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Ägäische Kultur

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Maske des AgamemnonMaske des Agamemnon
Artikelgliederung
4.1

Frühe Bronzezeit

Um 3000 v. Chr. erreichten große Völkerbewegungen von Einwanderern, vielleicht von Kleinasien kommend, die Ägäis, die ihre Waffen und Werkzeuge aus Bronze fertigten. Auf dem Festland scheinen ihre Dörfer kleine unabhängige Einheiten gewesen zu sein, die von dicken Mauern geschützt waren. Auf Kreta und den Kykladen wurden ihre Gebäude mit der Zeit komplexer. Im ganzen Ägäisraum konnte man Grabbauten ausgraben, die unterschiedliche Bestattungspraktiken belegen. Auf dem Festland verwendete man gewöhnlich Schacht- oder Kuppelgräber. Auf den Kykladen waren die Gräber in Stein gefasste Behälter für Aschenurnen (Cisten), auf Kreta kreisförmige Steingruften, rechteckige Beinhäuser und Höhlen. Oft wurden die Toten mit prächtigen Grabbeigaben ausgestattet.

4.2

Mittlere Bronzezeit

Um 2200-1800 v. Chr. erreichte eine neue Einwanderungswelle das Festland und die Kykladen und verursachte beträchtliche Verwüstungen. Ungefähr zwei Jahrhunderte lang gab es besonders auf dem Festland einen kulturellen Bruch. Die Eindringlinge brachten neue Formen der Keramik mit und verwendeten Pferde. Sie gehörten der indogermanischen Sprachfamilie an, zu der auch das Altgriechische gerechnet wird.

Eindrucksvolle Gebäude, Fresken, Vasen und frühe Schriftstücke sind Belege für eine blühende Kultur auf Kreta im 2. Jahrtausend v. Chr., die als minoische Kultur bezeichnet wird. Mächtige Königspaläste, die um weite Höfe errichtet waren, bildeten die Zentren dieser Gemeinschaften. Einer der prächtigsten stand in Knossos. Er wurde vermutlich durch ein Erdbeben oder eine feindliche Invasion um 1700 v. Chr. zerstört, später jedoch wieder aufgebaut. Wahrscheinlich waren die Minoer eine Macht von Seefahrern, die nicht nur mit den Kykladen und dem Festland Handel betrieben, sondern auch mit Sizilien, Ägypten und Städten an der Ostküste des Mittelmeeres.

In der minoischen Religion genoss besonders eine Schlangenpriesterin oder Schlangengöttin große Verehrung, die mit Fruchtbarkeit und dem Mond- und Sonnenzyklus in Verbindung gesetzt wurde. Diese zentrale Kultfigur könnte eine Erdgottheit gewesen sein, wie sie auch im Nahen Osten bekannt ist.

4.3

Späte Bronzezeit

Der Zerstörung der Paläste auf Kreta um 1450 v. Chr. – der Palast von Knossos z. B. wurde nach 1400 v. Chr. vernichtet – folgte der Niedergang der minoischen Kultur, dem der Aufstieg der Mykener folgte. Einige Gelehrte haben diesen Wandel mit dem Vulkanausbruch auf Thera (Santorin) in Verbindung gebracht, doch muss die Katastrophe nach neueren Berechnungen gut 200 Jahre früher stattgefunden haben. Artefakte der mykenischen Kultur und Linear-B-Tafeln ließen sich auch auf Kreta nachweisen. Sicher ist, dass stark befestigte Städte auf dem Festland die neuen Zentren der ägäischen Kultur wurden. Auf erhaltenen Vasenmalereien und Waffen sind Jagd- und Kampfszenen abgebildet, die darauf hindeuten, dass die Mykener ein Volk von Kriegern waren.

In der Mitte einer typischen mykenischen Siedlung stand die Palastburg des Königs. Die Städte waren durch kyklopische Mauern befestigt, massive Konstruktionen aus ungleichmäßig gehauenen Steinen. Auf den Linear-B-Tafeln dieser Zeit fand man die Namen griechischer Götter, z. B. Zeus, und detaillierte Aufzeichnungen königlicher Besitztümer. Die Goldmasken, Waffen und Schmuckgegenstände, die Schliemann in den Königsgräbern fand, deuten auf den großen Reichtum und Macht hin, die die Mykener bei der Übernahme des minoischen Handelsreiches erlangt haben müssen. Troja, das auf dem kleinasiatischen Festland (heutige Türkei) nahe des Hellespont gelegen haben soll, befand sich wahrscheinlich in einer strategisch günstigen Position, um die Schifffahrt zu kontrollieren und von den Mykenern überhöhte Zölle einzuziehen. Es gibt archäologische Beweise, dass dort um 1200 v. Chr. eine Stadt zerstört wurde, also etwa um die Zeit, die in der Antike als das Zerstörungsdatum von Troja angegeben wurde (1184 v. Chr.).

Kurz nach 1200 v. Chr. brach die ägäische Kultur zusammen. Die Ursachen lagen entweder in Naturkatastrophen oder, was wahrscheinlicher ist, in der Invasion durch die Dorer (oder Dorier) aus dem dalmatinisch-albanischen Raum (dorische Wanderung).

5

Ägäische Kunst und Architektur

Die Kunst des ägäischen Kulturraumes zeichnet sich durch einen naturalistisch-bildhaften Stil aus, der im minoischen Kreta entstand. Von dort aus breitete er sich auf den anderen ägäischen Inseln und dem griechischen Festland aus, wo er von geometrischen Einflüssen überlagert wurde.

5.1

Architektur

Die großen minoischen Paläste folgten in der Regel dem gleichen architektonischen Grundschema. Auf mehreren Ebenen waren Räume funktional um einen großen zentralen Innenhof herum angeordnet, der großen Menschenmassen Platz bot, um sich vor den Kulträumen im Westen zu versammeln. Daneben finden sich überall geräumige Speicher- und Magazinräume, Künstlerwerkstätten, Speisesäle und Wohnunterkünfte (sogar mit Badezimmer) für Adelige und Herrscherfamilien, die mit Holzsäulen und Wandgemälden geschmückt waren.

Die Wohnstätten des minoischen Kreta reichten von einfachen Unterkünften für die Bauern bis hin zu reich ausgestatteten Herrenhäusern und Villen, die in der selben Technik errichtet waren wie die Paläste. Unterschiedliche Bauformen dienten auch Bestattungszwecken, die auffälligsten waren sicherlich die Tholos-Gräber (z. B. im Süden Kretas), riesige Rundbauten mit Kragsteingewölben.

Die Herrscherpaläste auf dem griechischen Festland und der Peloponnes in Mykene, Tiryns und Pylos unterschieden sich gänzlich von denen auf Kreta. Sie bestanden aus einem Megaron, einer großen zentralen Empfangs- und Repräsentationshalle mit einer Herdstelle, die häufig von vier Säulen eingefasst war. Man betrat sie vom Hof aus durch ein Säulenportal. Die Paläste selbst waren mit riesigen kyklopischen Mauern befestigt, die aus massiven, unregelmäßigen Blöcken bestanden. Für Herrscherbegräbnisse verwendeten die mykenischen Griechen zunächst Schachtgräber, später jedoch übernahmen sie die minoische Tholos-Form. Die Gräber waren mit Tumuli, aufgeschütteten Erdhügeln, bedeckt und konnten durch einen langen Gang (Dromos) betreten werden. Eines der aufwendigsten Beispiele dieses Typs ist das so genannte Schatzhaus des Atreus südlich des Burgberges von Mykene, dessen rechteckige Konglomeratsteinblöcke ein eindrucksvolles Gewölbe bilden, das sich bienenstockartig nach oben verjüngt.

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