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KreuzzügeEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Hintergrund; Der 1. Kreuzzug; Der 2. Kreuzzug; Saladin und der 3. Kreuzzug; Die späteren Kreuzzüge; Die Folgen der Kreuzzüge
Den 6. Kreuzzug (1248-1254) organisierte und finanzierte König Ludwig IX., der Heilige, von Frankreich, nachdem die Muslime 1244 Jerusalem zurückerobert hatten. Ende August 1248 segelte Ludwig nach Zypern ab, wo er den Winter über blieb. Am 5. Juni 1249 landete er in Ägypten und eroberte am folgenden Tag Damiette. Der Angriff auf Kairo im Frühjahr 1250 endete jedoch mit einer Katastrophe: Im April 1250 musste Ludwig kapitulieren, geriet mit seinem gesamten Heer in Gefangenschaft und kam erst gegen ein hohes Lösegeld und die Übergabe Damiettes wieder frei. Anfang Mai 1250 segelte er nach Akko ab und verbrachte die folgenden vier Jahre im Heiligen Land, wo er die Verwaltung neu organisierte und Festungen neu bzw. wieder errichten und ausbauen ließ. Erst im Frühjahr 1254 kehrte er nach Frankreich zurück. Ludwigs Kreuzzug war gescheitert; was blieb von seinem langen Aufenthalt im Heiligen Land, war das Interesse Frankreichs an Palästina. Ludwig initiierte auch den 7. und letzten großen Kreuzzug (1270), dessen Ziel Tunis war. Der Kreuzzug endete abrupt mit dem Tod Ludwigs, der zusammen mit Teilen seines Heeres im Sommer 1270 vor Tunis einer Seuche zum Opfer fiel. Unterdessen gerieten die verbliebenen Kreuzfahrerbastionen in Syrien und Palästina unter zunehmenden Druck durch ägyptische Truppen und wurden nach und nach von den ägyptischen Mamelucken erobert. Als letzte große Festung fiel Akko am 18. Mai 1291, woraufhin die europäischen Siedler zusammen mit den Templern und den Johannitern auf Zypern Zuflucht suchten. Um 1306 setzten sich die Johanniter auf Rhodos durch, das sie praktisch als unabhängigen Staat und letzten Außenposten der Kreuzritter im Mittelmeer behaupteten, bis es 1522 an die Osmanen fiel. 1571 kam auch Zypern, bislang unter venezianischer Herrschaft, an die Türken. Andere lateinische Staaten, die im Zuge des 4. Kreuzzuges in Griechenland entstanden waren, hielten sich bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts.
Der Untergang der Kreuzfahrerstaaten im Heiligen Land bedeutete zwar nicht das Ende der Kreuzzugsbewegung im christlichen Europa, doch das Echo auf neuerliche Aufrufe zu Kreuzzügen ins Heilige Land war von nun an äußerst dürftig, und spätere Unternehmungen blieben erfolglos. Der Kreuzzugseifer richtete sich nun gegen Ungläubige und Ketzer in der eigenen Umgebung, so z. B. gegen die heidnischen Litauer im Baltikum und die Mauren in Spanien. In Syrien und Palästina hatten zwei Jahrhunderte der Kreuzzüge nur wenig Spuren hinterlassen; nur einige beeindruckende Burgen der Kreuzritter, wie Margat und Krak des Chevaliers im Westen Syriens, Krak de Montréal in Jordanien und Montfort bei Haifa in Israel, blieben bestehen. Auch sonst war die Bilanz der Kreuzzüge eher negativ: Hunderttausende Menschen – Muslime und Christen – kamen ums Leben, West- und Ostkirche blieben getrennt, und infolge der Kreuzzüge vertiefte sich die Kluft zwischen Christen und Muslimen. Andererseits wirkte die Begegnung mit der muslimischen Welt auch befruchtend auf die kulturelle Entwicklung des Westens, und der expandierende Orienthandel zog einen wirtschaftlichen Aufschwung nach sich, der vor allem den oberitalienischen Handelsstädten wie Venedig und Genua zugutekam.
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