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Kurden

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Kurdische Flüchtlinge in der TürkeiKurdische Flüchtlinge in der Türkei

Kurden, Ethnie im gebirgigen Grenzgebiet zwischen Türkei, Irak, Iran, Syrien, Armenien und Georgien. Kurdische Minoritäten leben in Pakistan, Afghanistan, Jordanien und im Libanon. In Israel gibt es eine Kurdisch sprechende jüdische Gemeinde. Die Gesamtzahl der Kurdi (Eigenbezeichnung) beträgt Schätzungen zufolge 25 Millionen Menschen; knapp die Hälfte davon lebt in der Türkei, die übrigen Kurden verteilen sich auf den Iran (rund neun Millionen), den Irak (etwa 4,5 Millionen) und auf Syrien (etwa 1,2 Millionen) sowie Armenien und Georgien. Etwa 600 000 kurdische Migranten leben meist aufgrund politischer Verfolgung in verschiedenen westeuropäischen Ländern, vor allem in der Bundesrepublik Deutschland.

Die Kurden sind in ihrer Mehrheit Sunniten, andere bekennen sich zu den muslimischen Glaubensgemeinschaften der Alewiten und der Jesiden. Traditionell lebten die meisten Kurden vom Ackerbau und der Schafzucht, einige Gruppen als Halbnomaden. Die soziale Organisation der kurdischen Gesellschaften wird weitgehend durch Haushalte, d. h. durch Kernfamilien oder durch erweiterte Kernfamilien bestimmt. Die patrilinear organisierten ashiret, eine Art Clan, bildeten die entscheidenden politischen Organisationen.

Sprache ist das Kurdische, eine Sprache des westpersischen Zweiges der indogermanischen Sprachen, die in fünf Gruppen untergliedert wird: Nordkurdisch, Mittelkurdisch, Südkurdisch, Zazaki und Gorani.

Die Kurden selbst sehen sich als Nachfahren der Meder. Kurdische Fürstentümer konnten den Invasionen zahlreicher Völker erfolgreich Widerstand leisten; im 11. Jahrhundert wurden sie jedoch von den Seldschuken unterworfen und im 14. Jahrhundert in das Osmanische Reich eingegliedert. Im Frieden von Sèvres, den die Alliierten 1920 mit den Osmanen geschlossen hatten, wurde den Kurden das Recht auf Eigenstaatlichkeit zugesichert; der Friedensvertrag trat jedoch nicht in Kraft, eine kurdische Eigenstaatlichkeit wurde nie umgesetzt. Seither kämpfen die Kurden in der Türkei sowie im Irak und im Iran zum Teil mit Gewalt für politische Autonomie und Selbstverwaltung.

In der Türkei wurde den Kurden von Beginn an ihre kulturelle Eigenständigkeit verwehrt; als Muslime fielen sie im Vertrag von Lausanne nicht unter den für Nichtmuslime geltenden Minderheitenschutz und galten im Rahmen der von Kemal Atatürk eingeleiteten Politik der Zwangsassimilierung offiziell als Bergtürken. Bereits in den zwanziger und dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts hatten die Kurden mehrere Aufstände gegen die türkische Regierung unternommen, die jedoch regelmäßig von der türkischen Armee niedergeschlagen wurden. Der Kampf der türkischen Regierung gegen jegliche kurdische Bestrebungen nach ethnischer, kultureller und politischer Anerkennung und Eigenständigkeit verschärfte sich nach dem Militärputsch von 1980 noch und mündete Mitte der achtziger Jahre im Südosten der Türkei in einen regelrechten Bürgerkrieg, als die militante Kurdische Arbeiterpartei (Partya Karkeren Kurdistan, PKK) den bewaffneten Kampf gegen den türkischen Staat aufnahm. 1987 verhängte die türkische Regierung den Ausnahmezustand über die Kurdenregion und unternahm in den neunziger Jahren mehrere Großoffensiven. Im Rahmen einer solchen Offensive drangen türkische Truppen 1995 auch auf irakisches Gebiet vor, wo die Vereinten Nationen nach dem 2. Golfkrieg eine Schutzzone für die irakischen Kurden eingerichtet hatten. 1999 erklärte die PKK ihren Kampf gegen den türkischen Staat für beendet, nachdem ihr Anführer Abdullah Öcalan von den türkischen Behörden verhaftet worden war. Bis dahin hatte der Konflikt etwa 35 000 Opfer gefordert, vor allem unter der kurdischen Zivilbevölkerung. Ende 2002 hob die türkische Regierung den Ausnahmezustand auf, und 2003 wurde im Rahmen weitreichender innerer Reformen eine ganze Reihe der kulturellen und politischen Repressionen gegen ethnische Minderheiten, also auch die Kurden, aufgehoben; zudem wurde ein Amnestiegesetz erlassen, das PKK-Mitgliedern Straffreiheit zusicherte, sofern sie nicht an Gewalttaten beteiligt waren.

Der Kampf kurdischer Organisationen um Selbstbestimmung wurde in den neunziger Jahren verstärkt ins Ausland, insbesondere nach Deutschland, verlagert. So kam es zu einer ganzen Reihe von Protestaktionen militanter Kurden, die damit auf die Unterdrückung ihres Volkes in der Türkei sowie auf die materielle Unterstützung dieser Politik durch die deutsche Regierung aufmerksam machen wollten. Zum Teil gewalttätige Demonstrationen führten 1993 zum Verbot der PKK sowie anderer kurdischer Organisationen in Deutschland und entfachten eine öffentliche Diskussion um die Abschiebung von in diesem Zusammenhang straffällig gewordenen Asylbewerbern.

Im Irak war den Kurden nach dem Sturz der Monarchie 1958 zwar Eigenständigkeit zugesagt, diese Zusage aber nicht eingehalten worden. Erst nach einem fast acht Jahre dauernden Krieg zwischen irakischen Kurden, die u. a. vom Iran unterstützt wurden, und der irakischen Regierung sicherte die irakische Regierung 1970 den Kurden Autonomie in ihrer Region im Nordosten des Landes Irak zu. Die Durchsetzung dieses Versprechens entsprach jedoch nicht den Forderungen der Kurden und so wurde der Bürgerkrieg 1974 wieder aufgenommen. Der Aufstand brach 1975 zusammen, nachdem der Iran im Rahmen des Grenzvertrags mit dem Irak die Hilfe für die Kurden eingestellt hatte. Nach dem 1. Golfkrieg, in dem irakische Kurden auf der Seite des Iran gekämpft hatten, gingen 1988 irakische Truppen gegen den kurdischen Nordosten vor, Tausende von Kurden wurden getötet, u. a. durch Giftgasangriffe, und Hunderte von kurdischen Dörfern wurden von irakischen Truppen zerstört,. Unmittelbar nach dem 2. Golfkrieg schlug die irakische Regierung unter Saddam Hussein im März/April 1991 einen weiteren kurdischen Aufstand brutal nieder. Mehr als eine Million Kurden flohen damals in die Türkei, in den Iran und in die Bergregionen des nördlichen Irak; dort erklärten die Vereinten Nationen das Gebiet nördlich des 36. Breitengrades zur Schutzzone. Im Irak-Krieg 2003 kämpften die Kurden auf der Seite der USA gegen das Regime Saddam Hussein und eroberten eine Reihe wichtiger Städte im Nordirak. Im Rahmen der politischen Neuordnung des Irak nach dem Sturz Husseins wurde den Kurden weitreichende Autonomie garantiert; zugleich sind sie auch auf gesamtstaatlicher Ebene stark vertreten, stellten u. a. 2005 ein Viertel der Abgeordneten in der provisorischen Nationalversammlung und mit Jalal Talabani sogar den Staatspräsidenten.

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