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Ägäische KulturEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Griechische Mythologie; Archäologische Entdeckungen; Geschichtliche Entwicklung; Ägäische Kunst und Architektur
Die minoische Malerei hat sich außer in lebendigen Fresken (siehe unten) besonders in Form anmutiger Verzierungen erhalten, die die Töpferarbeiten schmückten. Daneben fand man zahlreiche Beispiele für eine hoch entwickelte Steinschneidekunst (Glyptik), wie Siegel aus Halbedelsteinen mit eingravierten Motiven.
Auf Kreta waren die Paläste und Häuser meist mit Wandgemälden aus ornamentalen, pflanzlichen und figürlichen Motiven geschmückt. Neben Stuckreliefs und kleinformatigen Malereien (Miniaturfresken) sind auch lebensgroße Darstellungen überliefert, wie das Greifenfresko im Thronsaal des Palastes von Knossos. Die minoischen Künstler gaben die Natur in schwungvollen Linien und wirbelnden Farbschichten wieder, und es gelang ihnen besonders gut, Bewegungen einzufangen. Die dargestellten Szenen werden oft von Tieren, wie Affen oder Vögeln, belebt. Die schlanken menschlichen Gestalten sind nicht selten wie in einer Momentaufnahme mitten in der Bewegung festgehalten und häufig in Kultszenen dargestellt, wie in dem Stierspringerfresko aus dem Palast von Knossos. Ausgrabungen auf Thera förderten auch in einfacheren Wohnhäusern gut erhaltene Fresken zutage, die der Kunst von Kreta sehr nahe stehen, obwohl die Naturszenen etwas abstrakter behandelt sind. Es finden sich beispielsweise Darstellungen von Fischern, Gazellen, Blumen pflückenden Frauen oder von einem Boxkampf.
Zu den frühesten Beispielen ägäischer Bildhauerei gehören Idole von den Kykladen, deren Umrisse an Violinen erinnern. Aus diesen Anfängen entwickelten sich in hellen Farben bemalte Marmorfiguren in Lebensgröße, die meist Frauen mit vor der Brust verschränkten Armen darstellten. Außerdem gab es eine erstaunliche Zahl von sitzenden männlichen Figuren, die oft Harfe spielten oder Trinkbecher in den Händen hielten. Zu den bedeutendsten Skulpturenfunden der ägäischen Kultur zählen Bronzefigürchen, die ausschließlich an minoischen Orten gefunden wurden. Sie stellen betende Männer oder Frauen mit erhobenen Armen dar, aber auch ein krabbelndes Kind, einen Stierspringer oder eine ruhende Ziege. Die minoischen Künstler waren auch ausgezeichnete Elfenbeinschnitzer, ein Material, das sie gerne mit anderen Materialien kombinierten, um seine Wirkung zu steigern. Neben Gottheiten, die mit Tieren in Verbindung standen, wurde beispielsweise 1987 in Palaiokastro auf Kreta das Abbild eines jugendlichen Gottes aus vergoldetem Elfenbein gefunden, dessen Kopf aus einem einzigen Stück blaugrauen Serpentins gearbeitet ist. Die Minoer schufen auch ausgezeichnete Steingefäße, die sie häufig mit Reliefs verzierten. Steinbildhauerei in großem Ausmaß wurde von den Mykenern betrieben, die ihre Architektur mit Reliefs schmückten. Die Fassade des bereits erwähnten Schatzhauses des Atreus in Mykene zierten kontrastierende rote und grüne Marmorsäulen und ein Spiralfries. Die steinernen Stelen, die bei den königlichen Schachtgräbern in Mykene gefunden wurden, enthalten sowohl geometrisch-abstrakte als auch figürliche Motive. Das eindrucksvollste Beispiel mykenischer Bildhauerkunst jedoch ist sicherlich das monumentale dreieckige Steinrelief über dem Löwentor in Mykene, in dem zwei majestätische Löwen eine Säule flankieren. Auch die Mykener waren ausgezeichnete Elfenbeinschnitzer und hinterließen zahlreiche runde Döschen, Statuetten und Broschen.
Zu den frühesten Gebrauchsgegenständen, die sich bei archäologischen Ausgrabungen nachweisen ließen, gehören Gefäße (Vasen) aus Keramik, die im Zuge der kulturellen Höherentwicklung immer aufwendigere Formen annahmen. Die kretischen Künstler benutzten die gleiche Technik, die später die attischen Töpfer verwendeten, und führten den Brand in drei Stufen durch. So schufen sie prächtige Vasen in den unterschiedlichsten Formen und mit einer scheinbar endlosen Vielfalt farbiger Verzierungen. Die minoische Töpferei besaß in der antiken Welt ein hohes Ansehen und wurde überall in der Ägäis kopiert und sogar nach Ägypten und in den Nahen Osten exportiert. Im so genannten Kamaresstil (benannt nach einem Fundort auf Kreta) gehörten zu den Verzierungen besonders naturalistische Motive, z. B. Blumenmuster. Der bekannte Meeresstil benutzte bevorzugt Seemotive wie Tintenfische, Kraken, Korallen, Schnecken oder Meerespflanzen als Dekorelemente, die in vielfältigen Mustern gemalt und organisch auf die Form des Gefäßes abgestimmt waren. Die Vasen des noch späteren Palaststiles, der große, reich verzierte Gefäße hervorbrachte, wie sie beispielsweise in Knossos gefunden wurden, lassen eine Verhärtung älterer minoischer Motive erkennen. Die Kunst der Metallverarbeitung wurde in der kretisch-minoischen Kultur schon früh praktiziert. Unter den wenigen erhaltenen Gegenständen zeigt etwa der „Bienenanhänger” von Mallia aus gekörntem Gold, wie weit die Minoer darin fortgeschritten waren. Die eindrucksvollsten Funde mykenischer Metallarbeiten machte man in den Schacht- und Tholos-Gräbern in der Argolis. In Mykene fand man Goldmasken und andere Grabbeigaben aus reliefiertem Gold in vielfältigen geometrischen Formen. Die Grabstätten enthielten auch kostbare Gold- und Silbergefäße und verzierte Bronzewaffen. Viele dieser Gegenstände wurden von minoischen Kunsthandwerkern hergestellt. Zahlreiche Gefäße waren mit kunstvollen, in getriebenem Relief gearbeiteten Figuren und Szenen geschmückt.
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