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  • Dreyfus-Affäre – Wikipedia

    Als Dreyfus-Affäre wurde der Fall des aus dem Elsass stammenden jüdischen Artilleriehauptmanns im französischen Generalstab Alfred Dreyfus (1859–1935) bekannt, der in der III.

  • Dreyfus-Affäre − HaGalil Lexikon

    Als Dreyfus-Affäre wurde der Fall des aus dem Elsass stammenden jüdischen Artilleriehauptmanns im französischen Generalstab Alfred Dreyfus (1859–1935) bekannt, der in der III.

  • Biographie: Alfred Dreyfus, 1859-1935

    Als Indizien für ein unrechtmäßiges Verfahren an die Öffentlichkeit gedrungen sind, entwickelt sich die Dreyfus-Affäre zur größten innenpolitischen Krise der dritten ...

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Dreyfus-Affäre

Enzyklopädieartikel
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Alfred DreyfusAlfred Dreyfus
Artikelgliederung
1

Einleitung

Dreyfus-Affäre, Kontroverse um den französischen Offizier Alfred Dreyfus, der 1894 wegen Verrats verurteilt wurde. Seine Verurteilung führte zur schwersten innenpolitischen Krise der 3. Republik, aus der die progressiven Republikaner als dominierende Kraft im politischen Leben Frankreichs hervorgingen und die letztendlich zur Trennung von Kirche und Staat in Frankreich führte.

2

Der Fall Dreyfus

1893 wurde Dreyfus, ein Hauptmann der Artillerie jüdischer Herkunft, der dem Generalstab in Paris zugeteilt war, des Verrats angeklagt. Er wurde beschuldigt, ein anonymes bordereau (Verzeichnis) mit geheimen französischen Militärdokumenten erstellt zu haben, die an die deutsche Botschaft in Paris übergeben werden sollten. 1894 wurde Dreyfus von einem Kriegsgericht schuldig gesprochen, degradiert und auf die Teufelsinsel (Île du Diable) gebracht, wo er den Rest seines Lebens in der Verbannung zubringen sollte. 1896, zwei Jahre nach dem Prozess, entdeckte Oberstleutnant George Picquart, damals Leiter des französischen militärischen Geheimdienstes, Beweise dafür, dass ein französischer Infanterieoffizier, Hauptmann Marie Charles Esterhazy, der wahre Verfasser des bordereau war, das man Dreyfus zugeschrieben hatte. Picquart wurde von seinen Vorgesetzten zum Schweigen verpflichtet und aus dem Dienst entlassen. Etwa zur gleichen Zeit entdeckten Freunde und Verwandte von Dreyfus ähnliche Hinweise auf Esterhazy. Um ihr Gesicht zu wahren, musste die Armee Esterhazy vor ein Kriegsgericht stellen, das ihn jedoch Anfang 1898 freisprach. Im August desselben Jahres gestand Oberstleutnant Hubert Joseph Henry, er habe als Nachfolger Picquarts im Amt des Geheimdienstleiters Unterlagen gefälscht, die Dreyfus belasteten. Er wurde verhaftet und beging in seiner Zelle Selbstmord. Esterhazy wurde aus der Armee entlassen, verließ Frankreich und ließ sich in England nieder.

1899 wurde der Fall Dreyfus vor den Cour de cassation (Kassationsgerichtshof) gebracht, der einen neuen Prozess anordnete. Das daraufhin einberufene Kriegsgericht befand Dreyfus erneut für schuldig, setzte die Strafe aber auf zehn Jahre Gefängnis herab. Zehn Tage nach dem Prozess erklärte die neue französischen Regierung unter Ministerpräsident Pierre Waldeck-Rousseau und Präsident Émile Loubet das Urteil für nichtig und begnadigte Dreyfus. Sieben Jahre später, 1906, wurde Dreyfus vom Cour de cassation rehabilitiert, mit dem Rang eines Hauptmannes wieder in die Armee aufgenommen und mit dem Kreuz der Ehrenlegion ausgezeichnet. Er nahm am 1. Weltkrieg im Rang eines Oberstleutnants teil. Was die anderen Beteiligten betrifft, so blieb Esterhazy in England und gab Ende 1899 zu, ein deutscher Spion gewesen zu sein. Sein Ankläger Picquart wurde wieder in den Dienst aufgenommen, zum General befördert und diente im Kabinett von Ministerpräsident Georges Clemenceau als Kriegsminister.

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Politische Bedeutung

Im politisch turbulenten Frankreich der 1890er Jahre war der Fall Dreyfus das Ereignis, das Politik und Gesellschaft in heftige Bewegung versetzte. Rechte und linke Radikale nutzten die Affäre, um ihrer Enttäuschung über die politischen und sozialen Zustände Ausdruck zu geben. Als Dreyfus in seinem ersten Prozess für schuldig befunden wurde, lösten die einflussreichen antisemitischen Kräfte dieser Zeit, besonders in der französischen Armee, eine Welle antijüdischer Propaganda aus. Die liberal gesinnten Franzosen schwiegen anfangs, da Dreyfus zunächst allem Anschein nach schuldig war. Sie brachen ihr Schweigen allerdings nach der Entdeckung der Beweise gegen Esterhazy, der Entlassung seines Anklägers Picquart und dem Freispruch von Esterhazy. Diese offensichtlichen Ungerechtigkeiten provozierten in weiten Kreisen Proteste, und der Fall Dreyfus wurde bald die wichtigste öffentliche Angelegenheit Frankreichs. Rechte Politiker, die Armee und die katholische Kirche befürworteten das Urteil des Kriegsgerichts. Die Liberalen und zahlreiche Intellektuelle, angeführt von dem Schriftsteller Anatole France und dem Dichter und Essayisten Charles Péguy, verurteilten es.

Der Schriftsteller Émile Zola verfasste eine leidenschaftliche Anklageschrift, die im Januar 1898 unter der Überschrift J’accuse (Ich klage an) in der Pariser Zeitung L’Aurore veröffentlicht wurde. Mit seiner mutigen Anklage der Militär- ebenso wie der Zivilbehörden, die er der Lüge bezichtigte, handelte sich Zola einen Prozess wegen Verleumdung ein, in dem er zu einer Geldstrafe und einem Jahr Gefängnis verurteilt wurde. Zola konnte jedoch nach England fliehen, und während seines selbst gewählten Exils brachten sein Prozess und seine weithin veröffentlichte Anklageschrift dem Fall Dreyfus weltweites Interesse ein.

In Frankreich war die Forderung der Öffentlichkeit, den Prozess gegen Dreyfus wieder aufzurollen, allgegenwärtig und lautstark. Das zweite Urteil des Kriegsgerichts, in dem Dreyfus erneut schuldig gesprochen wurde, ging dermaßen an der öffentlichen Meinung vorbei, dass bei den Wahlen wenig später 1899 die konservative Regierung zugunsten einer liberalen, fortschrittlichen abgewählt wurde. Nach 1900 verlor auch die Armee in Frankreich an Einfluss und Ansehen. Außerdem wurden antikirchliche Gesetze eingebracht, die 1905 zur Trennung von Kirche und Staat führten.

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