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Windows Live® Suchergebnisse BernsteinEnzyklopädieartikel
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Bernstein, auch Succinit, Ambra oder Augenstein (sowie zahlreiche Regionalbezeichnungen), fossiles Harz von Nadelbäumen. Bernstein kommt weltweit vor und bildete sich im Tertiär und Quartär, teilweise auch schon im Devon, aus dem Harz von Koniferen. Bernstein ist ein beliebter Schmuckstein. Am bekanntesten ist der baltische Bernstein aus dem Ostseeraum, der häufig Einschlüsse von Insekten, Spinnen oder Pflanzenteilen enthält. Weitere Fundstellen gibt es u. a. in Rumänien, Sibirien, Birma und Kanada. Für den Bernstein vieler dieser Fundstellen sind Lokalbezeichnungen üblich; Bernstein aus Sizilien z. B. heißt Simetit.
Bernstein ist kein Gestein, sondern ein Gemisch verschiedener Harze und setzt sich chemisch im Durchschnitt aus 78 Prozent Kohlenstoff, 11,7 Prozent Sauerstoff, 9,9 Prozent Wasserstoff und 0,4 Prozent Schwefel zusammen. In der Natur kommt er meist in Form unregelmäßiger, wenige Zentimeter großer Knollen vor, aber auch Stücke von bis zu zehn Kilogramm wurden schon gefunden. Bernstein ist amorph und nach dem Polieren mehr oder weniger durchsichtig und weist einen Fett- oder Harzglanz auf; Risse oder eingeschlossene Gasbläschen können ihn bis zur Undurchsichtigkeit trüben. Bernstein zeigt ein großes Spektrum an Farben, meist Gelb mit Varianten in Richtung Braun, zum Teil erscheint er auch rötlich, selten bläulich; die Tönung reicht von sehr hell bis sehr dunkel. Die Dichte von Bernstein beträgt 1,05 bis 1,3 Gramm pro Kubikzentimeter; er schwimmt auf konzentrierter Kochsalzlösung. Neben der auffallend geringen Dichte ist seine geringe Härte von 2 bis 2,5 ein einfaches Unterscheidungsmerkmal gegenüber ähnlich aussehenden Strandgeröllen wie Quarzit. So lässt sich Bernstein teilweise mit dem Fingernagel, auf jeden Fall aber mit einer Kupfermünze ritzen. Daneben gibt es weitere auffallende Bestimmungsmerkmale: Bernstein verbrennt mit einem harzigen Geruch, der an Weihrauch erinnert, und er lädt sich durch Reiben an Wolle elektrostatisch auf und zieht dann Papierschnipsel oder kleine Federn an. Die Harze, aus denen Bernstein entstanden ist, sind chemisch gesehen Terpenderivate, deren Moleküle im Lauf der Zeit zu Kopal (siehe Harze) polymerisiert sind. Kopal ist im Prinzip eine Art Zwischenstadium zwischen Harz und Bernstein. Damit Kopal in Bernstein übergehen kann, muss er luftdicht, z. B. von einem Sediment, eingeschlossen werden, andernfalls verwittert und zerfällt er relativ schnell.
Baltischer Bernstein findet sich ausschließlich in Feinsanden und Tongesteinen marinen Ursprungs und ist, freigespült, sehr häufig als Strandgeröll an der Ostsee anzutreffen. Das größte Vorkommen baltischen Bernsteins, der vor allem zu Schmuck verarbeitet wird, befindet sich an der Ostseeküste bei Kaliningrad (Königsberg) und Danzig. Andere Fundstellen liegen an der Nordseeküste, in Jütland und Südschweden. Außerdem wurde baltischer Bernstein auch weiter südlich an mehreren Orten gefunden, u. a. in Bitterfeld, wo er im Tagebau gewonnen wird. Baltischer Bernstein entstand vor 50 bis 40 Millionen Jahren im Eozän, einer Epoche des Alttertiärs, in der die globalen Temperaturen deutlich höher lagen als in der späteren Erdgeschichte. Im heutigen Ostseeraum herrschte damals ein tropisch-subtropisches Klima, in dem der so genannte baltische Bernsteinwald mit einer überaus artenreichen Flora und Fauna gedieh. Nachdem das Harz von den Bäumen getropft war, muss es sehr schnell durch Fließgewässer in marine Sedimentationsräume transportiert und dort eingebettet worden sein (primäre Lagerstätte). Später, während der Eiszeit, wurden diese eozänen Schichten erodiert, der Bernstein erneut transportiert und in neuen, eiszeitlichen Sedimenten abgelagert (sekundäre Lagerstätte). Ein solches eiszeitliches Sediment liegt heute als die „Blaue Erde” im Samland bei Königsberg vor. Dabei handelt es sich um eine tonige Feinsandschicht von zehn Meter Mächtigkeit, die durch das Mineral Glaukonit bläulich gefärbt ist. Diese Lagerstätte enthält durchschnittlich 2,5 Kilogramm Bernstein pro Kubikmeter Sediment. Seit dem 19. Jahrhundert wird der Bernstein hier bergmännisch im Tagebau gewonnen. Auch die anderen Vorkommen im Ost- und Nordseeraum sowie das Vorkommen bei Bitterfeld gehen auf eiszeitliche Umlagerungen aus der eozänen Primärlagerstätte zurück. Es sind besonders die zahlreichen Einschlüsse von Tieren, die so genannten Inklusen, die den baltischen Bernstein berühmt gemacht haben. Der starke Duft und die helle, glänzende Farbe des frischen Harzes lockte vor allem Fluginsekten an, für die das klebrige, dünnflüssige Harz zur Todesfalle wurde. Durch den luftdichten Einschluss blieben die Tiere als Fossilien über Jahrmillionen erhalten. Diese Einschlüsse sind ein überaus interessantes Studienobjekt für die Paläontologie. Insgesamt etwa 10 000 Pflanzen- und Tierarten wurden im baltischen Bernstein identifiziert, vor allem Insekten und Spinnentiere. Fluginsekten wie Fliegen, Mücken und geflügelte Ameisen stellen den größten Anteil der identifizierten Arten, gefolgt von den Spinnentieren. Außerdem fand man neben Pflanzenteilen auch Krebstiere, Tausendfüßer, Vogelfedern und Säugetierhaare sowie Teile von Eidechsen.
Bernstein lässt sich dank seiner geringen Härte durch Schneiden, Bohren, Gravieren, Schleifen und Polieren sehr gut bearbeiten. Wegen seines Glanzes und seines Reichtums an warmen Farben und Tönungen eignet er sich ideal zur Herstellung von Schmuck. Kleine Brocken und Abfallstücke werden bei Temperaturen von 140 bis 250 °C und einem Druck von 3 000 Atmosphären zu Pressbernstein (Ambroid) verarbeitet, der als Bernsteinimitat in den Schmuckhandel kommt. Außerdem wird Bernstein auch Weihrauch zugesetzt. Bereits in der Steinzeit wurde Bernstein zu Schmuck und zu kleinen Gebrauchsgegenständen verarbeitet. Es entstanden auch kleine Schnitzereien, die zum Teil menschliche Figuren zeigen. Besonders aus dem Neolithikum sind zahlreiche Funde bekannt. Ab dem Neolithikum gelangte der damals sehr begehrte und wertvolle Bernstein – das „Gold des Nordens” – in den Mittelmeerraum; die wichtigste Handelsroute war die so genannte Bernsteinstraße. Antike Autoren wie Homer, Plinius der Ältere oder Tacitus erwähnen Bernstein in ihren Schriften und erörtern Herkunft und Entstehung. Bernstein wurde auch in späteren Zeiten zu Kunstgegenständen verarbeitet. Aus dem Mittelalter sind Kleinplastiken erhalten, und im Zeitalter des Barock fertigten Kunsthandwerker für höfische Zwecke Pokale und Schalen sowie Inkrustationen an Möbeln. Höhepunkt der kunsthandwerklichen Verarbeitung von Bernstein war das berühmte Bernsteinzimmer, das Anfang des 18. Jahrhunderts im Auftrag des preußischen Königs Friedrich I. entstand, 1716 dem russischen Zaren Peter dem Großen geschenkt und später in dessen Sommerresidenz Zarskoje Selo eingebaut wurde. In den Wirren der letzten Tage des 2. Weltkrieges verschwand es, und sein Verbleib ist bis heute Gegenstand weitreichender Spekulationen. Unterdessen wurde in Zarskoje Selo (heute Puschkin) aus sechs Tonnen Bernstein und mehr als einer halben Million Einzelteilen eine Rekonstruktion des Bernsteinzimmers geschaffen.
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