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Leonardo da Vinci

Enzyklopädieartikel
Multimedia
De Divina ProporzioneDe Divina Proporzione
Artikelgliederung
5

Späte Reisen und letzte Schaffensphase

1506 folgte Leonardo einem Ruf des französischen Gouverneurs Charles d’Amboise und kehrte nach Mailand zurück. Im Jahr darauf wurde er zum Hofmaler Ludwigs XII. von Frankreich ernannt, der damals in Mailand residierte. Dort fuhr er mit seiner Arbeit an Ingenieurprojekten fort und arbeitete u. a. an einem Reiterstandbild von Gian Giacomo Trivulzio, dem Kommandeur der französischen Truppen in der Stadt. Mehrere Zeichnungen und Vorstudien, die sich davon erhalten haben, dokumentieren, wie eingehend sich Leonardo mit der Ausführung eines sich aufbäumenden Pferdes beschäftigte. Von 1514 bis 1516 lebte Leonardo unter dem Patronat von Papst Leo X. in Rom. Er wohnte im Palazzo Belvedere im Vatikan und beschäftigte sich mit wissenschaftlichen Experimenten. 1516 reiste er nach Frankreich, um in den Dienst von Franz I. zu treten. Seine letzten Jahre verbrachte er im Château de Cloux, nahe Amboise, wo er am 2. Mai 1519 starb.

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Gemälde

Obwohl Leonardo nur eine geringe Anzahl von Gemälden schuf, von denen außerdem eine nicht geringe Zahl unvollendet blieben, war er ein außerordentlich fortschrittlicher und einflussreicher Künstler. In seinen jungen Jahren lehnte er sich stilistisch besonders an Verrocchio an, begann sich jedoch schon bald von der starren Figurendarstellung seines Lehrers zu entfernen, um stimmungsvolle, äußerst plastisch wirkende Kompositionen zu entwickeln. Sein Frühwerk Anbetung der Könige zeigt eine neue Kompositionsweise, in der die Hauptfiguren den Vordergrund beherrschen, während sich der Hintergrund aus imaginären Ruinen- und Schlachtenszenen in Linearperspektive zusammensetzt.

Leonardos stilistische Neuerungen werden im – 1999 aufwendig restaurierten – Letzten Abendmahl noch auffälliger, wo er ein traditionelles Thema künstlerisch völlig neu deutet. Anstatt die zwölf Jünger als Einzelfiguren zu zeigen, ordnet er sie in dynamischen Dreiergruppen an, die Christus umrahmen, der sich isoliert in der Mitte befindet. Vor einer blassen, in der Ferne verdämmernden Landschaft sitzend, die durch rechteckige Öffnungen in der Wand sichtbar wird, stellt Christus, der gerade verkündet, dass einer der Anwesenden ihn verraten wird, ein Zentrum der Ruhe dar, während die anderen in auffälliger Gebärdensprache ihre innere Erregung nach außen tragen. Mit der Monumentalität der Szene und der Bedeutungslastigkeit der Figuren erneuert Leonardo eine Tradition der psychologischen Darstellung, die 100 Jahre zuvor Masaccio in die italienische Malerei eingeführt hatte.

Die Mona Lisa, Leonardos berühmtestes Werk, zeichnet sich gleichermaßen durch eine tiefe Unergründlichkeit aus, die im geheimnisvollen Lächeln der Porträtierten zum Ausdruck kommt, wie durch eine unübertreffliche Meisterschaft in den Techniken des Sfumato und Chiaroscuro. Ersteres beinhaltet feinschichtige, geradezu unendlich sanfte Übergänge zwischen den Farbregionen, die eine stimmungsvolle, nebel- oder rauchartige Wirkung entstehen lassen, welche besonders in den Kleidern und im geheimnisvollen Lächeln der Sitzenden offenbar wird. Chiaroscuro wird die Technik genannt, durch kontrastierende Gegenüberstellung von Licht und Schatten Plastizität und Formentiefe zu erzeugen; so sind etwa die feingezeichneten Hände der Sitzenden hauptsächlich durch Licht und Schatten modelliert, während Farbkontraste nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Ein weiteres Charakteristikum von Leonardos Gemälden sind seine Hintergrundlandschaften, mit denen er als einer der ersten Maler die Luftperspektive in die Bildkomposition einbezog. Viele bedeutende Künstler der italienischen Hochrenaissance, darunter Raffael, Andrea del Sarto und Fra Bartolomeo, wurden von Leonardo maßgeblich beeinflusst. Die Mailänder Schule wurde von ihm vollständig verwandelt, und in Parma erhielt Correggio durch Leonardos Werk entscheidende Impulse.

Leonardos in großer Zahl erhaltene Zeichnungen, die sein Wissen über die Anatomie von Mensch, Tier und Pflanze belegen, sind in vielen bedeutenden europäischen Kunstsammlungen vertreten; eine der größten befindet sich in Schloss Windsor in England. In zahlreichen Karikaturen hielt er die seelischen Regungen seiner Mitmenschen fest und verlieh ihnen dadurch eine aufs höchste gesteigerte Individualität. Die wohl berühmteste Zeichnung ist sein Altersselbstporträt (um 1510 bis 1513, Biblioteca Reale, Turin).

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Entwurfszeichnungen für Skulpturen und Architektur

Da keines seiner Bildhauerprojekte zu Ende geführt wurde, lässt sich Leonardos Umgang mit der dreidimensionalen Kunst nur von seinen Zeichnungen her erschließen. Die gleiche Einschränkung gilt für seine Architektur; keiner seiner Gebäudeentwürfe, wie der für die Kuppel des Mailänder Domes von 1487, noch seine Entwürfe einer neuen Stadt, die das Problem der Kanalisation perfekt lösen sollte, oder eines Schlosses für die Mutter Franz’ I., das in der Stadt Romorantin realisiert werden sollte, wurde tatsächlich ausgeführt. Doch zeigen seine Architekturzeichnungen, besonders die Entwürfe für den Mailänder Dom, eine große Meisterschaft im Umgang mit massiven Formen, Klarheit des Ausdrucks und genaue Kenntnis antiker römischer Vorbilder.

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Naturwissenschaftliche und mechanische Studien

Als Naturforscher ragt Leonardo weit über seine Zeitgenossen hinaus. Einerseits leistete er eine einzigartige Gesamtschau der damaligen Welt, andererseits untersuchte er gewissenhaft und detailgenau Einzelphänomene. Er wusste, mehr als jeder andere zeitgenössische oder nachfolgende Künstler oder Gelehrte, von der Bedeutung präziser wissenschaftlicher Beobachtung. Leider brachte er viele seiner wissenschaftlichen Untersuchungen, ähnlich wie viele seiner künstlerischen Vorhaben, nicht zum Abschluss. Seine Theorien über Hebelgesetze, Strömungsforschung und vor allem über den Vogelflug (berühmt geworden ist besonders seine Zeichnung der Mechanischen Flügel) hielt er in zahlreichen Notizbüchern fest, die er als Linkshänder meist in Spiegelschrift niederschrieb. Aber auch über technische Gerätschaften gibt es Notizen und Zeichnungen von Leonardo: Druckpumpen, Bohrmaschinen, Drehbänke, Fallschirme, Taucherglocken und Kräne beschäftigten seine technische Phantasie. Leonardo gehörte zu den Begründern der Hydraulik und erfand wahrscheinlich das Hygrometer. Auf dem Gebiet der Anatomie plante er eine umfassende Abhandlung über den Körperbau, basierend auf Studien zu Kreislauf, Auge, Herz und Schwangerschaft, und nahm damit bereits zahlreiche medizinische Entdeckungen der Neuzeit vorweg; ein Gedanke, der ihn wohl schon seit der Divina Proportione des Luca Pacioli beschäftigt hatte, an der er als Illustrator beteiligt gewesen war.

Leonardo machte Entdeckungen auf den Gebieten der Meteorologie und Geologie, erkannte die Wirkungen des Mondkreislaufes auf die Gezeiten, ahnte später durch die Wissenschaft bestätigte Erkenntnisse über die Formung der Kontinente voraus und stellte zutreffende Vermutungen über die Entstehung versteinerter Muscheln an. Durch seine Beschäftigung mit nahezu allen Wissensgebieten der damaligen Zeit verkörpert Leonardo selbst exemplarisch das in der Renaissance entwickelte Idealbild eines Homo universalis, des universell gebildeten Menschen.

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