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Artikelgliederung
Einleitung; Akzeptanz in der modernen Gesellschaft; Akzeptanz in der Wissenschaft; Die Bedeutung der Geschlechterrolle; Beziehungen
Homosexualität, Bezeichnung für sexuelle Beziehungen zwischen den Angehörigen eines Geschlechts, im Gegensatz zur Heterosexualität, der Bevorzugung des anderen Geschlechts und zur Bisexualität, der sexuellen Orientierung an beiden Geschlechtern. Weibliche Homosexuelle werden häufig als Lesbierinnen, in Anlehnung an den Namen der griechischen Insel Lesbos, wo im 7. Jahrhundert v. Chr. die Dichterin Sappho lebte, und homosexuelle Männer als Schwule bezeichnet. Die Einstellungen gegenüber Homosexualität waren von Epoche zu Epoche und von Kultur zu Kultur sowie in den einzelnen subkulturellen Gruppen verschieden; wobei die Bandbreite von Akzeptanz, wie im antiken Griechenland, über Duldung, im antiken Rom, zu jener gnadenlosen Verdammung reicht, die in westlichen Gesellschaften noch bis vor wenigen Jahrzehnten herrschte.
In manchen Ländern, wie in Großbritannien und Deutschland, sind homosexuelle Beziehungen legal, wenn beide Partner mit der Beziehung einverstanden sind. In vielen Ländern kann jedoch allein die Tatsache der Homosexualiät oder das Ausleben dieser Neigung zum Verlust des Arbeitsplatzes, zur Diskriminierung bei der Wohnungssuche, Eintragung in staatliche schwarze Listen, gesellschaftlichen Ächtung und sogar zu Inhaftierung führen. In den letzten Jahren haben sich Gruppen von Homosexuellen dafür eingesetzt, eine Akzeptanz in der Öffentlichkeit und in der Gesetzgebung zu erreichen. Das Maß an Akzeptanz, das in den späten Siebzigern erreicht worden war, hat sich infolge der negativen Reaktion der Öffentlichkeit auf AIDS (Aquired Immune Deficiency Syndrome: erworbene Immunschwäche) etwas verringert, da die männliche homosexuelle Bevölkerung proportional häufiger davon betroffen ist. Dies hat zu wachsenden Vorurteilen gegenüber Homosexuellen und ihrer gesellschaftlichen Ächtung geführt. AIDS wird jedoch auch durch ungeschützten Sexualverkehr Heterosexueller verbreitet. Auf dem afrikanischen Kontinent, auf dem die Menschen besonders häufig unter dieser Immunschwäche leiden, ist der ungeschützte Verkehr zwischen Heterosexuellen der hauptsächliche Verbreitungsweg. Lesbierinnen tragen von allen Bevölkerungsgruppen, ob heterosexuell oder homosexuell, das kleinste Risiko einer Infektion.
Viele der heutigen Missverständnisse und Vorurteile gegenüber Homosexualität beruhen darauf, dass diese Orientierung im 19. Jahrhundert als Krankheit betrachtet wurde. Der deutsche Neuropsychologe Richard von Krafft-Ebing hielt Homosexualität für eine erbliche neuropathische Degeneration, die sich angeblich durch häufiges Masturbieren noch verschlimmerte. Der österreichische Psychiater Sigmund Freud vermutete die Existenz einer konstitutionellen Prädisposition, obwohl er auch die Theorie entwickelte, in der er die prägenden Auswirkungen von Kindheitserlebnissen (z. B. das Fehlen des Elternteiles desselben Geschlechts, mit dem sich das Kind hätte identifizieren können) und die Häufigkeit von männlicher Homosexualität während der Pubertät beschrieb. Einige Vertreter juristischer und medizinischer Berufe halten Homosexualität noch immer für eine destruktive Perversion, die zu kriminellem Verhalten und zum Verfall allgemein akzeptierter sozialer Verhaltensmuster (Sittenverfall) führt. Solche Überlegungen resultieren möglicherweise aus jenen Fällen homosexueller Aktivitäten, mit denen Juristen beruflich zu tun haben, z. B. die Vergewaltigung Minderjähriger durch Homosexuelle (siehe Päderastie). Es muss jedoch betont werden, dass dieses Verbrechen durch das Bedürfnis nach Kontrolle über andere motiviert ist, wobei das Medium dafür Sex ist; wie auch die Vergewaltigung von Frauen durch Männer in keiner Weise ein von beiden Seiten gewünschtes zärtliches heterosexuelles Verhalten darstellt, ist auch die Vergewaltigung von Jugendlichen durch Homosexuelle sicher kein homosexuelles Verhalten, das von beiden Partnern gewünscht und freiwillig praktiziert wird. Päderastie, die sexuelle Orientierung von Männern auf Knaben kann, wie neuere Untersuchungen gezeigt haben, in keinster Weise mit Homosexualität gleichgesetzt werden. Viele Studien belegen, dass der Großteil der pädophil veranlagten Männer heterosexuell ist. Die Hypothese, dass Homosexualität eine Krankheit ist, wurde 1957 in einer klassischen Studie der California University in Los Angeles in den USA widerlegt. Psychologische Tests, die sowohl mit Homosexuellen als auch mit Heterosexuellen durchgeführt wurden, ergaben keine pathologischen Unterschiede zwischen beiden Gruppen. Während einige Forschungsergebnisse (aus Studien mit eineiigen und zweieiigen Zwillingen) dafür sprechen, dass die sexuelle Orientierung möglicherweise genetisch festgelegt ist, besagen andere Theorien, dass die entscheidenden Faktoren wahrscheinlich eher Erlebnisse im Kindesalter sind. Die moderne Sexualwissenschaft betrachtet Homosexualität als eine von vielen möglichen Ausdrucksformen der Sexualität. Eventuell notwendige Therapien bestehen in einer Hilfe zur Selbstakzeptierung des Homosexuellen und nicht in einem therapeutischen Umpolungsversuch zu heterosexuellen Verhaltensweisen. 1973 gab die American Psychiatric Association folgende Stellungnahme ab: „Homosexualität an sich stellt keine Beeinträchtigung des Urteilsvermögens, Stabilität, Zuverlässigkeit oder allgemein sozialer oder beruflicher Fähigkeiten dar. Wir drängen alle Mediziner, mit gutem Beispiel voranzuschreiten, der Homosexualität das Stigma der Geisteskrankheit zu nehmen.”
Die geschlechtliche Identität und die Geschlechterrolle gelten gemeinhin als erlernt und nicht genetisch festgelegt oder durch die Konstitution bedingt. Chromosomenzählungen und endokrinologische Untersuchungen bei Homosexuellen haben nicht mehr Abweichungen von der Norm ergeben als beim Durchschnitt. Weitaus die meisten Homosexuellen weisen keine besonderen körperlichen Merkmale auf. Die Anatomie der männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane wird bereits in der Zeugungsphase festgelegt, aber die spätere Akzeptanz der gesellschaftlichen Rolle des eigenen Geschlechts wird durch Umweltfaktoren beeinflusst. Geschlecht ist eine soziale Konstruktion. Während das Deutsche nur das Wort „Geschlecht” kennt, hat sich im Englischen die Unterscheidung „sex” und „gender” herausgebildet: Unter „sex” wird das biologische, körperliche Geschlecht verstanden, unter „gender” das soziale, kulturelle Geschlecht. Neuere Forschungen gehen von drei Variablen sexueller Identität aus: dem anatomischen oder biologischen Geschlecht, der soziokulturellen Geschlechterrolle und der sexuellen Orientierung, die alle voneinander zu trennen sind. Die Ausprägungen der sexuellen Orientierung sind nicht zwangsläufig mit den Ausprägungen der soziokulturellen Geschlechterrolle, also männlich, weiblich verknüpft: In der Regel empfinden sich biologisch männliche Personen nicht aufgrund ihrer homosexuellen Neigungen als Frauen oder feminine Wesen, sondern als normale Männer. Es kann aber auch der Fall auftreten, dass eine anatomisch männliche Person sich soziokulturell als Frau empfindet, also eine weibliche Identität aufweist. Die sexuelle Orientierung dieser Person kann auf das gleiche, in diesem Fall das weibliche Geschlecht gerichtet sein, so dass sie scheinbar eine heterosexuelle Beziehung eingeht, diese aber selbst als homosexuelle Verbindung versteht.
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