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Windows Live® Suchergebnisse Eugène IonescoEnzyklopädieartikel
Eugène Ionesco, rumänisch Eugen Ionescu, (1912-1994), französischer Schriftsteller rumänischer Herkunft. Beeinflusst von den Dramen Alfred Jarrys und Antonin Artauds sowie von der Dichtungskonzeption des Surrealismus, gehört er neben Samuel Beckett zu den wichtigsten Vertretern des absurden Theaters. Ionesco wurde am 26. November 1912 in Slatina (Rumänien) geboren. Bis zu seinem 13. Lebensjahr lebte er in Paris, dann kehrte er nach Rumänien zurück. Dort lehrte er als Gymnasialdirektor in Bukarest Französisch, bevor er 1938 nach Frankreich zurückkehrte. In Paris war er zunächst als Journalist und Korrektor, dann als freier Schriftsteller tätig. 1970 wurde Ionesco Mitglied der Académie française. Bereits Ionescos dramatisches Frühwerk lebt von der Komik absurder Situationen, die in keinem stringenten Szenenzusammenhang mehr stehen. Bewusst verweigern sich diese Stücke einer Deutung im Sinne des naturalistischen oder realistischen Theaters. Stattdessen spielen sie mit der Erwartungshaltung des Betrachters, der auf Verweisungsmomente zur außersprachlichen Realität – oder gar auf eine Botschaft im Sinn traditioneller Dramatik – hofft. Tatsächlich lässt die groteske Banalität der Darstellung bei Ionesco nur mehr mittelbar einen Rückschluss auf die Sinnlosigkeit der menschlichen Existenz zu. Im Grunde präsentiert er Theaterpuppen (der Einfluss des Marionettenspieles wird deutlich), deren Kommunikation zunächst auf rein innerdramatischer Ebene versagt. Vor allem seine seit den fünfziger Jahren entstandenen Stücke stellen die existentielle Problematik des Menschen in den Mittelpunkt. Bereits in seinem ersten Theaterstück La cantatrice chauve (1950, Die kahle Sängerin) arbeitete Ionesco mit den Möglichkeiten der dramatischen Farce, indem er die Entfremdung zweier Eheleute voneinander anhand der Monotonie ihres Dialogs offenbart. Das Verfahren eines mit Sprachwitz durchsetzten Geplappers nutzt Ionesco auch in dem komischen Drama La leçon (1950, Die Unterrichtsstunde): Hier piesackt ein Professor seine Privatschülerin mit grotesken Lehrsätzen. Am Ende gar ersticht er sie mit einem überdimensionalen Dolch. Das Thema menschlicher Brutalität wird so in einer Art und Weise überspitzt, wie sie Ionesco vom Theater der Grausamkeit Antonin Artauds her kannte. In Les chaises (1952, Die Stühle) schildert Ionesco die skurrile Konversation eines greisen Ehepaares mit seinen imaginären Gästen. Im Freitod beider wird die „Leere ihres Lebens” offenbar. Amédée ou Comment s’en débarrasser (1953, Amédée oder wie wird man ihn los), die Dramatisierung seiner Erzählung Oriflamme (Goldfackel), treibt die Absurdität des Geschehens in surrealer Metaphorik auf die Spitze: Hier wird ein in seiner Wohnung lebendig begrabenes Ehepaar mit einem seit fünf Jahren im Nebenzimmer ruhenden Toten konfrontiert, der im Verlauf des Stückes bedrohlich wächst. Die Abgelebtheit ihrer Beziehung ist somit ebenso eindringlich wie platt im Bild gebannt. Le nouveau locataire (1956, Der neue Mieter) mit seinem an einen Sessel gefesselten Protagonisten zeigt deutlich den Einfluss Becketts, der im Roman Murphy (1938) ein ähnliches Motiv zur Darstellung menschlichen Stillstandes benutzte. Auch in Les rhinocéros (1959, Die Nashörner) zeigt die Verwandlung der Figuren in Nashörner deren Stumpfsinn auf. Allerdings lässt Les rhinocéros dem Haupthelden Bérenger die Wahl zwischen der Uniformität der Nashörner und einem individuellen Leben – eine Wahl, die Ionesco seinen Protagonisten bisher verweigert hatte: „Ich bin der letzte Mensch! Ich werde es bleiben bis zum Ende! Ich kapituliere nicht!” Ionesco starb am 28. März 1994 in Paris. Weitere Stücke Ionescos sind La soif et la faim (1964, Hunger und Durst), Jeux de massacre (1970, Das große Massakerspiel) und L’homme aux valises (1977, Der Mann mit den Koffern). 1970 wurde Ionesco Mitglied der Académie française. Neben seinen Dramen und Erzählungen schrieb er Theaterkritiken, die Autobiographie Present Past, Past Present (1968) und Romane, darunter Le solitaire (1974, Der Einzelgänger).
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