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Alexej Nikolajewitsch Graf Tolstoj

Enzyklopädieartikel

Alexej Nikolajewitsch Graf Tolstoj (1883-1945), russischer Schriftsteller. Sein Werk setzt den Realismus innerhalb der russischen Literatur des 19. Jahrhunderts fort.

Tolstoj wurde am 10. Januar 1883 in Nikolajewsk (dem heutigen Pugatschow im Gebiet Saratow) geboren und studierte am Technischen Institut Sankt Petersburg. Der Sohn eines Großgrundbesitzers begann bereits früh autobiographische Erzählungen, Romane und Theaterstücke zu verfassen, die oftmals seine Kindheit und Jugend reflektierten, teils aber auch die russische Adelsschicht generell zum Thema hatten. Dies gilt etwa für das 1910 veröffentlichte Buch Chromoj Barin (Der hinkende Fürst). Im 1. Weltkrieg war Tolstoj als Berichterstatter tätig. Nach der Russischen Revolution von 1917 floh er aus seiner Heimat nach Paris und Berlin, kehrte aber 1923 wieder zurück und verzichtete fortan auf seinen Grafentitel. Auch machte er sich für kommunistische Ideen stark und publizierte vor allem ideologische Tendenzliteratur.

Tolstojs Hauptwerk ist Chozdenie po mukam (1921-1941; Der Leidensweg), eine Romantrilogie über das Los der Intellektuellen nach der Russischen Revolution von 1917, in welcher er sich letztlich zum Bolschewismus bekannte („Der Mensch hat für den Menschen das Recht gefordert, Mensch zu werden. Das ist kein Traum, das ist eine Idee, die verwirklicht werden kann ... Das Ziel ist gefunden”). Zu seinen weiteren Romanen gehören der nostalgisch-autobiographische Lebensbericht Detstvo Nikity (1922; Nikitas Kindheit), die von Tolstojs Freund H. G. Wells inspirierte und von Maxim Gorki als „fabulös” gebrandmarkte phantastische Romanutopie Aëlita (1922), eine Biographie Rasputins (1925), 1918 (1928) und der unvollendete historische Roman Pëtr Pervyj (3 Bde., 1929-1945; Peter der Große), für den er von Stalin ausgezeichnet wurde. Unter Tolstojs Dramen ragt Ivan Groznyj (2 Tle., 1941-1943; Iwan der Vierte) heraus: „Ich erweckte die große, leidenschaftliche Seele Iwans des Schrecklichen aus dem Nichtsein zum Leben, um mein eigenes ,in Wut geratenes Gewissen’ zu wappnen.”

Tolstoj ist der Großvater der Schriftstellerin Tatjana Nikitschna Tolstaja (*1951), die durch genau beobachtete Alltagsgeschichten aus Russland auch international Ansehen gewann (Sonja, 1991).

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