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Nationalsozialismus

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Adolf Hitler: „Deutschland, Sieg Heil!”Adolf Hitler: „Deutschland, Sieg Heil!”
Artikelgliederung
1

Einleitung

Nationalsozialismus, extrem nationalistische, völkisch-antisemitische, revolutionäre Bewegung in Deutschland, die sich unter der Führung Adolf Hitlers in der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) organisierte und auf deren Basis Hitler 1933 in Deutschland ein faschistisches Regime errichtete.

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Die Anfänge der Bewegung

Der 1. Weltkrieg mit all seinen tief greifenden Umwälzungen – das Trauma der Niederlage am Ende des Krieges, der Zusammenbruch des Kaiserreiches, die Erschütterung durch die Novemberrevolution, das so genannte „Friedensdiktat” des Versailler Vertrags – sowie die noch auf äußerst schwachen Füßen stehende Weimarer Republik und die wirtschaftliche Not der Nachkriegszeit waren der Nährboden, auf dem nach dem Krieg zahlreiche rechtsgerichtete, völkische, nationalistische Gruppierungen entstanden. Die Schuld für die „schmachvolle” Niederlage schrieb man völlig unkritisch und undifferenziert Kommunisten, Sozialisten, Bolschewisten und besonders den Juden zu, die man mit Marxismus und internationalem Kapitalismus gleichsetzte und denen man Weltherrschaftsstreben unterstellte.

Eine dieser rechtsgerichteten Gruppierungen war die im Januar 1919 im revolutionären München von dem Schlosser Anton Drexler gegründete Deutsche Arbeiterpartei, die sich ein Jahr später in Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei umbenannte. Im September 1919 trat Hitler der Partei bei; außerdem gehörten ihr bereits in der Anfangsphase an: der Publizist Dietrich Eckart, der Herausgeber des Presseorgans der Partei, des Völkischen Beobachters, der Reichswehroffizier Ernst Röhm, der spätere Chefideologe der NSDAP Alfred Rosenberg, und auch Julius Streicher gehörte in den Umkreis der NSDAP.

Am 24. Februar 1920 stellten Drexler und Hitler ihr gemeinsam erarbeitetes 25-Punkte-Parteiprogramm vor. Zentrale Schlagworte waren: Schaffung eines Großdeutschland in den „Volkstumsgrenzen” mit einer starken Zentralgewalt; Revision des Versailler Vertrages; Durchführung einer Bodenreform; Erweiterung des Lebensraumes zur Ernährung und Ansiedlung der deutschen Bevölkerung; Verstaatlichung der Großunternehmen und Einführung einer Gewinnbeteiligung der Arbeiter in den Großunternehmen; Verbesserung der Volksbildung; Durchsetzung „positiven” Christentums „auf der Grundlage des Sittlichkeits- und Moralgefühls der germanischen Rasse”; Ausrichtung der Politik an rassischen Kriterien; Verweigerung der Staatsbürgerrechte gegenüber Juden und ihre Ausweisung aus Deutschland. Das Programm war eine Mischung aus populärsozialistischen und nationalistisch-antisemitischen Ideen, die vor allem das Kleinbürgertum, aus dem sich anfangs zum großen Teil die NSDAP-Anhänger rekrutierten, ansprachen. In der Praxis allerdings war das 25-Punkte-Programm relativ bedeutungslos – von den 25 Punkten blieben schließlich lediglich vier relevant: Großdeutschland, Aufhebung des Versailler Vertrages, Erweiterung des Lebensraumes und Ausgrenzung der Juden –; programmatisch wirkte vielmehr Hitlers unermüdliche Agitation, mit der er sein relativ einfaches und eingängiges Konzept publikumswirksam verbreitete. Nationalistische Programmdiskussionen hatten sich als erfolglos erwiesen, wenn es darum ging, Anhänger zu mobilisieren; daher machte Hitler ein simplifiziertes, konkretes Freund-Feind-Modell zur Basis seiner Agitation: Um seinen Aufstieg zur Weltmacht, als die es durch seinen Elitecharakter prädestiniert sei, zu erreichen, müsse das deutsche Volk das Judentum, das das deutsche Volk bedrohe, bekämpfen, insbesondere die „Judenherrschaft”, die mit der Weimarer Republik über Deutschland hereingebrochen sei. Mit seiner radikalen, extrem antisemitischen Propaganda hob Hitler sich und die NSDAP deutlich von den anderen Rechtsgruppierungen ab.

Am 11. Juli 1921 trat Hitler aus der NSDAP aus. Grund waren Differenzen mit der Parteiführung wegen eines möglichen Zusammenschlusses mit anderen Rechtsparteien; Hitler befürchtete, dass dadurch seine bevorzugte Art der politischen Arbeit, die Massenagitation, zugunsten einer ausgearbeiteten Programmatik zurückgedrängt würde. Am 29. Juli wählte die NSDAP in Reaktion auf seinen Austritt Hitler zum Vorsitzenden mit nahezu absoluter Führerstellung, erklärte ihn in ihrer neuen Parteisatzung für unabhängig von Mehrheitsbeschlüssen des Vorstandes und bestätigte das 25-Punkte-Programm.

Gleichzeitig wurde auch die an ihren Hakenkreuzbinden kenntliche, militaristisch auftretende Saalschutztruppe, die spätere Sturmabteilung (SA), umorganisiert. Deren Radikalität und Gewaltbereitschaft erwies sich z. B. auf dem von nationalen Verbänden einberufenen „Deutschen Tag” am 14./15. Oktober 1922 in Coburg, wo sich etwa 800 SA-Männer heftige Straßenkämpfe mit Linken lieferten.

Die NSDAP war zunächst beinahe ausschließlich in Süddeutschland, besonders Bayern, vertreten und profilierte sich hier u. a. durch ihr Auftreten auf dem „Deutschen Tag” und durch ihre Massenveranstaltungen als lauteste, radikalste antirepublikanische Partei, die sich jedoch selbst nicht als Partei verstand, sondern als revolutionäre Bewegung. Ihre Mitglieder kamen vorzugsweise aus dem Mittelstand, vor allem dem unteren, der infolge der wirtschaftlichen Probleme der Nachkriegszeit seinen sozialen Status bedroht sah und daher besonders aufgeschlossen war für die Agitation gegen die Weimarer Regierung; und sie kamen aus verschiedenen Wehrverbänden und schlossen sich in großer Zahl der SA an, die durch diesen großen Zulauf ein bedrohliches Eigengewicht innerhalb der Partei bekam. Hitler war überzeugt, dass die gesellschaftlich und politisch relevanten Kräfte wie Militär und Verwaltung als potentielle Machtmittel in Hinblick auf einen inneren Entscheidungskampf im Sinne der NSDAP beeinflusst werden mussten, und suchte und fand daher die Verbindung zu diesen Kräften, z. B. zu dem ehemaligen General Erich Ludendorff; durch solche Verbindungen begann sich Hitler gesellschaftlich und politisch zu etablieren.

In einer Atmosphäre wachsender Unsicherheit und Unruhe in der jungen Weimarer Republik schlossen sich auf einem weiteren „Deutschen Tag” am 1./2. September 1923 in Nürnberg, an dem etwa 50 000 Menschen teilnahmen, mehrere bayerische Kampfverbände zum „Deutschen Kampfbund” zusammen; am 25. September wurde Hitler dessen politischer Leiter. Im November 1923 schien Hitler die politische Situation in Deutschland geeignet, eine nationale Erhebung zu entzünden und die „Judenherrschaft” zu beseitigen, zumal da ihm die Putschbereitschaft führender Konservativer und Militärs in Bayern und im Reich bekannt war. An der Spitze des „Deutschen Kampfbundes” initiierte er am 8./9. November in Analogie zu Mussolinis Marsch auf Rom einen Marsch auf die Münchner Feldherrnhalle, um die bayerische und im Anschluss mit einem Marsch auf Berlin die Reichsregierung zu stürzen (siehe Hitlerputsch). Gegen Hitlers Erwartungen wurde der Putsch von der bayerischen Staatsgewalt niedergeschlagen; Hitler wurde verhaftet und wegen Hochverrats zu Festungshaft verurteilt und die NSDAP, die mittlerweile auf 55 000 Mitglieder angewachsen war, verboten. Bis zur Neugründung der Partei 1925 sammelten sich die Mitglieder in verschiedenen völkischen Gruppierungen.

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Die Ideologie

Während seiner Festungshaft verfasste Hitler den ersten Band von Mein Kampf (1925); in ihm sowie im zweiten Band (1926) von Mein Kampf und im Zweiten Buch (1928) legte er seine nationalsozialistische Weltanschauung nieder. Hitlers Ideologie ist keine stringent ausgearbeitete, in sich schlüssige Lehre, sondern eher ein Zielekatalog, der durchaus Abweichungen innerhalb des vorgegebenen Rahmens zuließ. Kern seiner Ideologie waren ein auf die Lehren Gobineaus und Chamberlains zurückgreifender rassisch motivierter, radikaler Antisemitismus und die Doktrin des Lebensraumes; die Vernichtung des Judentums und die Schaffung von Lebensraum war nach Hitlers Auffassung durch einen einzigen Krieg gegen die Sowjetunion zu erreichen; daran anschließen sollte sich die Erringung der Herrschaft auf dem ganzen europäischen Kontinent, dann das Ausgreifen nach Übersee und der Kampf mit den USA um die Weltherrschaft. Am Ende stünde die Herrschaft eines „Herrenvolkes”. Hitler ging mit seinen sozialdarwinistisch und rassisch motivierten Vorstellungen davon aus, dass die Geschichte ein permanenter Kampf der Völker um Selbsterhaltung, Vermehrung und Erweiterung ihres Lebensraumes sei, an dessen Ende das „rassisch wertvollere” Volk über die „rassisch minderwertigen” Völker siegen werde. „Rassisch hochwertig” und allein kulturfähig sei einzig die arische, die nordische Rasse; „minderwertig” und kulturzerstörend seien z. B. die Slawen. Wie sich im universalen Rahmen das rassisch wertvolle Volk durchsetze, so setze sich im nationalen Rahmen die rassisch wertvolle Persönlichkeit durch, die die Führung der Volksgemeinschaft beanspruchen dürfe (siehe Führerprinzip). Die Juden seien rassisch minderwertig und unfähig, einen lebensfähigen Staat zu bilden, und versuchten deshalb, sich mit rassisch höheren Völkern zu verbinden bzw. sie zu versklaven, um sich selbst zu erhalten. Außerdem würden sie, da sie die Wertunterschiede zwischen den Rassen und die Notwendigkeit des Lebenskampfes zwischen den Völkern ignorierten, internationalistisch agieren und über internationale Bewegungen (z. B. Marxismus, Bolschewismus, Demokratie, Liberalismus, die folgerichtig ebenso wie das Judentum abzulehnen und genauso radikal zu bekämpfen waren) die Welt dominieren; das deutsche Volk als rassisch wertvolles habe daher die Aufgabe, die Juden, die Inkarnation des Bösen, zu bekämpfen und den Lebenskampf zwischen den Völkern wieder zu aktivieren.

Daraus folgte zwangsläufig die Legitimierung des Krieges sowie der Primat der Außenpolitik, dem alle anderen Bereiche der Politik zuzuarbeiten hätten. Konkret sollte der Weg zur Weltherrschaft folgendermaßen aussehen: Übernahme der Macht in Deutschland, weltanschauliche Indoktrination der Bevölkerung u. a. durch die Beseitigung der Gegensätze innerhalb der Bevölkerung, Aufrüstung sowie Bündnisse mit Italien und Großbritannien; sodann Krieg gegen Frankreich, um den Rücken für den anschließenden Krieg im Osten frei zu haben und den Versailler Vertrag endgültig zu revidieren; und schließlich die Gewinnung von neuem Lebensraum im Osten durch einen Krieg gegen die Sowjetunion.

Für die Massen bestechend und verlockend war die Tatsache, dass sich im Nationalsozialismus scheinbar die zwei Ideologien verbanden, die seit dem späten 19. Jahrhundert die politische Auseinandersetzung dominierten und die bislang als unvereinbar galten: Nationalismus und Sozialismus, d. h. nationale Stärke und sozialer Staat. Die Verbindung dieser beiden Begriffe in der neuen Formel „Nationalsozialismus” (unabhängig von dessen tatsächlichem ideologischen Inhalt) war nahezu ideal, um Wähler zu mobilisieren und gleichzeitig integrierend zu wirken. Neben dem Mittelstand, der das Gros der NSDAP-Wähler stellte, konnte sich auch die Arbeiterschaft durch die im Begriff Nationalsozialismus implizierte soziale Gerechtigkeit angesprochen fühlen; und da ein klar formuliertes, in sich abgeschlossenes Programm fehlte, die Partei vielmehr taktisch äußerst flexibel agierte, konnten sich zahlreiche Einzelinteressen in der NSDAP vertreten sehen. Weitere Gründe für den Erfolg der Partei waren die intensive Betonung der „Volksgemeinschaft”, d. h. des Zusammengehörigkeitsgefühls der Deutschen, und die soziale Gleichberechtigung aller innerhalb der Gemeinschaft (die Gleichberechtigung aller „Arier”; Juden und andere „Minderwertige” waren von der Gemeinschaft ausgeschlossen); die Anerkennung, zum Teil sogar Förderung der nationalsozialistischen Ziele durch die etablierten Kräfte; die tiefe soziale und politische Krise im Deutschland der Weimarer Republik, und ein allgemeiner politischer Rechtsruck Mitte der zwanziger Jahre, der europaweit zur Entstehung von autoritären Regimes führte.

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Der Aufstieg des Nationalsozialismus

Nach seiner Entlassung aus der Festungshaft gründete Hitler am 27. Februar 1925 die NSDAP neu und revidierte zugleich die Strategie der Partei in zwei entscheidenden Punkten: Die Partei war nun, straff organisiert und regional untergliedert, in ganz Deutschland präsent, und die Partei gab ihre Putschtaktik auf und strebte die Macht auf legalem Wege an. Die Mobilisierung der Massen wurde daher noch intensiviert, u. a. durch die Gründung verschiedener nationalsozialistischer Kampfverbände (z. B. die spätere Hitler-Jugend sowie Berufs- und andere Sonderverbände), mit denen möglichst breite Schichten der Bevölkerung erfasst werden sollten.

Das erste Jahr nach der Neugründung der NSDAP war geprägt von ideologischen Auseinandersetzungen innerhalb der Parteiführung und von den Rivalitäten verschiedener Gruppierungen innerhalb der Partei. Bereits im Mai 1925 trat Röhm aufgrund von Differenzen mit Hitler über den Status der SA – eigenständiger Wehrverband oder Organisation der Partei – als Leiter der SA zurück; am 9. November 1925 wurde die Schutzstaffel (SS) als innerparteiliches Gegengewicht zur SA gegründet. Bis zum Februar 1926 hatte sich Hitler mit seinem ideologischen Alleinvertretungsanspruch gegen die zentrifugalen Tendenzen der nord- und westdeutschen „linken” NSDAP-Gaue durchgesetzt, die versucht hatten, sich unter der Führung von u. a. Joseph Goebbels und Georg Strasser programmatisch von der Münchner Parteileitung abzusetzen, und am 22. Mai 1926 wurde Hitler von der Generalmitgliederversammlung einstimmig als Vorsitzender der NSDAP bestätigt. Goebbels und Strasser schwenkten auf Hitlers Linie ein; Goebbels wurde im November 1926 Gauleiter in Berlin und am 2. Januar 1928 Reichspropagandaleiter; Strasser wurde am selben Tag Reichsorganisationsleiter. Die Partei hatte sich entsprechend den Vorstellungen Hitlers konsolidiert, aber Wahlerfolge blieben vorerst aus: bei den Reichstagswahlen von 1928 erreichte die NSDAP 2,6 Prozent der Stimmen bzw. zwölf Reichstagssitze.

Die im Oktober 1929 ausgebrochene Weltwirtschaftskrise sowie die sich zuspitzende Staatskrise der Weimarer Republik verhalfen der Partei zum Aufstieg: Bei den Reichstagswahlen vom September 1930 erhielt die NSDAP 18,3 Prozent der Stimmen, also 107 der 577 Reichstagssitze. Sie war damit zweitstärkste Fraktion nach der SPD und in der zersplitterten Parteienlandschaft eine nicht mehr zu übergehende Kraft, und sie verhinderte eine Mehrheit der Weimarer Koalition im Reichstag. Mit ihrer radikalen Agitation gegen die Weimarer Republik verschärfte die NSDAP deren wirtschaftliche und politische Krise, aus der sie wiederum Nutzen zog: Bei den Reichstagswahlen vom 31. Juli 1932 bekam sie 37,3 Prozent der Stimmen und war nun die mit Abstand stärkste Fraktion.

Für den raschen Aufstieg der Partei innerhalb von zwei Jahren von der radikalen Splittergruppe zur Massenpartei waren mehrere Faktoren verantwortlich: Entscheidend war der Hitler-Kult, der Hitler als den Retter des deutschen Volkes erscheinen ließ. Daneben war in der sozialen und ideologischen Krise der ausgehenden Weimarer Republik die Parole von der „Volksgemeinschaft” äußerst wirksam: Sie versprach die Überwindung der politischen und sozialen Spaltung und suggerierte sowohl eine gerechte Sozialordnung als auch Sinnstiftung. Dazu kam eine äußerst wirkungsvolle Massenagitation, die auf konkrete, ausgearbeitete Programme verzichtete und sich auf die Formulierung ihrer Ziele in Schlagworten beschränkte. Die NSDAP erschien als entschlossene, starke Kraft, die in der Lage wäre, die Krise zu überwinden.

Innerhalb der traditionellen Eliten fand die NSDAP Anlehnung an andere völkisch-nationale Gruppierungen und Parteien, wie z. B. an die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) unter Alfred Hugenberg und an den Stahlhelm, mit denen sie sich im Oktober 1931 als „Nationale Opposition” zur Harzburger Front zusammenschloss; dabei betonte Hitler jedoch immer die Eigenständigkeit seiner Bewegung und baute unabhängig von den anderen konservativen Gruppen seine Massenbewegung kontinuierlich weiter aus. Die Bündnisse zwischen etablierten nationalkonservativen Kräften und der NSDAP waren von beiden Seiten Zweckbündnisse: Hitler brauchte die Unterstützung der Etablierten, um mit seiner nichtetablierten Bewegung auf legalem Wege an die Macht zu kommen; die Nationalkonservativen erwarteten sich von der Massenbewegung NSDAP die Legitimierung ihres autoritären Kurses. Eine weitere Elite, die Großindustrie, hielt sich vorerst noch von Hitler fern und unterstützte ihn bis März 1933 kaum. Sie leistete ihm jedoch insofern Dienste, als sie zusammen mit anderen Eliten im Staat den Niedergang der Demokratie und die Hinwendung zu einem autoritären System förderte.

Bereits knapp zwei Monate vor den Reichstagswahlen vom Juli 1932, unmittelbar nach dem Sturz des Reichskanzlers Heinrich Brüning, hatte dessen Nachfolger Franz von Papen Hitler zur Tolerierung seines „Kabinetts der nationalen Konzentration” aufgefordert und erbrachte Hitler gegenüber Vorleistungen: Papen beraumte die Juli-Neuwahlen an und hob das im April 1932 erlassene SA-Verbot auf. Nach der Wiederzulassung der SA brachen überall im Reich bürgerkriegsähnliche Kämpfe zwischen der SA und Linken aus; diese Kämpfe lieferten Papen den Vorwand, über Preußen den Ausnahmezustand zu verhängen und die preußische Regierung im so genannten Preußenputsch absetzen zu können.

Nach seinem Erfolg bei den Juli-Wahlen lehnte Hitler eine Regierungsbeteiligung ab und forderte vom Reichspräsidenten Paul von Hindenburg die volle Regierungsverantwortung. Papen fand keine parlamentarische Mehrheit, der Reichstag wurde aufgelöst. Bei den folgenden Wahlen am 6. November verlor die NSDAP über 4 Prozent. Eine Alleinregierung schien in weite Ferne gerückt; trotzdem verweigerte sich Hitler im Bewusstsein, dass eine Regierung ohne die NSDAP nicht möglich war, erneut einer Regierungsbeteiligung. Innerparteiliche Kritiker wie z. B. Georg Strasser sprachen sich für eine Regierungsbeteiligung im Kabinett Kurt von Schleichers, Papens Nachfolger, aus, konnten sich jedoch gegen Hitlers kompromisslosen Kurs nicht durchsetzen. In der zweiten Januarhälfte 1933 erbrachten informelle Verhandlungen zwischen Vertretern der „Nationalen Front” (u. a. Hitler, Hugenberg, Papen und der Sohn des Reichspräsidenten) den Plan einer Regierung aus NSDAP und Konservativen, wobei die bürgerlichen Konservativen den Reichskanzler Hitler sozusagen „einrahmen” und „zähmen” sollten. Nach dem Rücktritt des Reichskanzlers Kurt von Schleicher am 28. Januar 1933 ernannte der Reichspräsident unter massivem Druck am 30. Januar 1933 Hitler zum Reichskanzler eines nationalen Koalitionskabinetts. Zuvor hatte Hitler offen das Ende des Weimarer Systems zu seinem vorrangigen innenpolitischen Ziel erklärt.

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