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Roy Lichtenstein

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Whaam (1963), Tate Gallery, LondonWhaam (1963), Tate Gallery, London

Roy Lichtenstein (1923-1997), amerikanischer Maler, Graphiker und Bildhauer. Mit seinen Comicbildern schuf er Hauptwerke der Pop-Art.

Lichtenstein wurde am 27. Oktober 1923 in New York City geboren. 1940 begann er an der Ohio State University in Columbus ein Kunststudium, das er – nach einer dreijährigen Unterbrechung – 1949 abschloss. Lichtensteins erste Bilder waren Kopien nach Vorlagen von Pablo Picasso und Georges Braque. Später entwickelte er einen eigenständigen Stil, der Elemente des Kubismus und des Expressionismus verband. 1949 nahm der Maler erstmals an einer Gemeinschaftsausstellung teil.

1951 wurde Lichtenstein für eines seiner Werke mit dem Brooklyn Museum Purchase Award geehrt; viele seiner Bilder wurden in die Sammlung des Brooklyn Museum aufgenommen. In Manhattan hatte er im selben Jahr seine erste Einzelausstellung. Von seiner Kunst konnte er jedoch immer noch nicht leben, so dass er seinen Lebensunterhalt mit Gelegenheitsjobs bestreiten musste. Ab 1954 deutete sich ein Stilwechsel an: Lichtenstein integrierte gefundene Objekte in seine Bilder und verwischte damit die Grenze zwischen Gemälde und Skulptur. 1956 entstand die in 25-facher Ausfertigung gedruckte Lithographie Ten Dollar Bill, die zu seinen frühesten Werken der Pop-Art zählt. Im folgenden Jahr erhielt Lichtenstein an der State University of New York in Oswego eine Assistenzprofessur für Kunst.

1960 wechselte Lichtenstein als Dozent an das Douglas College in New Jersey. Hier traf er u. a. auf Künstler wie Claes Oldenburg, Robert Rauschenberg und Jasper Johns, die ebenso zu einflussreichen Vertretern der Pop-Art werden sollten. Mit Look Mickey (1961) entstand Lichtensteins erstes Werk, in dem er ein Comicvorbild umsetzte. Erstmals integrierte er eine Sprechblase in ein Bild und verwendete so genannten Benday Dots, überdimensionierte Punkte, die der Rasterstruktur der gedruckten Vorbilder entlehnt waren. Lichtenstein versuchte sich auch daran, einfache Konsumgüter in seiner Kunst zu verarbeiten – eine Richtung, die Andy Warhol fast zeitgleich zur Meisterschaft führte.

Große Aufmerksamkeit erregte Lichtenstein mit seinen Bildern Takka Takka (1962) und Whaam (1962). Nach Kriegscomics gestaltet, zeigen sie ein feuerndes Maschinengewehr bzw. die Explosion eines Flugzeugs. 1967 erwarb die Londoner Tate Gallery Whaam, bereits 1965 hatte das Amsterdamer Stedelijk Museum das Bild As I Opened Fire (1964) in seine Sammlung integriert. Die Pop-Art hatte sich als neue Stilrichtung etabliert. 1964 gestaltete Lichtenstein für die New Yorker Weltausstellung ein großes Wandgemälde, dem bis in die neunziger Jahre weitere folgten. Auf der Kunst-Biennale in Venedig repräsentierte er 1966 die Vereinigten Staaten. Als 1971 auf einer Auktion 75 000 US-Dollar für Lichtensteins Big Painting No. 6 (1965) gezahlt wurden, war dies der bis dahin höchste Preis für ein Gemälde eines lebenden Künstlers. Die Marktposition seiner Werke entwickelte sich rasant: 1988 erzielte Torpedo … Los! (1963) 5,5 Millionen US-Dollar. Lichtenstein blieb bis zu seinem Lebensende kreativ, knüpfte aber inhaltlich nicht mehr an seine Comic-Adaptionen an. Er starb am 29. September 1997 in New York City.

Lichtenstein war ein vielseitiger Künstler. Er experimentierte mit Collagen und fertigte Skulpturen aus Stahl. Es entstanden Bilder, die er mit Schwämmen statt Pinseln malte, und Lithographien. Für die Olympischen Sommerspiele in Barcelona 1992 errichtete Lichtenstein eine fast 20 Meter hohe Skulptur im Stil der Architektur von Antoni Gaudí. 1993 begann er eine Serie mit weiblichen Akten.

Meistens wird die Würdigung Lichtensteins auf seine Bilder im Comicstil reduziert, mit denen er einer der Protagonisten der Pop-Art wurde. Eine bekannte Serie dieser Periode befasst sich mit verängstigten oder weinenden Frauen, z. B. M-Maybe, Bild eines Mädchens (1965). Es zeigt eine blonde Frau, deren Gesicht in Benday Dots dargestellt ist. Vor dem Hintergrund einer amerikanischen Großstadt ist in einer Denkblase ein banaler Text zu lesen: „M-Maybe he became ill and couldn’t leave the studio.” Nach eigener Aussage ging es Lichtenstein um „konventionelle, stereotype und letzten Endes leere Emotion”. Seine Kunst, wie die aller Vertreter der Pop-Art, bestand darin, Trivialität und Alltäglichkeit künstlerisch verfremdet darzustellen und so neue Sichtweisen zu eröffnen.

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