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Artikelgliederung
Kakteengewächse, Familie meist dorniger, sukkulenter (dickfleischiger) Bäume, Sträucher oder Zwergsträucher aus der Ordnung der Nelkenartigen, die ursprünglich aus Amerika stammen, aber auch in andere Regionen (wie Australien, Afrika und in die Mittelmeerländer) eingeführt wurden. Die Familie besteht aus etwa 86 Gattungen mit 2 000 Arten, von denen die meisten an ein arides Klima angepasst sind und lange Trockenzeiten überdauern können. Diese Eigenschaft bedingt auch ihre xeromorphe, d. h. an Trockenheit angepasste Wuchsform. Dadurch wird eine Wasserbevorratung möglich, zumal die kleine Oberfläche, insbesondere der kugelförmigen Kakteen, nur wenig Wasser verdunstet. Verbreitungsgebiete sind daher vor allem die Halbwüsten Nord-, Mittel- und Südamerikas, obgleich auch im tropischen Regenwald auf den Ästen im oberen Kronendach epiphytische Kakteen vorkommen. Dort haben sie saisonbedingt lange Trockenzeiten zu überdauern. Das Wurzelwerk der Kakteen entwickelt sich meist nahe der Bodenoberfläche, da in tieferen, für andere Pflanzen erreichbaren Zonen kein Wasser vorhanden ist. Deshalb muss das Tauwasser wie auch das spärliche Regenwasser aufgenommen werden, ehe es wieder verdunstet ist. Die Dichte, in der man Kakteen auf ihren natürlichen Standorten vorfindet, ist von der Regenhäufigkeit abhängig: Je weniger Regen, desto weiter stehen die einzelnen Pflanzen voneinander entfernt. Wegen ihrer auffälligen Wuchsform und der prächtigen Blüten werden alle bekannten Kakteenarten heute von Pflanzenliebhabern in Kultur gehalten. Routinemäßig vermehrt man sie zwar in Gärtnereien, doch führt die Sammelleidenschaft der Kakteenliebhaber dazu, dass oft genug die natürlichen Standorte seltener Arten geplündert werden. Manche Kakteen befinden sich bereits auf der Liste bedrohter Pflanzen und können zuverlässig nur noch in Kultur vorgefunden werden.
Die meisten Kakteen zeichnen sich durch Dornen aus; Zweige und Blätter sind durchwegs zu Dornen umgewandelt, die auf kleinen Polstern, so genannten Areolen, stehen. Manchmal werden auch zusätzliche Büschel von Stacheln gebildet, die so genannten Glochiden, die bei Berührung abbrechen und wegen ihrer feinen Widerhaken in der Haut stecken bleiben. Lediglich zwei Gattungen der Kakteen, nämlich Pereskia und Pereskiopsis, besitzen ganz normale, eiförmige Blätter und nur winzige Dornen. Die Kakteengewächse werden in drei Unterfamilien gegliedert: Die oben erwähnten Pereskioideae mit der häufig kultivierten Pereskia aculeata sind kletternde, dünnstängelige Rutensträucher, die normale Blätter entwickeln, aber auch Dornen, mit denen sie oft auf andere Pflanzen klettern und dadurch ihr schwaches Gerüst stützen. Die zweite Unterfamilie bilden die Opuntioideae, wozu der Echte Feigenkaktus gehört. Die dritte und größte Unterfamilie der Kakteen bilden die Cereoideae. Hier sind die vielen kugelig oder säulenförmig wachsenden Kakteen eingegliedert, so auch die Weihnachtskakteen. Unter letzterer Bezeichnung fasst man eine Vielzahl epiphytisch wachsender Arten zusammen, die lange, wenig bedornte, dreikantige oder auch flache Stängel besitzen und durch ihre meist großen, prächtigen, roten, blauroten oder weißen Blüten auffallen. Die Blüten der Kakteen sind häufig als Einzelblüten ausgebildet und kommen nur selten in Blütenständen vor. Das Perianth (Blütenhülle) besteht nicht aus eindeutig getrennten Kelchblättern, sondern aus einer ganzen Reihe von Hochblättern (modifizierten Blättern), die allmählich von grünen Kelchblättern zu farbigen Blütenblättern übergehen. Die Blüten besitzen meist sehr viele Staubblätter. Der Fruchtknoten von Kakteen ist unterständig und mit dem Perianth verwachsen. Die Farben der Blüten reichen von reinem Weiß über Gelb, Orange, Violett bis zu tiefem Rot; nur Blau kommt nicht vor. Diese Farben werden nicht durch die sonst bei Pflanzen vorkommenden Pigmente wie Anthocyane und Flavonoide erzeugt: Sie bilden die eigene Verbindungsklasse der Betalaine, die als stickstoffhaltige Substanzen eng mit Alkaloiden verwandt sind, ohne jedoch giftig zu sein. Die Bestäubung der großblütigen Arten erfolgt durch Fledermäuse, die in die nektarhaltigen Blüten eindringen und diese dabei regelrecht zerfleddern. Wegen dieser Bestäubungsökologie öffnen sich solche Blüten erst in der Nacht; gleichzeitig geben sie als Orientierungshilfe einen charakteristischen Duft ab. Ein Paradebeispiel für das nächtliche Aufblühen bietet die „Königin der Nacht”: Sie ist ein verhältnismäßig dünnstängeliger Kaktus von rankender Wuchsform, der in Mittelamerika heimisch ist und wegen seiner prächtigen Blüten von vielen Kakteenliebhabern in Kultur gehalten wird. Die Blüten, deren gelbliche Kelche bei einem Durchmesser von 20 Zentimetern durchaus 30 Zentimeter lang werden können, beginnen sich abends zu öffnen und erreichen um Mitternacht ihre volle Entwicklung. Am Morgen sind die einen intensiv süßen, vanilleartigen Duft ausströmenden Blüten bereits wieder verwelkt. In ihrer ursprünglichen Heimat werden sie durch Nachtschmetterlinge bestäubt.
Die wirtschaftliche Bedeutung der Kakteen ist, abgesehen von ihrer Funktion als Zierpflanzen, nicht sehr groß. Meist werden die Früchte der Großkakteen geerntet, so die hühnereigroßen Früchte des Echten Feigenkaktus, und zu Konfitüren verarbeitet. Dieser weltweit am häufigsten anzutreffende Kaktus wird auch als Hecke gepflanzt und findet in einer dornenlosen Sorte Verwendung als Viehfutter. Der größte Kaktus dürfte wohl der Kandelaberkaktus oder Saguaro aus der Sonorawüste Arizonas sein, der eine Höhe von 15 Metern und ein Gewicht von zehn Tonnen erreichen kann. Seine Früchte dienten früher den Indianern der Sonorawüste als Nahrung. Mit Gewichten bis 1,5 Kilogramm sind die Pitahaya genannten Früchte des Hylo-Kaktus die wohl größten Kakteenfrüchte. Von ethnologischer Bedeutung ist der Peyotl aus den Wüsten Mexikos und Texas. Er enthält etwa 15 Alkaloide (vorwiegend Mescalin), die Indianer seit den Zeiten der Azteken bei Kulthandlungen als halluzinogene Rauschgifte verwenden, um sich in Trance zu versetzen. Viele nicht mit den Kakteen verwandte Pflanzengruppen haben sich ebenfalls an das Überleben in ariden Regionen angepasst und sind daher den Kakteen in ihrer äußeren Erscheinung oft recht ähnlich. Man bezeichnet diese deshalb auch als Xerophyten und ihr Erscheinungsbild als xeromorph. So sehen beispielsweise viele Wolfsmilchgewächse aus wie Kakteen. Sie sind im Gegensatz zu den Kakteen in Afrika heimisch und nehmen ökologisch dort deren Platz ein. Tritt beim Anritzen einer fraglichen Pflanze weißer Milchsaft aus, so handelt es sich auf keinen Fall um einen Kaktus.
Kakteengewächse bilden die Familie Cactaceae der Ordnung Caryophyllales. Der Echte Feigenkaktus heißt botanisch Opuntia ficus-indica, der Kandelaberkaktus Carnegiea gigantea. Weihnachtskakteen gehören zu den Gattungen Epicactus Epiphyllum und Zygocactus. Die „Königin der Nacht” heißt Selenicereus grandiflorus. Die Pitahaya-Früchte stammen von Hylocereus undatus, der Peyotl-Kaktus heißt Lophophora williamsii. Wolfsmilchgewächse bilden die Familie Euphorbiaceae.
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