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Schwedische Literatur

Enzyklopädieartikel
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Fredrika BremerFredrika Bremer
Artikelgliederung
1

Einleitung

Schwedische Literatur, die in Schweden und Finnland in schwedischer Sprache verfasste Literatur.

Neben Runeninschriften aus der Zeit vor der (allerdings erst spät einsetzenden) Christianisierung sind die frühesten schriftlichen Zeugnisse von Literatur in Schweden die in Lateinisch niedergelegte Landskapslagar, das regionale Landrecht aus dem 13. Jahrhundert, und das Landslag, das königliche, provinzübergreifende Recht aus dem 14. Jahrhundert. In dieser Zeit entstanden auch die lateinischen Zeugnisse religiöser Literatur, etwa von Petrus de Dacia (um 1230 bis 1289) oder Brynolf Algotsson (gestorben 1317), vor allem aber die Niederschriften der Visionen der Nonne und Mystikerin Birgitta (Revelationes, 1371-1380), die von ihren Beichtvätern notiert wurden und nahezu im gesamten europäischen Kulturkreis Aufmerksamkeit erfuhren.

Seit dem 13. Jahrhundert entstanden zahlreiche schwedische Volksliedtexte und Balladen, von der deutschen Literatur beeinflusste Reimchroniken (Erikskrönika, um 1325; Karlskrönika, um 1450) und Ritterepen (Eufemiavisor, 1303-1312; Konung Alexander, um 1380, Karl Magnus, vor 1430); schriftlich fixiert wurde die zunächst mündlich überlieferte Volksdichtung erst im 19. Jahrhundert. Im 15. Jahrhundert schuf Bischof Thomas von Strängnäs (gestorben 1443) mit seinen poetischen Werken die ersten bedeutenden spezifisch schwedischen Dichtungen in Landessprache. Durch die Einrichtung der ersten Universität Schwedens in Uppsala 1477 erhielt auch die Literatur neue Züge.

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16. und 17. Jahrhundert

Die wichtigsten Schriftsteller während der Reformation im 16. Jahrhundert waren die Mönche Olaus und Laurentius Petri, die sich während eines Aufenthaltes an der deutschen Universität Wittenberg dem Luthertum angeschlossen hatten. Vor allem ihre Übersetzung des Alten Testaments ins Schwedische ist von Bedeutung, wie auch ihre Arbeit an der ersten vollständig ins Schwedische übersetzten Bibel (1541); ansonsten verfassten sie zahlreiche Pamphlete. 1526 erschien die erste neuschwedische Übersetzung des Neuen Testaments. Die Prälaten Johannes (Historia de omnibus gothorum sveonumque regibus, erschienen 1554) und Olaus Magnus (Historia de gentibus septentrionalibus, 1555) wirkten aus dem Exil. Als Beginn der schwedischen Dramatik gilt das Werk von Johannes Messenius (1579-1636), der neben sechs mythologisch-geschichtlichen Theaterstücken auch das 15-bändige historiographische Werk Scondia illustrata (posthum 1700-1705) verfasste.

Im 17. Jahrhundert – der so genannten Großmachtzeit (1611-1718), die vom Regierungsbeginn Gustavs II. Adolf bis zum Tod Karls XII. andauerte – wurde die Kunst ebenso wie die Wissenschaft von den schwedischen Königshöfen gefördert und war insofern auf das dortige Wirken konzentriert. Vom Humanismus angeregt, entwickelte sich das Interesse an der eigenen Geschichte, Sprache, Kultur und Vorgeschichte (Götizismus), das sich in historisch-enzyklopädischen Werken mit nationalistisch-missionarischem Impuls (Olof Rudbecks vierbändiges Atland eller Manheim, 1675-1702) sowie in einem Ausbau des Bildungswesens niederschlug. Gleichzeitig zeigte man sich auch in Adelskreisen durch die Auseinandersetzung mit europäischen Strömungen in Kunst, Wissenschaft und Philosophie – u. a. René Descartes, Johann Amos Comenius und Hugo Grotius lehrten in Schweden – weltoffen. Volkstümliche Lyrik verfasste u. a. Lars Wivallius.

In der zweiten Jahrhunderthälfte trat Georg Stiernhielm mit seinem an der europäischen Kunstdichtung orientierten Werk hervor. Stiernhielm, der Verfasser des allegorischen hexametrischen Epos Hercules (entstanden 1648, gedruckt 1658; Herkules), gilt als der eigentliche Begründer der neueren schwedischen Literatur, die sich stärker am Formenkanon europäischer Vorbilder ausrichtete. Orientiert an Martin Opitz und ähnlichen Entwicklungen in der dänischen Literatur konzipierte Andreas Arvidi (um 1620 bis 1637) mit Manuductio at poesin Svecanam 1651 die erste Poetik Schwedens. Weitere herausragende Dichter des Barock (des so genannten karolinischen Barock) waren Jacob Frese, Haquin Spegel, Johan Runius, Jesper Swedberg, Skogekär Bärgbo und Lars Johansson; Letzterer schrieb unter dem Pseudonym Lucidor, anders als viele seiner Zeitgenossen, vor allem über weltliche Themen. Von Gunno Dahlstierna (1661-1709) stammt die monumentale Todeslyrik Kunga skald (1698), die in ihrem pathetischen Duktus vor allem den Absolutismus der Großmachtzeit lobpreist.

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18. Jahrhundert

Mit dem Tod Karls XII. begann die so genannte Freiheitszeit (1718-1772), in der der Einfluss französischer und englischer Literatur sowie Kultur dominierte; innerhalb der poetischen Diskussion wurde der Ansatz der L’Art poétique (1674, Die Dichtkunst) von Nicolas Boileau-Despréaux – und damit der Klassizismus – Programm. Neben dem Theologen Emanuel Swedenborg, der mit religiös-mystischen Werken hervortrat, und dem Botaniker Carl von Linné, der neben naturwissenschaftlich-systematischen Abhandlungen mit meisterhaften Reisebeschreibungen literarischen Ruhm erlangte, war Olof von Dalin der führende schwedische Prosaschriftsteller des 18. Jahrhunderts; seine auch im Bereich der Satire herausragende moralische Wochenschrift Then swänska Argus setzte hier neue Maßstäbe. Dalin ebnete nicht zuletzt den Weg für die Romane eines Henrik Mörk (1714-1763) oder die geistreich-witzigen Schriften und Reisebeschreibungen eines Jacob Wallenberg (Min son på galejan, 1781; Das Muttersöhnchen auf der Galeere). Gedanken der Frühaufklärung kultivierten vor allem die Mitglieder des Tankebyggardorden (Gedankenbauer), darunter Carl Gustaf Gyllenborg, Gustaf Philip Graf Creutz und Hedvig Charlotta Nordenflycht.

Während der Regierungszeit von König Gustav III. (1771-1792) trat dieser nicht nur als Förderer der Literatur auf, sondern war auch selbst als Dramatiker und Essayist tätig. Wichtig für das Theaterschaffen des Landes war die Eröffnung des schwedischen Nationaltheaters 1737, an dem schwedische Stücke im Stil der Dramen Jean Racines und Molières zur Aufführung kamen; die Gründung der Schwedischen Akademie 1786 gab den Wissenschaften und den Künsten neue Impulse. Bedeutende Mitglieder der dem französischen Klassizismus nahe stehenden Akademie waren die Lyriker Johan Henrik Kellgren, der mit seiner Zeitung Stockholm Posten zudem die Literaturkritik revolutionierte, Carl Gustaf af Leopold, Graf Johan Gabriel Oxenstierna und Frans Michael Franzén sowie Anna Maria Lenngren mit Idyllen und Satiren. Als bedeutendster schwedischer Lyriker des 18. Jahrhunderts gilt Carl Michael Bellman mit seinen kunstvollen schwedischen Liedern und Gedichten. In seiner Kritik des französischen Klassizismus – und in Anlehnung etwa an den deutschen Sturm und Drang – etablierte Thomas Thorild den Geniegedanken in der schwedischen Literatur.

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19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert stand die schwedische wie die gesamte europäische Literatur unter dem Zeichen der Romantik, die im Land jedoch erst zeitversetzt wirkte. Der wichtigste schwedische Romantiker war der vom deutschen Idealismus – und insbesondere vom Gedanken einer Universalpoesie Friedrich Wilhelm Joseph von Schellings – beeinflusste Per Daniel Amadeus Atterbom (Lycksalighetens Ö, 1824-1827; Die Insel der Glückseligkeit), Gründer des Dichterkreises Auroraförbundet (Aurorabund) und Herausgeber der programmatischen Zeitschrift Phosphoros. Des Weiteren traten Lorenzo Hammarskjöld (1785-1827) und Clas Johan Livijn (1781-1844) mit ihrem Werk hervor. Vilhelm Fredrik Palmblad (1788-1852) brillierte mit historischen Romanen (Familjen Falkensvärd, 1844/45; Die Familie Falkensvärd) ebenso wie mit Übersetzungen von Sophokles, Aischylos und Ludwig Tieck.

Das zeitgleich zur romantischen Bewegung stattfindende Wiedererstarken des Patriotismus brachte Autoren wie das Mitglied des Götischen Bundes und den (an den Gebrüdern Grimm, Achim von Arnim sowie Clemens Brentano geschulten) Sammler von Volksdichtung Erik Gustaf Geijer mit nationalromantischen Werken, Erik Johan Stagnelius und Esaias Tegnér (Frithiofs Saga, 1825; Die Frithjofs Sage) als schwedischen Nationaldichter ans Licht der Öffentlichkeit. Zu den bedeutendsten Autoren der Jahrhundertmitte und des ausklingenden 19. Jahrhunderts zählen die Romanciers Carl Jonas Love Almqvist (Törnrosens Bok, 14 Bde., 1832-1851; Dornenrosenbuch), Fredrika Bremer und Abraham Viktor Rydberg sowie der Finnlandschwede Johan Ludvig Runeberg. Das Werk dieser Schriftsteller markiert den Übergang von der Romantik zum Realismus. Weitere wichtige Autoren der Zeit waren Frederik Cederborgh (1784-1835), August Blanche (1811-1868), Abraham Victor Rydberg (1828-1895) und Carl Frederic Dahlgren (1791-1844), die eine eher idealistische Position vertraten, sowie Sophie von Knorring und Emilie Flygare-Carlén mit spezifischer Frauenliteratur. In einer nicht mehr der Romantik zuzurechnenden Lyrik setzten Carl Vilhelm Böttiger, Oscar Patric Sturzen-Becker, B. E. Malmström und Carl Vilhelm August Strandberg mit politischen Gedichten neue Akzente. Zur antimodernistischen Signaturgruppe gehörte Karl Pontus Wikner (1837-1888), der vor allem gegen die Zeitströmung des Naturalismus zu Felde zog.

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