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    Lexikon: Arabische Literatur. Bereits im 5. Jh. trat die arab. Sprache als voll ausgebildete Literatursprache in Erscheinung. Die eng mit der beduin.

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Arabische Literatur

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AverroesAverroes
Artikelgliederung
1

Einleitung

Arabische Literatur, die Literatur in arabischer Sprache und Hauptmedium der islamischen Zivilisation. Seit dem 8. Jahrhundert sind Texte überliefert. Von ihren Ursprüngen auf der Arabischen Halbinsel verbreitete sich die arabische Literatur bis nach Spanien und China.

Die arabische Literatur lässt sich in die altarabische bzw. vorislamische Epoche, die Epoche der Omaijaden, die Epoche der Abbasiden, die Epoche der Dekadenz, die literarisch nichts Bedeutendes hervorbrachte, und schließlich die Epoche der modernen Literatur unterteilen; Letztere begann am Ende des 18. Jahrhunderts. Obwohl die klassische arabische Literatur von religiösen und wissenschaftlichen Fragen bestimmt war, ist sie von hoher künstlerischer und literarischer Qualität. Vor allem in der Lyrik verleiht der Reichtum der arabischen Sprache den verbindlich vorgeschriebenen Motiven literarische Vielfalt. Auch die arabische Prosa ist von großer stilistischer Lebendigkeit. Im arabischen Kulturkreis war (und ist) die Sprache das Hauptmedium der Kunst; sowohl Lyrik als auch Prosa waren für den öffentlichen Vortrag konzipiert.

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Ältere Literatur

Zu den ältesten Beispielen arabischer Literatur gehören Oden (Kassiden) und Gedichte (gesammelt in Diwanen), die bis auf den heutigen Tag erhalten sind und teilweise in europäische Sprachen übersetzt wurden. Die Lyrik dieser Zeit erzählt zumeist vom Leben der Beduinen. Bei vielen Gedichten handelt es sich um Preisgedichte des jeweiligen Scheichs bzw. der eigenen Person oder um Spottgedichte auf Feinde. Es finden sich aber auch Klage- und Liebeslieder. Die herausragendsten Lyriker dieser Zeit waren al-Ascha, Amr ibn Kulthum und Imra al-Kais. Die schönsten Oden der letzten beiden Autoren gehören zu den Muallakat (Auswahl von arabischen Gedichten aus vorislamischer Zeit) genannten sieben Preisliedern. Zu den berühmten Sammlungen präislamischer Lyrik zählen die nach ihrem Kompilator al-Mufaddal benannte Anthologie Mufaddaliyat (8. Jahrhundert), die Anthologie Kitab al-Hamasa (erste Hälfte des 9. Jahrhunderts, Hamasa oder Die ältesten arabischen Volkslieder) von Abu Tammam und das Kitab al-Aghani (Das Buch der Lieder).

Das herausragendste Beispiel arabischer religiöser Literatur ist der Koran, der der Überlieferung nach dem Propheten Mohammed im 7. Jahrhundert n. Chr. in der arabischen Wüste offenbart wurde. Er geht vermutlich auf präislamische arabische Wahrsager zurück, deren Weissagungen in kurzen Sätzen gefasst waren, welche Reime und Rhythmen, aber kein Versmaß aufwiesen. In seinen Suren (Kapiteln) artikuliert der Koran religiöse Grundsätze.

Nach Mohammeds Tod schrieb Omar ibn Abi Rabia in der höfischen Atmosphäre Mekkas Liebes- und Trinklieder, die von Strenggläubigen missbilligt wurden. Die Lyrik entwickelte sich unter der Omaijaden-Dynastie (arabisch Umayyad, 661-750) weiter, nahm mit der Zeit jedoch manierierte Züge an und hielt an Formen fest, die einer zunehmend überkommenen Lebensweise entsprachen. Die herausragendsten Lyriker dieser Zeit waren Farasdak (al-Farazdaq) und Djarir, deren lang andauernde poetische Fehde Berühmtheit erlangte. Mutanabbi, der im 10. Jahrhundert lebte, gilt als der bedeutendste und zugleich der letzte große Lyriker der arabischen Klassik. Während der darauf folgenden Jahrhunderte behandelten didaktisch orientierte Lyriker wie Abul-Ala al-Maari philosophische und politische Themen.

Ebenso wie die arabische Lyrik, entwickelte sich auch die Prosa von frühester Zeit an. Die ältesten überlieferten Werke thematisieren präislamische Aiyam al-Arab, Geschichten über Stammeskriege. Sie wurden allerdings zunächst mündlich überliefert und erst lange nach dem Tod Mohammeds niedergeschrieben. Mit der Verbreitung des Islam erlangte die Erforschung der Geschichte des Propheten und der islamischen Eroberungen zunehmende Bedeutung in der arabischen und muslimischen Literatur. Der arabische Historiker Ibn Ishak schrieb mit Sirat sayyidina Muhammad eine der bedeutendsten Biographien über den Propheten. Der Perser Tabari verfasste Annalen über die Zeit der Entstehung der Welt bis zum Jahr 914 n. Chr., die zugleich die umfassendste Historiographie des frühen Islam darstellt. Die Suche nach Normen für religiöse, persönliche und juristische Belange leitete die Literatur des Hadith und des Fiqh (kanonisches Recht) ein. Kommentare hierzu sowie umfangreiche biographische Nachschlagewerke der Autoritäten, von denen Gesetze und Bräuche übernommen wurden, bildeten den größten Anteil der mittelalterlichen arabischen Literatur.

In Zentren des islamischen Lebens wie Basrah, Kufah, Bagdad und in nichtarabischen Ländern – etwa dem Iran und Spanien – wurden Akademien für Sprachwissenschaft, Theologie, Rechtswissenschaft und Philosophie gegründet. Dabei inspirierte das Studium griechischer Philosophen der klassischen Antike, deren Werke von arabischen, syrischen und hebräischen Gelehrten in die jeweiligen Sprachen übersetzt wurden, die philosophischen Konzepte des Islam. Auch der Neuplatonismus fand Eingang in das arabische Gedankengut, was sich am beeindruckendsten in den Schriften des Philosophen Abu Nasr Mohammed al-Farabis zeigt; eines seiner Hauptwerke etwa, Der Musterstaat, entwickelt in neuplatonischen Begriffen eine Theorie der Staatskunst. Hier wird der Staat als Emanation Gottes und der Prophet als idealer Leiter begriffen. Im Gegensatz zum Musterstaat behandeln andere Schriften zur Staatskunst, wie Die Prinzipien der Staatsführung von al-Mawardi, praktische, politische und rechtliche Probleme aus muslimischer Sicht. Widerstreitende Auffassungen über das Wesen Gottes, die Willensfreiheit und die ewige Natur des Koran regten eine fruchtbare philosophische Diskussion an und führten zur Bildung unterschiedlicher Schulen. Im 12. und 13. Jahrhundert fand der islamische Sufismus oder Mystizismus in der Lyrik Ibn al-Farids und Ibn al-Arabis literarischen Ausdruck. Einige der größten mittelalterlichen Philosophen schrieben in arabischer Sprache. Ihre Werke wurden in der westlichen Welt gelesen und hatten großen Einfluss auf die Entwicklung der Scholastik. Die herausragendsten dieser arabischen Philosophen waren Averroes (arabisch Ibn Ruschd), Avicenna (arabisch Ibn Sina) und al-Ghazali.

Parallel zu den Werken der Bildungselite entstand eine umfangreiche Volksliteratur. Sie bestand aus Erzählungen, die auf den Basaren vorgetragen wurden, und bildete eine mündliche Tradition, die auch heute noch lebendig ist. Die (fiktiven) Helden des Altertums und der berühmte Kalif Harun ar-Rashid aus dem 8. Jahrhundert standen im Mittelpunkt der romantischen und phantasiereichen Geschichten des Antar-Romans, eines arabischen Volksbuches, und der Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht. Da diese Geschichten Unterhaltung für die Massen darstellten, waren sie nicht in der stilisierten Sprache der arabischen Klassik geschrieben und wurden daher von den Gebildeten kaum gewürdigt. Die berühmten Maqamat (Makame) – eine Gattung der arabischen Kunstprosa – des Lyrikers al-Hamadhani und von al-Hariri, die sowohl der Unterhaltung als auch der Bildung dienten, entsprachen eher dem Geschmack der Gelehrten und der Oberschicht.

Auf das glänzende intellektuelle Leben der arabischen Klassik folgte eine lange Periode des Stillstands. Für rund sechs Jahrhunderte beschränkten sich die wissenschaftlichen Aktivitäten nahezu ausschließlich auf die Kommentierung der Werke älterer Meister und die Zusammenstellung von Auszügen ihrer historischen, theologischen und rechtswissenschaftlichen Studien sowie auf die Veröffentlichung von Anthologien älterer Schriften. Für die heutige Geschichtswissenschaft sind diese Werke nach wie vor aufschlussreich.

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Moderne Literatur

Erst zum Ende des 18. Jahrhunderts setzte – nicht zuletzt unter dem Einfluss des Westens – eine Wiederbelebung der arabischen Literatur ein. Ägypten war lange das intellektuelle Zentrum. Viele Werke der abendländischen Kultur wurden übersetzt und wirkten auf das Schaffen arabischer Schriftsteller. Der Roman fand erst im 19. Jahrhundert Einzug in die arabische Literatur; ein zentrales Beispiel für den modernen arabischen Roman ist Zainab (1914) von Mohammed Husain Haikal. Auch die mystisch-lyrischen Werke des christlich-libanesischen Dichters Khalil Gibran (u. a. Der Prophet, 1923) erreichten eine breite Leserschaft. Einer der anerkanntesten arabischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts ist der ägyptische Romancier, Dramatiker und Drehbuchautor Nagib Machfus, der 1988 den Nobelpreis für Literatur bekam und dessen Kairo-Trilogie mit den Bänden Bain al-Qasrain (1956; Zwischen den Palästen), Qasr as-Sauq (1957; Palast der Sehnsucht) und As-Sukkariya (1957; Zuckergässchen) herausragt. Weitere bedeutende Prosaschriftsteller sind der Libanese Elias Khoury, der Jordanier Ab dar-Rahman Munif und die Ägypter Taha Hussein und Yusuf Idris. Wichtige literarische Beiträge zur Emanzipation der Frau leistete die Ägypterin Latifa Al-Zayyat.

Zu den bedeutendsten arabischen Lyrikern des 20. Jahrhunderts gehören Ahmed Schauki, A. Z. Abu Schadi (Abushady), Adonis (eigentlich Ali Ahman Said), Mahmud Darwisch und Suleman Taufiq. Mahmud Taimur fiel insbesondere mit seinen von der französischen und russischen Literatur beeinflussten Novellen und Erzählungen auf. Ein wichtiger Vertreter des literarisch-philosophischen Essays ist Taha Husain. Unter den zeitgenössischen Schriftstellern orientiert sich Husain am konsequentesten am reichen Rhythmenschatz des klassischen Arabisch. Andere moderne Autoren gingen unter westlichem Einfluss zu einer moderateren Metaphorik über. Das gesellschaftliche Leben der ländlichen Regionen Ägyptens ist in dem Staatsanwalt unter Fellachen (1937) von Taufik al-Hakim, einem der bedeutendsten ägyptischen Dramatiker der Moderne, ebenso lebendig wie geistreich dargestellt. Moderne politische, gesellschaftliche und religiöse Fragestellungen wurden u. a. von dem koptischen Schriftsteller Salama Musa frei und kritisch diskutiert. Kasim Amin leistete mit einer Aufsehen erregenden soziologischen Studie einen Beitrag zur Emanzipation muslimischer Frauen. Ahmed Amin verfasste einige hoch gelobte Werke über die Geschichte des Islam (Morgendämmerung des Islam, 1928; Vormittag des Islam, 1933-1936; Mittag des Islam, 1945; Tag des Islam, 1952).

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