Bodens bei und spielen eine große Rolle für die Bodenumsetzung und Humusbildung. Die meisten Egel sind Blutsauger oder Räuber. Sie werden medizinisch zur Blutentziehung verwendet. Ein aus den Speicheldrüsen gewonnener Extrakt wirkt gerinnungshemmend und findet bei der Behandlung von Thrombosen und Venenentzündungen Verwendung. Fossilfunde von Ringelwürmern sind selten, weil ihre weichen Körper nur schwer fossilisiert werden. Bekannte Fossilien datieren mehr als 500 Millionen Jahre zurück. Die Stammesgeschichte der Ringelwürmer ist unklar.
Ringelwürmer bilden den Stamm Annelida. Vielborster bilden die Klasse Polychaeta, Wenigborster die Unterklasse Oligochaeta und Egel die Unterklasse Hirudinea. Egel und Wenigborster werden zur Klasse Clitellata zusammengefasst. Der Pompejiwurm heißt zoologisch Alvinella pompejana, die Kupfer einlagernde Spezies heißt Glycera dibranchiata.
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