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Sinotibetische Sprachen

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Sinotibetische SprachenSinotibetische Sprachen

Sinotibetische Sprachen, Sprachfamilie, bestehend aus über 300 Sprachen, die vom Nordosten Indiens nach Osten bis Taiwan und von China nach Süden bis zur Malaiischen Halbinsel verbreitet sind. Die Zugehörigkeit einzelner Sprachen und deren Verwandtschaftsverhältnisse untereinander sind nach wie vor umstritten. Wegen der vielen Entlehnungen ist es äußerst schwierig, den lexikalischen Grundbestand der einzelnen Sprachen zu rekonstruieren. In der Regel werden zwei Untergruppen gebildet: der sinitische Zweig, der aus Mandarin, Kantonesisch und weiteren chinesischen Sprachen besteht (siehe chinesische Sprache), und der tibetobirmanische Zweig, dessen bekannteste Vertreter Tibetisch und Birmanisch sind. Der tibetobirmanische Zweig, der mehr Sprachen umfasst und auch von einer größeren Vielfalt von Ethnien gesprochen wird als der sinitische, ist jedoch schwieriger zu klassifizieren und hat weniger Sprecher. Die tibetische Schrift wurde zwischen dem 7. und 9. Jahrhundert von buddhistischen Missionaren aus Indien entwickelt und stützt sich auf ein Alphabet, das dem indoarischen gleicht. Das birmanische Alphabet ist indischen Ursprungs und geht in seiner gegenwärtigen Form auf das 15. Jahrhundert zurück. Das Tibetobirmanische wird meist in vier Verzweigungen dargestellt, die sich in neun Verästelungen aufspalten. Der Ursprung vieler tibetobirmanischer Sprachen (von denen nur ein Bruchteil untersucht wurde) liegt u. a. auf dem Territorium des heutigen Tibet, Nepal, Birma, Westchina und des indischen Staates Assam.

Die Thai-Sprachen werden gelegentlich als dritter Zweig des Sinotibetischen betrachtet oder dem sinitischen Thaizweig (Sino-Thai-Gruppe) zugeordnet. Zu diesen zählen die thailändische Sprache (Thai, früher Siamesisch), Lao und wenig untersuchte Sprachen in Birma, Assam, Nordvietnam und im Südwesten Chinas. Vielfach werden die Thaisprachen auch den austroasiatischen Sprachen zugeordnet.

Die sinotibetischen Sprachen unterscheiden sich von den indogermanischen Sprachen u. a. durch zwei Haupteigenschaften: Sie sind isolierend oder monosyllabisch und verwenden Tonhöhen zur Bedeutungsunterscheidung. Vermutlich waren diese Sprachen früher einmal agglutinierend (mehrere grammatisch unterschiedliche Wortelemente wurden zu komplexen Wörtern zusammengefügt, die zusammenhängend einem deutschen Satz oder einer Phrase ähneln). Im Verlauf der Jahrhunderte wurden diese Sprachen monosyllabisch. In einer monosyllabischen Sprache werden keine Kasus- und Tempusmarkierungen anhand von Flexionsmorphemen vorgenommen. Stattdessen drückt jedes, in der Regel einsilbige (monosyllabische) Wort im Satz eine eigene Bedeutung aus. Bedeutung und Satzbau werden durch die Wortstellung und Partikel (Wörter, die grammatische Beziehungen oder einen Bedeutungsaspekt verdeutlichen) bestimmt. Die Wortarten wie Substantive, Verben und Adjektive werden nicht so deutlich unterschieden wie etwa im Deutschen. Dieser weitgehende Verlust von bedeutungstragenden Suffixen, Präfixen und Infixen mag zur Herausbildung einer weiteren bedeutenden Eigenschaft beigetragen haben. Diese besteht darin, dass die Veränderung der Tonhöhe in ansonsten gleich lautenden Worten eine Bedeutungsänderung zur Folge haben kann und manchmal auch eine grammatikalische Funktion übernimmt. In extremen Fällen, wie im Südosten Chinas, werden bis zu acht verschiedene Tonhöhen verwendet.

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