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Windows Live® Suchergebnisse KulturEnzyklopädieartikel
Kultur (lateinisch cultura: Bebauung, Ausbildung; von colere: hegen und pflegen, bebauen, tätig verehren), im ursprünglichen Sinn die Pflege und Bearbeitung des Bodens (agricultura: Bodenkultur), sodann im übertragenen Sinn die Pflege und Veredelung der körperlichen und geistigen Anlagen des Menschen (Körperkultur, Geisteskultur). Daran anschließend meint Kultur im heutigen, umfassenden Begriffsverständnis die Gesamtheit der einer Kulturgemeinschaft eigenen Lebens- und Organisationsformen sowie den Inhalt und die Ausdrucksformen der vorherrschenden Wert- und Geisteshaltung, auf die diese sozialen Ordnungsmuster gründen. Zur Kultur zählen im Einzelnen weiterhin die Kultursysteme (Wilhelm Dilthey), d. h. die besonderen Sitten und Bräuche, das jeweilige Bildungs- und Erziehungssystem, Wissenschaft und Technik, Religion, Sprache und Schrift, Kunst, Kleidung, Siedlungs- und Bauwesen sowie das politische, das wirtschaftliche und das Rechtssystem. Um die philosophische Erhellung des Phänomens Kultur (im englischen Sprachraum gleichbedeutend mit civilization: Zivilisation) und deren jeweilige Struktur- und Wertgesetze bemüht sich die Kulturphilosophie. Sie ist im Wesentlichen die Philosophie der Geschichte. Der Sache (nicht aber dem Begriff) nach bereits Gegenstand der Philosophie der Antike (insbesondere bei Platon und in der Stoa), erhielt sie ihr spezifisches Gepräge im 18. Jahrhundert. Neben Giovanni Battista Vico vor allem zu nennen sind hier Jean-Jacques Rousseau, Voltaire und Johann Gottfried von Herder (Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit, 1784-1791, 4 Teile). Im 19. Jahrhundert macht Jacob Burckhardt (Kultur der Renaissance in Italien, 1860; Weltgeschichtliche Betrachtungen, 1905) die Hauptstrukturen der Geschichte in den drei „Potenzen” Staat, Religion und Kultur aus. Mit seiner fundamental-ontologischen Kritik an dem technisch-wissenschaftlich fixierten Weltbild der Kultur der Moderne als Seinsvergessenheit steht Martin Heidegger stellvertretend für die philosophische Kulturkritik des 20. Jahrhunderts. Mit dem Gestaltwandel der Kulturen, ihrem Entstehen, ihrem Blühen und ihrem Untergang befasst sich die Kulturmorphologie. Ihr liegt die Annahme zugrunde, dass Kulturen analog zur individuellen Entwicklung des Menschen die Phasen von Jugend, Blütezeit, Alter und Tod durchlaufen und zwar nach einem ihnen innewohnenden Programm, auf das der Mensch nur sehr begrenzten Einfluss nehmen kann. Zu ihren Hauptvertretern zählt Oswald Spengler (Der Untergang des Abendlandes. Umriss einer Morphologie der Weltgeschichte, 2 Bde., 1918 und 1922). Als ein Beitrag zur Kulturmorphologie kann mit Einschränkung auch A Study of History (12 Bde., 1934-1961; Studie zur Weltgeschichte), eine Darstellung der gesamten menschlichen Kulturentwicklung von Arnold Toynbee, gelesen werden. Mit Einschränkung deshalb, weil Toynbee den Verlauf der Kulturgeschichte im Gegensatz etwa zu Spengler als unschematisch versteht und die Auffassung vertritt, dass in der Geschichte einer Kultur jederzeit alles möglich sei, der Untergang also nicht unausweichlich Folge des kulturellen Alterungsprozesses sein müsse. Vielmehr habe der Mensch die Möglichkeit und deshalb auch die Pflicht und die Verantwortung, die Kultur zu fördern, zu bewahren und zu gestalten (Menschheit – woher und wohin? Plädoyer für den Weltstaat, 1969). Ebenfalls universalgeschichtlich angelegt sind die kultursoziologischen Arbeiten Alfred Webers (Kulturgeschichte als Kultursoziologie, 1935; 2. Auflage 1950; Die Prinzipien der Geschichts- und Kultursoziologie, 1951; Der dritte und der vierte Mensch, 1953). Weber zeigt vor allem, dass Grundlage aller Kulturen ein jeweils bestimmter Typus der sozialen Organisation ist. Gegenstand der Kultursoziologie heute ist die Kultur vor allem aus dem Blickwinkel der Funktion der „kulturtragenden” sozialen Gruppen. Für die Ethnologie ist Kultur der Begriff, der ihr modernes Selbstverständnis prägt. Mitte des 18. Jahrhundert fand Kultur im Sinne von Ethnie (Ethnos), also im Sinne einer sozialen Gruppe, erstmals Verwendung als ethnologischer Terminus. Eine Begriffsdefinition von Sir Edward Burnett Tylor von 1871 bestimmte Kultur als komplexe Einheit von religiöser Vorstellung, moralischen Regeln, Gesetzen, Bräuchen und Sitten sowie Fertigkeiten und Haltungen. Die meisten neueren Definitionen von Kultur verschiedener ethnologischer Schulen gehen auf diese Bestimmung zurück. Generell versucht die Ethnologie den Menschen von seiner gesellschaftlichen Lebensweise her zu begreifen. Dieses Verständnis von Kultur, als ein spezifisch menschliches Feld, das klar von dem Naturgesetzen unterworfenen tierischen Lebensformen getrennt werden kann, setzte sich mit dem Siegeszug der US-amerikanischen cultural anthropology durch.
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