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Lenkflugkörper

Enzyklopädieartikel
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Raketen und LenkflugkörperRaketen und Lenkflugkörper
Artikelgliederung
1

Einleitung

Lenkflugkörper, Flugkörper mit Eigenantrieb, die während des Fluges entweder durch Fernsteuerung oder mittels an Bord befindlicher Mechanismen auf ein Ziel gelenkt werden. Das Spektrum für militärische Lenkflugkörper reicht von großen strategischen ballistischen Raketen mit nuklearen Sprengköpfen bis zu kleinen tragbaren Raketen. Lenkflugkörper für zivile Zwecke sind beispielsweise mit wissenschaftlichen Instrumenten ausgestattet, mit denen sich Daten und Informationen über die Erdatmosphäre sammeln lassen.

Lenkflugkörper bestehen aus drei separaten Systemen: dem Transportsystem, dem Lenk- und Steuermechanismus und dem Sprengkopf bzw. der Nutzlast. Als Antrieb dienen entweder Strahltriebwerke oder speziell konstruierte Raketenmotoren. Welches Lenk- und Steuersystem zum Einsatz kommt, hängt vom Raketentyp und von den Eigenschaften des Zieles ab. So genannte Inertiallenksysteme ermitteln während des Fluges ihre Position in Bezug auf ein festes Ziel. Bei anderen Lenksystemen kommen eine Vielzahl aktiver Sensoren zum Einsatz, mit deren Hilfe die Rakete auf bewegliche Ziele gelenkt werden kann.

Bereits während des 2. Weltkrieges führte die technische Entwicklung auf solchen Gebieten wie der Aerodynamik, der Elektronik, des Düsen- und Raketenantriebs, des Radars, der Servomechanismen sowie des Flugzeugbaues zur Konstruktion, Testung und schließlich zur Produktion der ersten Lenkwaffensysteme.

Heutige Lenkwaffensysteme lassen sich in fünf Start-Ziel-Kategorien einteilen: Boden-Boden-, Boden-Luft- und Luft-Luft-Systeme sowie zwei Luft-Boden-Systeme. Die Bezeichnung Boden bedeutet in jedem Fall sowohl auf als auch unter der Festland- oder Meeresoberfläche. Taktische Lenkwaffen sind für den unmittelbaren Einsatz bestimmt, taktisch-operative Raketen verwendet man hinter dem Hauptkampfgebiet, und strategische Raketen dienen in erster Linie der militärischen Abschreckung (interkontinentale Kriegsführung). Aerodynamische Raketen werden in ihrem Flug durch den Luftauftrieb getragen.

2

Boden-Boden-Raketen

Zu den ersten Lenkwaffensystemen zählten die „Vergeltungswaffen” V 1 und V 2 (auch: Aggregat 4). Die V 1 war eine von einem Pulsstrahltriebwerk angetriebene aerodynamische Rakete mit einem vorher eingestellten Lenksystem, das die korrekten Ablenkungen in Höhe und Richtung ermitteln konnte. Ihre durchschnittliche Reichweite betrug etwa 240 Kilometer. Dagegen handelte es sich bei der V 2 eher um eine ballistische Rakete, die mit einer Mischung aus Alkohol und flüssigem Sauerstoff angetrieben wurde. Die maximale Reichweite der V 2 betrug etwa 320 Kilometer. Sie konnte eine maximale Höhe von 95 bis 110 Kilometern erreichen und flog mit einer Geschwindigkeit von mehr als 1,6 Kilometern pro Sekunde.

2.1

Strategische Raketen

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges baute man große Raketen zum Zwecke der strategischen Abschreckung. Mitte der fünfziger Jahre führten drei Entwicklungen zur Interkontinentalrakete mit atomarem Sprengkopf: (1) die Entwicklung der thermonuklearen Sprengkörper (Wasserstoffbombe) mit einer weitaus höheren Zerstörungskraft als die der ursprünglichen Atombombe; (2) die schnelle Verbesserung der Inertiallenksysteme für ballistische Raketen; und (3) die Entwicklung von leistungsstarken Starttriebwerken für Mehrstufenraketen mit deutlich größerer Reichweite. Im Ergebnis dieser Entwicklung wurden die ballistischen Raketen so präzise und leistungsfähig, dass sie in der Lage waren, Ziele in 8 000 Kilometern Entfernung zu zerstören.

In der US-Marine wurden langsame luftstrahlgetriebene Raketen und Flüssigkeitsraketen zugunsten der Zweistufen-Feststoffinterkontinentalrakete Polaris aufgegeben, die sich unter Wasser starten ließ. Diese Raketen stationierte man vor allem an Bord von Atom-U-Booten. Später ersetzte man die Polaris durch die weiter reichende Poseidon-Interkontinentalrakete. Es folgte die Trident C 4, die für die neuen, großen Trident-U-Boote geeignet war. Die neueren Interkontinentalraketen sowohl der US-Luftwaffe als auch der US-Marine, zu denen die aktuellere Trident D 5 gehört, sind mit mehreren atomaren Sprengköpfen bestückt.

Aber auch der luftstrahlgetriebene Marschflugkörper, sowohl für strategische als auch für taktische Aufgaben, wurde weiterentwickelt. Die US-amerikanische Tomahawk-Rakete kann beispielsweise vom Boden, von Schiffen, aus der Luft oder von U-Booten aus gestartet und gegen taktische Ziele in geringer Entfernung, z. B. Schiffe, oder gegen strategische Ziele in mehreren tausend Kilometern Entfernung eingesetzt werden. Die Schiffsabwehrvariante fliegt einige Meter über der Meeresoberfläche in die ungefähre Richtung des Zielgebietes, dann steigt sie auf und ermittelt den Standort des Zieles mit ihren eigenen Messgeräten, bevor sie einen abschließenden Sturzflugangriff mit hoher Geschwindigkeit vollführt. Die Landvariante dieser Rakete fliegt ebenfalls in geringer Höhe, um der Entdeckung durch Radar zu entgehen. Sie wird von einem internen Geländeumriss-Navigationssystem gelenkt.

2.2

Taktische Raketen

Taktische Boden-Boden-Lenkraketen reichen von mit der Hand tragbaren Panzerabwehrraketen bis zu den großen ballistischen Raketen. Bei kleinen Raketen finden oft Visierlinienlenksysteme Anwendung, die die Korrekturen der Raketenflugbahn mit Hilfe von Schleppdrähten oder Infrarotsignalen übertragen. Im Copperhead-Lenkgeschoss der USA wird das Ziel vom Schlachtfeld aus mit einem Laserstrahl markiert. Dann wird die Rakete mehrere Kilometer ins Hinterland geschossen und sucht während des Fluges nach dem markierten Ziel. Größer ist die Vielfalt bei taktisch-operativen Raketen, die von ballistischen Waffen, z. B. der US-Pershing-Rakete, die 1987 gemäß den Beschlüssen des INF-Vertrages (siehe internationale Abrüstung) verboten wurde, bis zu taktischen Marschflugkörpern, z. B. der US-Lance-Rakete, reicht. Sie alle sind mobil, mit atomaren oder konventionellen Sprengköpfen bestückt und besitzen eine Reichweite von 160 bis 640 Kilometern.

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