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Griechische Kunst und Architektur

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Artikelgliederung
1

Einleitung

Griechische Kunst und Architektur, Kunst und Architektur des griechischen Kernlandes und der griechischen Kolonien von etwa 1100 v. Chr. bis ins 1. Jahrhundert v. Chr., deren Wurzeln bis in die ägäische Kultur zurückreichen. In der Zeit des Hellenismus Ende des 4. Jahrhunderts v. Chr. vermischte sie sich mit östlichen, nach Eingliederung der Peloponnes als senatorische Provinz ins Römische Reich gegen Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr. mit römischen Stileinflüssen, als zahlreiche Römer in den teilweise zerstörten griechischen Städten eine rege Bautätigkeit entfalteten. Im Zuge der Christianisierung fiel ihre weitere Entwicklung Ende des 4. Jahrhunderts n. Chr. mit der byzantinischen Kunst und Architektur zusammen. Die griechische Kunst wirkte nicht nur stilbildend auf die römische Kunst, sondern darüber hinaus auf Kunst und Kunsthandwerk der gesamten westlichen Welt. Siehe Kunst und Architektur der Renaissance; Klassizismus; Empirestil; Neoklassizismus.

Von der griechischen Architektur und Großplastik sind relativ wenige Beispiele unbeschädigt erhalten geblieben, ebenso wenig größere Gemälde. Dagegen förderten archäologische Grabungen eine große Zahl von keramischen Gegenständen, Münzen, Schmuck und Kleinplastiken in gutem Erhaltungszustand zutage. Zusätzlich zu diesen Funden geben schriftliche Quellen aus der Antike Aufschluss über das griechische Kunstschaffen, wie sie besonders in Form der Berichte des römischen Schriftstellers Plinius des Älteren und des griechischen Historikers und Geographen Pausanias vorliegen, die von zahlreichen Werken berichten, die heute nicht mehr erhalten sind. Andere Kunstwerke, besonders griechische Großplastiken, wurden in Form römischer Kopien überliefert, die heute in den großen archäologischen Museen eine deutliche Vorstellung von deren Aussehen vermitteln.

Die wichtigsten Baumaterialien waren Kalkstein, später auch Marmor, für Dachkonstruktionen und Raumabtrennungen wurden meist Holz und Ziegel verwendet. Die Bildhauer bearbeiteten Marmor und Kalkstein, modellierten in Ton oder gossen ihre Werke in Bronze. Große Kultbildnisse wurden aus gehämmerten Bronzeplatten zusammengesetzt; meist bestanden sie aus einem Holzkörper, der mit Gold und Elfenbein ummantelt war. Stein- und Tonskulpturen waren ganz oder teilweise farbig bemalt. Für Wandgemälde oder Vasenmalereien verwendete man wasserlösliche Farben.

2

Die protogeometrische und geometrische Zeit (um 1100 bis 650 v. Chr.)

Die Zerschlagung der mykenischen Kultur durch einwandernde dorische Stämme (dorische Wanderung) im 12. Jahrhundert v. Chr. hatte an der Wende von der Bronze- zur Eisenzeit zu einer Art kulturellem Vakuum in Griechenland geführt. Die ersten Zeugnisse der frühen griechischen Kunst waren Keramiken und Kleinplastiken aus Bronze, in denen zum Teil mykenische Stileinflüsse überlebten. Das vorherrschende lineare Dekorationssystem der Keramikgefäße mit geometrischen Ornamentformen, wie Mäanderbändern oder Kreisen, die die klare Gliederung der Gefäße unterstrichen, gab der Periode ihre Bezeichnung. Erst seit etwa Ende des 9. Jahrhunderts v. Chr. lassen sich verstärkt figürliche Darstellungen nachweisen, wie ornamental abstrahierte Tierfriese oder Bestattungsszenen. Ein herausragendes Beispiel der geometrischen Keramik ist mit einer solchen Zeremonie bemalte Dipylonvase in der Form eines Kratérs (Metropolitan Museum of Art, New York), ein großes, sich nach oben weitendes Gefäß, das Opfergaben aufnehmen sollte. Es wurde in der Nähe des Dipylons (Doppeltores) in Athen gefunden, durch das die heilige Straße nach Eleusis führte.

Die Kolonisierung des östlichen Mittelmeerraumes durch die Griechen und der Handel mit den Phöniziern (siehe Phönizien) und anderen Völkern des Vorderen Orients beeinflusste ab dem 7. Jahrhundert v. Chr. auch den Stil der Vasenmalerei, in die orientalisierende Motiv- und Ornamentformen einzufließen begannen. Im Zuge dieser Entwicklung wurden die abstrakt-geometrischen Formen zunehmend durch organische Ornamente, wie Lotos-, Palmen-, Löwen- oder Sphinxmotive, verdrängt.

Andere charakteristische Formen des geometrischen Kunstschaffens sind Kleinplastiken aus Bronze oder Ton, die häufig Pferde darstellen, wie man sie beispielsweise in den Schatzhäusern der Heiligtümer von Olympia fand.

Die frühesten Bauwerke wurden aus Lehmziegeln, Holz und Bruchsteinen errichtet. Es handelte sich in der Regel um einfachste Gebäude mit elliptischen oder ovalen Grundrissen, die später rechteckig wurden.

In die geometrische Zeit fallen auch die Anfänge des Tempelbaues. Der Grundriss des Antentempels, der einfachsten Tempelform der spätgeometrischen Zeit, glich dem der Häuser, wie sich aus Fundamenten, die man etwa auf Samos, in Sparta, in Olympia und auf Kreta entdeckte, nachweisen lässt. Die Seitenwände der rechteckigen, kleinen Tempelgebäude waren bis über die Vorderseite hinaus vorgezogen (Anten) und formten so eine Art offene Vorhalle, deren Dach von zwei Säulen gestützt wurde. Erst in der Spätphase der geometrischen Periode begannen die Tempelbauten an Monumentalität zu gewinnen.

3

Die archaische Zeit (um 650 bis ca. 475 v. Chr.)

Die Archaik, in deren Verlauf sich die griechische Kultur durch weit reichende Handelsbeziehungen im Mittelmeerraum und Vorderen Orient weiter ausbreitete, spiegelt in ihrer Bezeichnung (abgeleitet von dem griechischen Wort arché: Beginn, Anfang) ihre Einordnung als eine Art Vorstufe zur Klassik. Sie ist gekennzeichnet durch die Herausbildung neuer Typen und eines verbindlichen Formenkanons in Architektur, Skulptur und Keramik, wobei insbesondere monumentalere Bauwerke und Skulpturen entstanden. Auch die Großmalerei begann sich zu entwickeln. Ägyptische und orientalische Einflüsse machten sich auch in der Vasenmalerei mit neuen Formen und Motiven bemerkbar.

3.1

Plastik

Angeregt durch die monumentalen Steinskulpturen in Ägypten und Mesopotamien, die in der Regel in funktionalem Zusammenhang mit der Architektur standen und einen frontalen Charakter aufwiesen, setzte auch in Griechenland eine Entwicklung zur Großplastik ein. Sie führte zur Verwendung neuer Materialien wie Marmor oder Kalkstein, die Ton und Bronze abzulösen begannen. Den Anfang dieser Entwicklung zur Großplastik markiert eine weibliche Statuette aus Auxerre (um 660 bis 580 v. Chr., Louvre, Paris) von etwa 75 Zentimeter Höhe.

In der Monumentalplastik begannen sich zwei Figurentypen herauszubilden: der stehende Jüngling und das stehende Mädchen. Beide sind überlebensgroß und zeugen von genauer Kenntnis der menschlichen Anatomie. Sie sind durch das so genannte „archaische Lächeln” charakterisiert, das ein Mittel gewesen sein mag, den Figuren einen individuellen Ausdruck zu verleihen. Im Gegensatz zu den ägyptischen Vorbildern waren sie frei stehend gestaltet und von allen Seiten vollständig ausgearbeitet. Die Jünglingsstatue (Kouros, griechisch: Jüngling) war nackt und stand mit an den Körper gezogenen Armen und geballten Fäusten aufrecht im Raum, die beiden Beine sicher auf dem Boden, das linke Bein leicht vorgesetzt. Bekannte Beispiele für diesen Typ sind der Strangford-Apollo aus Limnos (Britisches Museum, London) oder der so genannte Kroisos von Anavyssos (Archäologisches Nationalmuseum, Athen). Das stehende weibliche Pendant (Kore, griechisch: Mädchen) wurde im Gegensatz zum Kouros immer bekleidet als Gewandstatue dargestellt. Korenstatuen mit Spuren einstiger Bemalung fand man in großer Anzahl als Weihgaben auf der Akropolis in Athen, darüber hinaus begegnet man ihnen dort als Karyatiden der so genannten Korenhalle am Erechtheion.

Auch die Reliefplastik erhielt durch die Weiterentwicklung im Tempelbau wichtige Impulse und brachte später neben Architekturplastik, wie Friesen oder Metopen, auch selbständige, von der Architektur losgelöste Formen hervor, wie Grab- oder Votivstelen. Beachtenswerte Beispiele für Architekturplastik der mittelarchaischen Periode um 580 bis 535 v. Chr. sind die Friese des Apollon-Heiligtums in Delphi (Archäologisches Museum, Delphi), die eine Schlacht des Trojanischen Krieges darstellen. Auch das Ziergiebelfragment des alten Athenatempels auf der Akropolis in Athen, das den Kampf zwischen Göttern und Titanen zeigt (Akropolismuseum, Athen), ist charakteristisch für die archaische Zeit. Zu den Zeugen der spätarchaischen Periode (um 535 bis 475 v. Chr.) zählen die Skulpturen vom Giebel des Tempels der Aphaia von Ägina (Glyptothek, München).

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